OOtz 50 von MBW mit Sonderbeschriftung

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Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Freund von Güterwagen mit „Sonderlackierungen“ oder gar „Sonderbedruckungen“ bin. Der aktuelle Trend, die „Bierwagenmasche“ von Märklin nachzumachen und normale Güterwagen mit Pseudo-Werbeaufschriften auf den Markt zu verwerfen, ist meines Erachtens nicht der richtige Weg. Doch an einem Wagen mit Sonderbeschriftung konnte ich nicht vorbei: Der neue OOtz 50 von MBW mit Rossenray-Beschriftung!

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Wie kommt es dazu? Nun, als Kind vom Niederrhein kennt man natürlich auch die heimischen Schachtanlagen, umgangssprachlich auch Zechen genannt. Als ich dann erwachsen war, wuchs der Wunsch in mir, mir die Welt „untertage“ einmal live anzusehen. So wurde damals eine Grubenfahrt organisiert und wer nun 1 und 1 richtig kombiniert, der kann sich nun denken, auf welcher Schachtanlage ich damals eingefahren bin: Richtig, es war die Schachtanlage Rossenray! Und als ich dann den Hinweis erhielt, dass das Modellbahnland Bonn-Rhein-Sieg e.K., Kölnstrasse 32-34, 53111 Bonn, einen OOtz 50 von MBW mit einer Sonderbedruckung anbieten würde und das nun etwas mit Rossenray zu tun habe, wurde ich neugierig. So ging ich auf die Suche und fand bei einem Bekannten ein Bild eines OOtz 50 mit entsprechenden Aufschriften, aufgenommen im Gelände der Schachtanlage Rossenray:

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Original

Danke an Dieter für die Zustimmung zur Veröffentlichung!

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Der Vergleich des Modells mit dem Bild aus dem Jahr 1964 zeigt, dass das Vorbild recht gut getroffen wurde. Okay, es gibt feine Abweichungen in der Position und den Buchstaben des Schriftzugs, aber das hielt mich nicht ab, denn diesen Wagen wollte ich nun doch haben.

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Er wurde kurzerhand per Mail bestellt, nach Erhalt der Rechnung bezahlt und erreichte mich kurz nach Fertigstellung problemlos auf dem Postweg.

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Direkt nach Erhalt musste dieser Wagen ausgepackt und auf das Gleis gestellt werden. Das Modell ist ein „ganz normaler“ OOtz 50 von MBW, nur eben mit einer besonderen Bedruckung.

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Zum MBW-OOtz 50 wurde schon viel geschrieben, aber ich habe ihn mir doch mal etwas näher angesehen. Das Modell gibt die Wirkung des Vorbilds sehr genau wieder. Der braune Farbton ist sehr gut getroffen, die Betriebs-Anschriften sind inhaltlich richtig in der richtigen Größe an den richtigen Stellen angebracht.

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Nicht ganz passend sind die gewählten Drehgestelle: MBW hat als Vorbild Drehgestelle der Bauart 932 gewählt, die erst in den 70ern bei Vorbereiten von 1500 von 4201 gebauten Wagen für den Einbau der automatischen Mittelpufferkupplung eingesetzt wurden. Im Original waren ursprünglich Drehgestelle der Bauart 931 verbaut gewesen. Die Wahl von MBW, Drehgestelle der Bauart 932 nachzubilden, ist in Anbetracht des Umstands, dass die gewählte Bauart 932 ab den 70ern an 1500 Wagen eingebaut wurde, akzeptabel und wird nur bei den Epoche-III-Puristen, die es ganz genau nehmen, nicht gerne gesehen werden. Die Ausführung der Drehgestelle im Modell ist hervorragend.

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Der Aufbau des Wagens ist aus zwei Halbschalen zusammengesetzt. Leider kann man an den Stirnseiten deutliche Schlitze zwischen diesen beiden Halbschalen ausmachen. Wer sich den Wagen aus der Nähe ansieht, kann hier Verbesserungspotential ausmachen – im Zugverband wird das aber kaum auffallen.

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Im Innern des Laderaums fällt die Verbindungsstelle ebenfalls negativ auf.

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Leider ist diese Stelle nicht wirklich richtig nachgebildet. In Natura befindet sich dort statt des erkennbaren Podestes ein Quersattel, der für die Entladung des Ladegutes förderlich ist. Wen das stört, der kann hier einfach einen Quersattel einsetzen. Aber man muss MBW zu Gute halten, dass diese Ausführung das Einsetzen einer Ladegutimitation erleichtert.

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An anderer Stelle in einem Forum wurde angemerkt, dass die farbliche Ausführung der Bremsarmaturen (beide Hebel Rot) nicht korrekt wäre. Da kann ich nur anmerken, dass es schon richtig ist, dass beide Hebel seitens MBW Rot ausgeführt wurden!

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Der Blick unter den neuen Wagen zeigt eine komplett nachgebildete Bremsanlage.

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Das Modell ist mit vier beweglichen Laderaumklappen versehen, die einzeln manuell entriegelt werden und durch den Druck des Ladeguts aufschwenken können. Die Verriegelungshebel sind sehr fein aus Kunststoff nachgebildet und mit meinen nicht gerade kleinen Fingern nur schwer zu bedienen gewesen. Genau wie beim Vorbild greifen kleine Daumen von unten um die Klappen und halten sie in geschlossenem Zustand fest. Die Ausführung dieses Mechanismus´ ist sehr gut gelungen!

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Wer sich die Mühe macht, die Abmessungen des Modells mit dem Vorbild zu vergleichen, kann folgende Daten feststellen:

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Das Modell ist etwas zu lang für den Maßstab 1:45, was auf die verbauten Puffer und die Gehäuselänge zurück zu führen ist. Das Gehäuse ist zwei Millimeter zu lang, wogegen die Höhe gut getroffen ist. Dass das Modell etwas zu breit ist, ist auf die beweglichen Laderaumklappen zurückzuführen und nicht schädlich.

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Die Waage zeigt, dass der Wagen mit 262 g genau der NEM-Vorgabe entspricht (die 3 g Abweichung schreiben wir mal den Messtoleranzen zu).

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Der Wagen ist mit federnden Puffern und der NEM-Kupplung samt Kulisse ausgestattet. Die Kulisse der Kupplung hat leider in serienmäßigem Zustand etwas zu viel Spiel, so dass die Wagen im Zugbetrieb etwas auseinander gezogen werden. Wen das stört, der kann bei MBW Austauschteile beziehen, mit dem dieses Auseinanderziehen verhindert wird. Die Kupplung selbst ist höhenrichtig angebracht und kuppelt sehr leicht. Sie kann gegen eine Nachbildung der Originalkupplung ausgetauscht werden.

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Mein Fazit: Der OOtz 50 von MBW ist ein gelungener Wagen, der das Vorbild sehr gut wiedergibt und bald sicher einige Modellbahnanlagen bereichern wird. Das vorliegende Modell des „Rossenray-Wagens“ stellt eine geschickte Wahl dar, denn dieser attraktiv wirkende Wagen hat ein Vorbild und lockert das Zugbild eines Ganzzuges mit OOtz-Wagen sichtbar auf.

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Ach ja, Rossenray: Die Schachtanlage Rossenray lag im nördlichen Stadtgebiet von Kamp-Lintfort und hatte eine Grubenanschlussbahn, die in meinem heutigen Wohnort Rheinberg an die Gleise der Deutschen Bundesbahn schloss. Der damalige Anschluss der Schachtanlage Rossenray wird heute noch als Gleisanschluss einer Müllverbrennungsanlage genutzt. Die Schachtanlage Rossenray begann 1963 mit der Kohleförderung und wurde 2012 stillgelegt, nachdem sie im Verbundbergwerk West aufgegangen ist. Die Kohleförderung wurde 1971 eingestellt, die Schachtanlage diente danach nur noch der Seilfahrt (Personenbeförderung), Material- und Bergeförderung.

Link zur Schachtanlage Rossenray

 

Comments
2 Responses to “OOtz 50 von MBW mit Sonderbeschriftung”
  1. Udo sagt:

    Hallo Stefan,
    auch von mir wieder einen herzlichen Dank für die Vorstellung diese Wagens.
    Die Detailfotos sagen auch viel über das Modell aus.
    So bekommt man eine schöne Übersicht von aktuell auf den Markt kommenden
    Fahrzeugen. Interessant sind natürliche auch Deine Hintergrundinformationen.
    Bitte weiter so,

    Mit freundlichen Grüßen aus Berlin
    Udo

  2. leahcim212 sagt:

    Hallo Stefan,

    wie immer ein sehr fundierter und fachlich kompetenter Artikel über ein aktuelles Modell.
    Auch wenn das gezeigte ahrzeug an meinen Interesse vorbeifährt, weckt der Text schon gute Erinnerungen an frühere Bahnzeiten.

    Herzlichen Dank

    Michael

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