Neu von Lenz: Otmm 61

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In diesen Tagen hat Lenz zwei neue Güterwagenmodelle ausgeliefert: Otmm 61 und Otmm 64.

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Während die Spur-0-Szene nach Nürnberg schielte und über die Neuheiten des Jahres 2014 diskutierte, lieferte Lenz mit dem Otmm 61 und der „Schwesterbauart“ Otmm 64 überraschenderweise neue Güterwagen aus. Ein Modell des Otmm 61 hat dank der Firma Addie seinen Weg zu mir gefunden und musste gleich auf Gleise gestellt werden. Mein iPhone fand wie von selbst den Weg ins Lego-Stativ, so dass ich diesen Wagen gleich vorstellen kann.

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Der erste Blick zeigt,  dass das Modell sehr stimmig wirkt. Auch die Bühnenseite an den Bedieneinrichtungen ist sehr gut getroffen.

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Von der Seite besticht das Modell mit sauber angebrachten Anschriften und weiteren Details. Im Gegensatz zum neulich ausgelieferten Talbot-Wagen hat dieser Wagen einen Zettelkasten. Das Gestände zur Bedienung der Schieber ist beweglich und öffnet die Schieber – im folgenden Bild sind beide Bedienhebel umgelegt und die Schieber geöffnet.

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Leider ist das Gestänge anders gefärbt als das restliche Gehäuse – die beiden unterschiedlichen Brauntöne fallen auf und hinterlassen den Eindruck, dass das Gestänge wie nicht lackiertes Plastik wirkt. Weiter fällt auf, dass sich die Schieber einer Wagenseite nicht einzeln bedienen lassen! Damit sind Entladeszenen an der Ladestraße, bei der ein Förderband unter dem Auslauf dazu dient, das Ladegut aus dem Otmm dosiert auf einen Lkw umzuladen, im Modell nicht möglich! Beim Vorbild öffnen die beiden Hebel auf einer Wagenseite jeweils einen Schieber und lassen sich einzeln bedienen. Der Hebel, der zum Aufbau steht, öffnet den naheliegenden Schieber 1 und der äußere Hebel den weiter entfernten Schieber 2. Okay, die Nachbildung der Hohlwelle stand sicher im Widerspruch zur maßstäblichen Umsetzung. Lenz hat sich für die maßstäbliche Nachbildung des Schiebergestänges mit einer teilweise vorbildgerechten Funktion entschieden. Schade, dass die Ladestraßenszene nun leider nicht möglich ist.

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Im oben stehenden Bild sind leider auch deutlich Schlitze zwischen den senkrechten Wagenwänden und dem Trichter sichtbar

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Im Profil zeigt sich ein kleiner Selbstentladewagen – klein deswegen, weil diese Bauart beim Vorbild deutlich kleiner als der etwas später gebaute und in der Spur-0-Szene recht weit bekannte Ed 90 ist. A propos Vorbild: Der Otmm 61 war kein Neubauwagen, sondern ein Umbau, der in Ausbesserungswerken der DB aus brauchbaren Bauteilen von zerlegten Vorkriegswagen wie bspw. dem Omm 37 entstand. Es wurde keineswegs das Fahrwerk der Spenderwagen weiterverwendet, sondern nur Bauteile aufgearbeitet und mit neuen Bauteilen kombiniert. Die beiden Vorbildbauarten Otmm 61 und Otmm 64 unterschieden sich äußerlich nur durch die unterschiedliche Ausführung der Seilhakenkonsole am Kompfstück. Der Laderaum des Otmm 61 war mit Bitumen beschichtet, während beim Otmm 64 Zinkstaubfarbe zur Anwendung kam. Das vorliegende Modell des Otmm 61 hat leider überhaupt keinen Seilhaken, der Laderaum ist vorbildgerecht Schwarz eingefärbt.

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Der Blick in den Laderaum zeigt die richtige Färbung und darüber hinaus sind auch die Versteifungen (Rohre und Bleche) nachgebildet.

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Auch die Stirnseite ohne Bedienrichtungen ist richtig nachgebildet – leider fällt hier auf, dass die Seilhakenkonsole ohne Seilhaken oder –Schlaufe ist.

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Der obligatorische Blick unter den Wagen zeigt, dass Lenz-typisch alles wichtige nachgebildet worden ist.

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Wenn man näher hinsieht, findet man an jeder Auslauföffnung eine auch im Modell bewegliche Schütte, die sich aus der Ruhelage herausklappen lässt, aber leider nicht weit genug, um das auslaufende Ladegut aus dem Gleisbereich heraus zu leiten. Beim Vorbild kennt diese Schütte nur die Ruhestellung und die im Modell leider nicht erreichte Endlage. Im nachfolgenden Bild ist erkennbar, dass die rechte Schütte in Ruhestellung ist und der Auslauf sichtbar ist. Die linke Schütte ist rausgeklappt, weiter lässt sie sich nicht klappen – also im Modell leider nicht weit genug. Die Schütte soll beim Vorbild dafür sorgen, dass das auslaufende Ladegut nicht in den Schotterbereich läuft – das gelingt mit den Modellschütten leider nicht, sie klappen nicht weit genug.

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Aus den Erfahrungen mit den Wagengewichten heraus habe ich das neue Modell auf die Waage gestellt und herausgefunden, dass es 208 g wiegt. Damit liegt es nahezu exakt auf der NEM-Vorgabe (in diesem Fall 202 g)!

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Mein Fazit: Lenz ist mit diesem Modell meiner Meinung nach wieder ein Spitzenmodell gelungen, welches mir sehr gut gefällt. Aber wo viel Licht ist, ist leider auch viel Schatten:

  • Die Schütten an Auslauftrichtern lassen sich zwar ausklappen, aber leider nicht weit genug
  • Die Schieber lassen sich nicht einzeln zu öffnen
  • Der Seilhaken fehlt
  • Das Schiebergestänge hat eine andere Farbe als das Gehäuse
  • Es gibt deutlich sichtbare Schlitze an den Ansätzen der einzelnen Aufbauteile
  • Und bei einigen Modellen waren die Bühnengeländer und Leitern verbogen

Für den Bahnbetrieb auf der Anlage dürften diese Punkte nicht allzu wichtig sein, das Modell ist voll betriebsfähig. Aber durch den Umstand, dass sich die Schieber nicht einzeln öffnen lassen, ist der Spielwert eingeschränkt. Optisch stören die Schlitze am Gehäuse und die abweichende Farbe des Stellgestänges. Der Aufwand, verbogene Bühnengeländer und Leitern „in Form zu bringen“, ist bei Vorliegen dieses Umstands nicht zu unterschätzen.

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Selbstentladewagen Otmm 61

Betriebsnummer 640 951: Art. Nr. 42152-01

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Selbstentladewagen Otmm 64


Betriebsnummer 607 968: Art. Nr. 42152-02

Comments
One Response to “Neu von Lenz: Otmm 61”
  1. Udo sagt:

    Hallo Stefan,
    wieder einmal eine ausführliche und verständliche Dokumentation über diesen neuen Güterwagen der Firma Lenz. Leider habe ich bei meinem erworbenen Otmm 61 auch feststellen müssen, die Leiter auf der Seite ohne Bedieneinrichtungen ist total verzogen. Es hat den Anschein, das sie ein wenig zu groß geraten ist und sich dadurch nach innen biegt. Ich werde versuchen diese Leiter zu kürzen und sie wieder gerade zu biegen. Deine Feststellungen bezüglich der unterschiedlichen Farbgebung des Schiebergestänges und der deutlich sichtbaren Schlitze an den Ansätzen der einzelnen Aufbauteile kann ich glücklicherweise bei meinem Wagen nicht bestätigen.
    Vielen Dank auch für die detaillierten Fotos.
    Mit freundlichen Grüßen
    Udo

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