Löten und Meer

Wer mich kennt, weiß, dass ich seit mehr als 30 Jahren ein Fan des Kunststoffmodellbaus bin und neben Dampfloks auch dem Löten nichts abgewinnen kann. Zwar habe ich mittlerweile mal einen Lötkurs bei Jürgen Moog (0mobau)mitgemacht und es geschafft, eine Werkzeugkiste zusammen zu löten, aber irgendwie war „der Funke noch nicht übergesprungen“.

.

Nun passierte es schon vor geraumer Zeit, dass Jürgen Moog angesprochen wurde, ob er nicht mal ein Löt-Seminar auf der Insel Norderney abhalten könne. Der „Pferdefuß“ an dieser Frage war nur der Termin: Mitte Januar sollte es sein! Hm, wie sicher bei Winterwetter auf die Insel kommen? Wenn das Wetter nicht mitspielt, sind auch 300 Kilometer zum Fähranleger in Norddeich mit dem Auto eine riskante Strecke. Aber dann gibt es ja noch die echte Eisenbahn als Rückfallebene, denn der IC der DB AG fährt bis auf den Anleger, so dass das Umsteigen auf die Fähre kein Problem darstellen würde.

.

Also wurde bereits vor Monaten geplant, wie dieses Löt-Seminar auf Norderney durchgeführt werden sollte. Der Veranstaltungsort stand schnell fest: Das „Hotel Friese“ würde zum fraglichen Zeitpunkt in Winterpause gehen und es würde kein „störender“ Gast im Hotel sein. Die Norderneyer 0e-Freunde würden zeitgleich in einem großen Speisesaal ihre Module aufbauen und Fahrbetrieb durchführen. Einige befreundete Schmalspur-Bahner vom Festland wären auch dabei, so dass im Hotel Friese nur Spur 0er zu finden seien.

.

Das sprach mich als Nordsee-Fan nun doppelt an und da unser Winterurlaub an der Nordsee in diesem Jahr erst im März stattfinden wird, war ein verlängertes Wochenende auf Norderney im Januar für meine Frau und mich sehr reizvoll. Beim letzten Norderney-Urlaub Ende Oktober wurde also ein schönes Zimmer für uns gebucht und dann war es irgendwann so weit: Die Fahrt nach Norderney im Januar stand an.

.

Bei bestem Wetter war die freitägliche Autofahrt nach Norddeich nach Arbeitsende beinahe ein Kinderspiel und während der Fährüberfahrt kam schon richtig Freude auf. Auf der Insel schnell das Zimmer bezogen, das Auto weggeparkt und in der aufkommenden Dunkelheit einen kleinen Spaziergang über die Promenade gemacht. Das gemeinsame Abendessen im Hotel im Kreis der anwesenden Spur 0er eröffnete einen schönen Abend.

.

Am nächsten Morgen wurde direkt nach dem Frühstück die interessante Schmalspur-Anlage betrachtet und zu diesem Zeitpunkt überlegte ich, statt zu löten lieber an dieser Anlage zu spielen.

.

anleger1

Details am Anleger der 0e-Modulanlage

.

Als ich dann mit meinen mitgebrachten Lötutensilien in den Seminarraum kam, wurde ich von den Anwesenden freundlich eingeladen, mitzumachen. Hm, warum nicht, dachte ich mir, draußen regnete es und meine Frau war mit den anderen Frauen zum Shopping verabredet. Also los, Lötstation aufgebaut und dem Einstiegs-Vortrag von Jürgen Moog gelauscht. Als er dann die Anfänger-Bausätze der Bahnmeisterkiste aushändigte, meinte er zu mir, dass ich was anderes löten solle. Ich fragte mich, was das wohl sein könne.

.

Er drückte mir eine Ätzplatte in die Hand und ich erkannte, dass es ein Rottenwagen mit Akku aus dem Haus der Maschinenfabrik Esslingen war. Leider hatte er noch keine Bauanleitung, aber er meinte, dass der so einfach zu bauen sei, dass sogar ich den zusammen kriegen würde. Bei diesen Worten wollte ich beinahe meine Freundschaft zu ihm aufkündigen, erst Recht, weil alle anderen im Raum ein gewisses Grinsen im Gesicht hatten. Aber dann fiel mir ein, dass Löten und ich irgendwie nicht zusammenpassten und er vielleicht mit seinem Unterton Recht hätte.

.

Nun gut, der Blick zum Fenster mit dem Regen an den Scheiben motivierte mich, los zu legen. Jürgen Moog musste die noch fehlende Bauanleitung ersetzen, mir natürlich zu den einzelnen Teilen sagen, was zu machen ist und ich versuchte mich daran.

.

Der Bausatz selber ist raffiniert konstruiert und ich muss sagen, dass er wirklich für Anfänger geeignet ist und am Ende ein gutes Ergebnis herauskommt!

.

Doch der Reihe nach. Die anderen Kursteilnehmer, zu denen sich auch der Hotelier des Hotels Friese gesellt hatte, löteten derweil die ersten Bahnmeisterkisten zusammen und es war eine gute Stimmung im Raum. Mir gelang es, den Rahmen und das Führerhaus zusammen zu bauen und ich staunte nicht schlecht, wie einfach es ging und wie gut ich das im letzten Löt-Seminar Gelernte anwenden konnte.

.

Zwischendurch schauten die Ehefrauen rein und sahen, dass wir gut beschäftigt waren. Daraufhin entschwanden sie in die Milchbar, um es sich dort gut gehen zu lassen. Wir hingegen löteten weiter und die anderen Teilnehmer erhielten einen Formsignal-Bausatz aus dem Hause Moog, um ihre neuen Fähigkeiten gleich an einem weiteren praktischen Beispiel anzuwenden.

.

milchbar

Die Milchbar an der Promenade in der „Blauen Stunde“

.

Nur unterbrochen von einer Suppe zum Mittag löteten wir bis zum Abendessen um 19.00h. Zu diesem Zeitpunkt musste ich nur noch zehn kleine Bauteile anbringen, was ich aber auf den kommenden Morgen verschob.

.

Ein gemeinschaftliches und schon traditionelles Grünkohlessen läutete den gemütlichen Teil des Abends ein.

.

Am nächsten Morgen wurde nach dem guten Frühstück im Hotel Friese weiter gelötet, die letzten zehn Kleinteile fanden schnell ihren Platz an meinem Modell und ich war fertig:

.

esslinger-2

.

esslinger-1

.

Während ich ab frühen Mittag den sonnigen Wintertag auf der Insel mit meiner Frau genoss, löteten einige Teilnehmer weiter an ihren Formsignalen.

.

Auch dieser Abend endete mit einem gemeinsamen Essen im Hotel.

.

Am Montag waren viele Teilnehmer schon abgereist, die verbliebenen verbrachten entweder einen schönen Tag auf der Insel oder an der 0e-Anlage oder löteten noch weiter – manche Teilnehmer haben drei Tage lang gelötet!

.

Als wir am Dienstag Morgen die Insel verließen, schloss das Hotel Friese seine Pforten und die Mannschaft, die uns in den Tagen betreut hatte, ging in die Winterpause. Unsere Rückreise verließ unspektakulär und auf der Fähre waren wir mit den anderen nun abreisenden Teilnehmern der Meinung, dass wir ein tolles Wochenende in einem guten Hotel verlebt hatten. Und ich konnte es immer noch nicht glauben, dass mir das Löten gelungen war!

.

Tja, und nun überlege ich, was ich als nächstes Löten werde – das hätte ich eine Woche vorher nicht für möglich gehalten! Mein Dank gilt Jürgen Moog für das gute Seminar, das eindeutig Workshop-Charakter hatte und mir dieses Mal viel gebracht hat und an die Mannschaft des Hotel Friese für die schöne Zeit!

.

Ach ja: Und was ist mit dem Rottenwagen, den ich da gelötet habe? Nun, das war ein Prototyp eines Bausatzes, den der O-Scale-Hobbyshop in etwa anderthalb Monaten als Neuheit auf den Markt bringen wird. Vorbild ist ein Rottenwagen mit Akkus, der in den 30er Jahren in mehreren Exemplaren hergestellt wurde und dessen letzter Vertreter bis 1991 in Basel bei der Bundesbahn im Einsatz war. Dieser letzte Mohikaner ist derzeit in Haltingen hinterstellt, vielleicht gelingt eine museale Aufbewahrung. Zum Preis des Bausatzes kann ich noch nichts sagen, da der O-Scale-Hobbyshop noch auf Gussteile wartet und die endgültige Kalkulation noch nicht fertig ist. Der Antrieb wird mit einem Faulhaber 1512-Motor erfolgen, es wird eine Achse angetrieben. Was ich sagen kann, ist, dass auch Anfänger diesen Bausatz zusammen löten können – wie man ja an mir sehen konnte! Und ich habe mir nicht einmal die Finger verbrannt!!!

 

Und vielleicht treffen wir uns dieses Jahr noch einmal zum Löten auf Norderney? Erste Gedanken und Pläne dazu gibt es bereits…

Comments
3 Responses to “Löten und Meer”
  1. Charlie Dörr sagt:

    Hallo Stefan, herzlichen Glückwunsch zu Deiner Löt-Meisterleistung, ich bin noch nicht ganz so weit, bemühe mich aber mit Lötübungen an Gleisen und Weichen, habe auch schon angefangen, eine Messing-T 3 (eine preußische Dampflok, zur Erläuterung!) betend und lötend zusammen zu fügen. Ich denke mal, wir sehen uns in Buseck oder in Augsburg. Liebe Grüße Charlie D. aus O. am M.

  2. Thomas sagt:

    Hallo Stefan,

    Glückwunsch zum gebauten Messing Modell.
    Ich freue mich für Dich, dass Du es doch noch mal versucht hast.
    Das Ergebnis kann sich ja auch sehen lassen.

    Das ich das noch mal erleben darf….

    Viele Grüße und weiterhin viel Spaß beim Löten
    Thomas

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: