Pwghs54 und Gmmhs56 mit Schlusssignal

.

Vor kurzem hat Lenz seine neuen Güterwagen der Gattung Pwghs54 und Gmmhs56, beide ausgerüstet mit abnehmbaren Schlusslaternen, ausgeliefert. Ich stelle sie kurz vor und gehe weiter auf das Schlusssignal im Modell ein.
.
Die beiden Güterwagenmodelle sehen auf erstem Blick sehr ähnlich aus, sind aber doch unterschiedlich. Während der Gmmhs56 ein UIC-Standard-Güterwagen ist, ist der Pwghs54 ein Güterzugbegleitwagen, in dem keine Güter, sondern Eisenbahner den Güterzug begleiteten.
.
Fangen wir mit dem Pwghs54 an. Ein Güterzugbegleitwagen wurde in Güterzügen eingestellt und bot dem Zugführer und ggf. mitfahrenden Bremsern oder Rangierern einen warmen Platz. Zu diesem Zweck wurde von der Bundesbahn die bewährte Konstruktion des gedeckten UIC-Standard-Güterwagens genutzt und durch Einplanens von Fenstern, einer Zugangstür von der Bremserbühne, einer Toilette und einer Inneneinrichtung ein Güterzugbegleitwagen entwickelt. Also lag es nahe, dass Lenz bei der Entwicklung des Gmmhs56, einem UIC-Standard-Wagens, auch den Pwghs54 auf den Markt brachte.
.
Laterne.
.
Das Modell gibt das Vorbild ausgezeichnet wieder. Wie bei den schon bekannten Packwagen ist der Wagen auch mit einer Innenbeleuchtung versehen, die im Digitalbetrieb schaltbar ist. Das Dienstabteil und der „Gepäckraum“ lassen sich getrennt und auch gemeinsam ein und ausschalten.
.
Laterne.
.
Die Stirnwandtür lässt sich im Gegensatz zu den beiden Schiebetüren nicht öffnen.
.
Laterne.
.
Der Verriegelungshaken der Schiebetüren ist wie beim bereits bekannten Modell des Gms54 von Lenz (ich hatte ihn bereits hier vorgestellt) feststehend. Die weitere Beschreibung des Modells kann ich abkürzen, da die Details des verlinkten Gms54 im Prinzip auch für den neuen Pwghs54 zutreffen. Allerdings hat Lenz die Kritiken zum beim Gms54 in Bezug auf den Längsträger des Fahrwerks ernst genommen und dem Pwghs54 einen vorbildgerechten Längsträger als U-Profil nachgebildet! Der Pwghs54 ist mit zwei abnehmbaren Schlusslaternen ausgerüstet, die am Ende ohne Bremserbühne angebracht werden können. Auf diese Schlusssignallaternen und deren Besonderheiten werde ich weiter unten eingehen.
.
Laterne.
.
Der zweite neue Güterwagen ist ein Gmmhs56, der im Grundsatz dem bekannten Gms54 sehr ähnlich sieht. Die Abmessungen der beiden Wagen sind identisch, ein optisches Unterscheidungsmerkmal sind aber die Lüftungsschieber an den Wagenlängsseiten: Der Gms54 hat auf jeder Seite zwei Schieber, der neue Gmmhs56 hingegen vier. Ein weiterer Unterschied ist das Dach, das beim Gms54 glatt ist und beim neuen Gmmhs56 mit „Rippen“ versehen ist, was vorbildgerecht ist.
.
Laterne.
.
Der neue Gmmhs56 ist genau wie der Pwghs54 mit zwei Schlusslaternen ausgerüstet, die auf beiden Stirnseiten angebracht werden können.
.
Damit sind wir nun schon bei den neuen Schlusslaternen, die ich mir näher angesehen habe. Als „vorbelasteter“ Modellbahner (habe diese Schlusssignallaternen beim Vorbild oft genug gewartet und an Güterzügen angebracht bzw. von denselben abgenommen) kamen mir die Laternen von Lenz etwas zu groß vor. Also habe ich mir die Laterne mal vorgenommen und vermessen. Das ist das Ergebnis:
.
Laterne.
.
Das Ergebnis, wonach die Abmessungen zwischen 20 und 37% zu groß sind, gab meinem ersten Eindruck Recht. Der Laternenaufsatz und die Rot leuchtende Scheibe hingegen sind beide 10% zu klein, was den Eindruck, dass die Laternen zu groß sind, nochmals verstärkt. Ich weiß nicht, warum Lenz die Originalmaße nicht eingehalten hat. Aber dass fast alle Maße beinahe gleich vergrößert wurden, lässt mich vermuten, dass ein möglicher Grund für die Vergrößerung die bessere Handhabbarkeit der Laterne sein könnte. Technische Gründe möchte ich ausschließen, da die in der Laterne verbaute Technik auch auf kleinerem Raum eingesetzt werden könnte. Ich nehme an, dass den meisten Modellbahnern die Funktionalität der Schlusssignallaternen wichtiger als die Maßhaltigkeit sein wird – das muss jeder für sich selber entscheiden.
.
Schauen wir uns die Laterne mal näher an:
.
Laterne.
.
Die Laterne ist bis auf die oben angeführten Maßabweichungen dem Vorbild bis auf die Füße gut nachgebildet. Wenn man sich die Füße näher ansieht, stellt man fest, dass der hintere Fuß, der mit zwei Kontaktflächen versehen ist, länger ist als die anderen drei. Das hat zur Folge, dass man die Laterne nicht einfach hinstellen kann, sie steht dann sehr schief:
