Neu von Lenz: Omm 43

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Direkt nach der Spielwarenmesse hat Lenz beinahe überraschend ohne große Vorankündigungen einen neuen Güterwagen, den Omm 43, ausgeliefert.

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Vorbild:

Die noch junge Deutsche Bundesbahn hat nach dem zweiten Weltkrieg große Anstrengungen unternommen, um die vorhandenen Güterwagen entweder zu modernisieren oder auszumustern. Parallel dazu gab es europaweit Bestrebungen, den Güterwagen-Fuhrpark auf modernen Grundsätzen zu vereinheitlichen. Da einheitliche Abmessungen der Güterwagen aus tariflichen Gründen wichtig sind, wurde logischerweise auch damit begonnen, das Potential der vorhandenen Vorkriegs- und Kriegsgüterwagen zu nutzen und vorhandene Typen auf UIC-Standard zu bringen. Im Zuge dieser Überlegungen wurde ab 1955 insgesamt 5352 vorhandene Omm 33 mit neuen UIC-Wagenkästen ausgerüstet und neu als Omm 43 bezeichnet. Diese Wagen sahen nach dem Umbau quasi wie UIC-Standard-O-Wagen aus, wiesen aber einen größeren Radstand als die Standard-Wagen auf. Die „neuen“ Omm 43 wurden nicht in den EUROP-Wagenpark eingestellt. Beim Übergang in die Epoche IV wurden die Omm 43 neu als E 033 bezeichnet. Die Wagen waren fast ohne Ausmusterungen bis Ende der 70er Jahre im Einsatz. 1979 kam es zu einer größeren Verkaufswelle an die DR, so dass Wagen dieser Gattung auch in Epoche IV bei der DR im Einsatz waren. Anfang der 80er Jahre wurden 180 E 033 zu Wagen für den Rübentransport hergerichtet und als Eo 013 bezeichnet (Stirnwände festgelegt). 1987 wurden die letzten E 033 bei der DB ausgemustert, während der letzte Eo 013 erst 1994 auf das Abstellgleis kam. Die an die DR verkauften Wagen waren etwas länger im Einsatz, wenige waren Ende 1993 noch im Bestand der DR und kamen somit sogar in den Fuhrpark der neu geründeten DB AG.

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Modell:

Lenz hat sich mit dieser Type einen sehr interessanten Güterwagen ausgesucht, der bis in die Epoche VI hinein eingesetzt werden kann – Beschriftungsvarianten (Epoche IV) sind bereits angekündigt. Da es sich bei diesem Güterwagen um einen Umbauwagen handelt, eignet sich das Fahrwerk auch für die Vorgänger-Varianten, welche Lenz mittlerweile auch als Neuheit für die nächste Zeit angekündigt hat.

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Der neue Omm 43 von Lenz

Der neue Omm 43 von Lenz

 

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Das vorliegende Modell war in lenztypischer Weise gut und sicher in der bekannten blauweißen Schachtel verpackt. In einem Zurüstteilebeutel sind Bremsschläuche zu finden, die eingesetzt werden können, wenn der Wagen von der vorhandenen NEM-Kupplung auf eine (nicht beiliegende) Original-Kupplung umgerüstet werden soll – eine entsprechende Öffnung ist für Bremsschlauch und Original-Kupplung in den Pufferbohlen vorhanden.

Frontansicht mit Öffnung in der Pufferbohle

Frontansicht mit Öffnung in der Pufferbohle

 

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Die Frontansicht zeigt, dass bei diesem Wagen auch der Verschlussmechanismus für die bewegliche Stirnklappe (nur beim Vorbild, im Modell nicht beweglich) vorbildgerecht nachgebildet ist. Im Bild sichtbar ist die nachgebildete Schutzabdeckung des Bremsschlauchs bzw. dessen Ventils – damit dieses bei Entladung durch die Stirnklappe nicht beschädigt oder verschmutzt wird.

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Der Verschlussmechanismus

Der Verschlussmechanismus

 

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In der Seitenansicht fällt der ungewohnt lange Radstand für UIC-Wagen auf. Beim Vorbild beträgt dieser Radstand 6.00 m, welcher exakt maßstäblich im Modell umgesetzt wurde (13,3 cm). Der Wagen hat beim Vorbild eine Länge von 10,0 m, was im Modell mit exakt 22,2 cm umgesetzt wurde.

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Die Seitenansicht

Die Seitenansicht

 

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Wo wir gerade bei den technischen Daten sind: Der Omm 43 hat ein Gewicht von 336 g, was bedeutet, dass dieser Wagen schwerer ist, als in der NEM 302 vorgesehen (222g + max. 30%). Ich denke aber, dass dieses erhöhte Gewicht im Betrieb keine Probleme bereiten wird.

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Der Omm 43 auf der Waage

Der Omm 43 auf der Waage

 

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Das Waagenbild zeigt gleichzeitig einen Blick unter den Wagen. Auch wenn die Unterseite im Betrieb eines Wagens absolut unwichtig ist, hat Lenz hier alle relevanten Details exakt nachgebildet.  Einzig einen Festpunkt und eine Rückzugs-Feder „vermisse“ ich – na ja, sie fehlen nicht wirklich.  Mit dieser Detaillierung hat Lenz die Messlatte im Segment der neuen Spur-0-Modelle wieder mal etwas höher gelegt.

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Diesbezüglich hier mal ein Blick auf das Laufwerk, welches auch sehr gut detailliert wiedergegeben wurde.

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Fein gestaltetes Laufwerk mit Bremsklötzen auf der richtigen Höhe.

Fein gestaltetes Laufwerk mit Bremsklötzen auf der richtigen Höhe.

 

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Der Laderaum des Omm 43 ist Schwarz lackiert und wirkt dadurch auf erstem Blick, besonders im Vergleich mit den anderen offenen Lenz-Güterwagen, erst einmal ungewohnt. Doch damit wurde das Vorbild nachgebildet.

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Der schwarze Laderaum

Der schwarze Laderaum

 

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Der Zugang zum Laderaum erfolgt beim Vorbild über eine zweiflügelige Ladetür an der Längsseite, welche mit einem Bügel und einer Verriegelung gesichert ist. Während Lenz bei seinen bisherigen O-Wagen die öffnungsfähigen Ladetüren nur über eine Klemmung bzw. Raste verriegelt hat, hat Lenz hier nun den vorbildgerechten Weg gewählt und den Verschlussbügel (in einem Teil!!!) beweglich nachgebildet. Die nachfolgende Bildreihe zeigt Details zur Ladetür:

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Die Ladetür mit Verschlussbügel in verriegelter Position.

Die Ladetür mit Verschlussbügel in verriegelter Position.

 

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Verschlussbügel gelöst und in Ruhestellung

Verschlussbügel gelöst und in Ruhestellung

 

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Die beiden Flügel der Ladetür lassen sich nun öffnen...

Die beiden Flügel der Ladetür lassen sich nun öffnen…

 

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... und um fast 180 Grad öffnen.

… und um fast 180 Grad öffnen.

 

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Auch die Innenseiten der Ladetüren sind exakt nachgebildet. Die Verriegelung lässt sich nicht betätigen, ist aber sehr gut in verriegeltem Zustand nachgebildet worden.

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Omm43-15

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Zum Schluss noch ein Blick auf die Anschriften: Sie sind sauber, größen- und inhaltsrichtig wiedergegeben worden. Hier habe ich nichts zu mäkeln.

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A propos Mäkeln: In einem Forum wurde das Fehlen der Binderinge (zum Befestigen einer Decke) bemängelt. Wer sich mit dem Vorbild auseinander setzt, findet heraus, dass der Omm 43 keine Binderinge hatte, sondern nur kleine „Ösen“, die an entsprechender Stelle am Rahmen bzw. an der Seitenwand angebracht waren. Diese Ösen sind von Lenz an den richtigen Stellen angedeutet worden. Sie sind aber nicht durchbrochen nachgebildet, weil diese aus Formbaugründen nicht ohne sehr großem Aufwand anders machbar gewesen wären. Auch der Anbau eines Ansatzteils wäre aufgrund der Kleinheit der „Öse“ nicht möglich gewesen. Meines Erachtens hat Lenz hier richtig gehandelt und die „Ösen“ in maßstäblicher Größe angedeutet.

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Mein Fazit:

Mit diesem Wagen hat Lenz „die Latte wieder höher gelegt“ und ein Spitzenmodell in bewährter Lenz-Qualität ausgeliefert. Der Verkaufspreis von 104,50 € ist für dieses Modell m.E. angemessen und nicht zu hoch.

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Varianten und Bestellnummern:

  • 42139-01 Güterwagen Omm 43, DB, BN 808 460 (ausverkauft)
  • 42139-02 Güterwagen Omm 43, DB, BN noch unbekannt (Neuauflage)
  • 42139-03 Güterwagen E 033, DB, Epoche-IV-Modell geplant
Comments
One Response to “Neu von Lenz: Omm 43”
  1. Spur 0 Bahner sagt:

    Danke ! Sehr ausführlicher Bericht – Fotos und informativ🙂

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