.
Laterne.
.
Das finde ich sehr schade, denn nun kann man nicht einfach eine Szene mit einem Lampisten oder einem Lampenlager nachbilden, da die einzeln stehende Laterne eine unnatürliche Stellung einnimmt.
.
Die Rückseite der Laterne ist Grün (!) und besteht quasi aus einer Platine bzw. Leiterplatte. Das untere Ende ist der zu lange Fuß und die beiden Seiten der Platine sind als Kontaktfläche ausgebildet:
.
Laterne.
.
Normalerweise müsste man auf der schwarzen Rückseite eine klare Scheibe sehen, durch die das Licht der Laterne ungefärbt austreten könnte. Beim Vorbild hat nämlich auf der einen Seite eine rote und auf der anderen Seite eine weiße Scheibe, so dass nur auf einer Seite rotes Licht austreten konnte. Bis in die 50er Jahre war vorgeschrieben, dass ein Schlusssignal auch von vorne mit weißem Licht erkennbar sein musste – so konnten der Zugführer im Güterzugbegleitwagen oder der Lokführer auf der Lok von vorne erkennen, ob der Zug komplett war. Aufgrund der grünen Platine am Modell entsteht hier ein nicht vorbildgerechter Eindruck. Ich denke, dass ein bisschen schwarze Farbe, vorsichtig aufgetragen, und ein weißer Fleck in der Mitte das kaschieren könnten. Oder vielleicht ein Schiebebild oder Aufkleber, so dass die grüne Fläche überdeckt wird.
.
Der längere Fuß mit den beiden Kontaktflächen wird benötigt, um die Laterne am Güterwagen anstecken zu können. Dazu haben die beiden oben vorgestellten neuen Güterwagen richtig funktionierende Schlusssignalhalter:
.
Laterne.
.
Die beiden kleinen, kaum auffallenden metallisch blank wirkenden Schlusssignalhalter sind mit einer Platine auf der Innenseite des Güterwagens verbunden und versorgen die Schlusssignallaterne mit Strom. Wenn man im sehr spitzen Winkel in einen der beiden Wagen hinein sieht, kann man die Platine an der Stirnwand erkennen:
.
Laterne.
.
Das Einstecken der Laterne in den Halter gelingt auch mit dicken Fingern sehr gut. Die Laterne scheint im ersten Moment nur locker in der Halterung zu sitzen, doch bei meinen Fahrtests auch mit hoher Geschwindigkeit über Schienenstöße und Herzstücke haben den Laternen nicht geschadet, das Schlusslicht hat dauernd geleuchtet und keine Laterne ist abgefallen.
.
Im Innern der Laterne scheint mindestens eine rot leuchtende LED verbaut zu sein. Ob auch noch Bausteine zur Spannungsregelung auf der Platine sitzen, kann ohne Öffnen der Laterne nicht festgestellt werden.
.
Eines ist mir noch aufgefallen:
.
Laterne.
.
Eine meiner vier Laternen leuchtete deutlich heller und mit einem anderen Streukreis als die anderen drei Laternen! Woran das liegt, konnte ich nicht feststellen. Das ist leider ein nicht so schöner Effekt, der aber nur die wenigsten stören wird.
.
Zu guter Letzt: Die Laternen sind nicht digital schaltbar – auch wenn das an anderer Stelle schon mal behauptet wurde! Sobald ein Wagen mit aufgesteckten Schlusssignalen auf ein mit „Digitalstrom“ versorgtes Gleis gestellt wird, leuchten die Laternen. Bei analog betriebenen Strecken allerdings erst, wenn die Fahrspannung ausreichend hoch ist. Digital schaltbar wären die Laternen besonders interessant gewesen, allerdings hätte das den Preis der Wagen (zumindest des Gmmhs56) nach oben getrieben. Beim Vorbild waren diese Laterne auch nicht ein- und ausschaltbar, sie wurden vielmehr bereits leuchtend an den Wagen gesteckt und wieder abgenommen – sie wurden also auch nicht ein- und ausgeschaltet, sondern von Lampisten oder Rangierern mit Brennstoff versehen, gereinigt und vor Einbruch der Dunkelheit angezündet. Brennend bzw. leuchtend kamen sie dann an den Wagen.
.
Mein Fazit: Beide Güterwagenmodelle sind hervorragend nachgebildet, es fehlt ihnen eigentlich an nichts. Toll ist, dass Lenz nun die Langträger richtig nachgebildet hat. Der feststehende Verriegelungshebel für die Schiebetüren wird für Betriebsbahner nicht wichtig sein, somit ist es höchstens ein unschönes Detail. Die Ausrüstung der beiden Wagen mit jeweils zwei Schlusssignallaternen ist technisch gelungen und ist sicher ein tolles Gimmick für alle Modellbahner, sofern die 20%ige Vergrößerung kein Hindernis darstellt. Wünschenswert wäre es, wenn die funktionierenden Schlusssignalhalter bald auch an weiteren Güterwagentypen von Lenz sowie an den neu vorgestellten D-Zug-Wagen zu finden sind (diese Laternen wurden auch an diesen Wagen verwendet!).
.
.

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: