OOtz 50 – ein betagtes Modell

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Die Diskussionen um den OOtz 50 der letzten Tage erinnerte mich an dieses betagte Güterwagenmodell und daran, dass ich einmal einen während einer Stellwerksschicht „gealtert“ hatte – aber das ist eine andere Geschichte*.

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Der OOtz 50 beim Vorbild

Die noch junge DB stellte 1952 einen Prototypen eines Universalwagens in Dienst, mit dem die Vorkiregsbauarten der Großraum-Selbstentladewagen ersetzt werden sollte. Die Bauart lehnte sich an die Vorkriegsentwicklungen an und wurde komplett geschweißt. Charakteristisch für diese Bauart (und Folgebauarten) sind die großen Klappen an den Wagenseiten, die nach Entriegelung durch das Gewicht des Ladeguts nach außen gedrückt wurden. Nach Beendigung des Entladevorgangs schwenken die Klappen fast in Transportstellung zurück und müssen nur noch leicht angedrückt werden, damit die Daumen der Daumenwelle umgelegt werden können. Beim OOtz 50 erfolgte die Entriegelung der Klappen manuell durch einen Bediener, der neben dem Wagen stehend einen langen „Schlüssel“ auf einen Vierkant an der Stirnseite ansetzte und ein wenig drehte. Dadurch wurde die Verriegelung der Daumenwelle gelöst und die Klappen konnten aufschwingen. Im Innern des OOtz 50 befinden sich Sattel, über die das Ladegut zu den Klappen links und rechts des Wagens rutschen konnte. Charakteristisch für diese Bauart ist, dass das Ladegut beim Entladen nicht dosiert werden konnte und die Entladung schlagartig erfolgte. Die Entladung kann also nur in ein Silo unter dem Gleis erfolgen. Ab 1954 wurde der OOtz 50 in Serie gebaut. In der Zeit bis 1964 wurden insgesamt 4201 Wagen der Serienbauart gebaut. Bis Baujahr 1960 wurden normale Puffer verbaut, danach sogenannte Hochleistungspuffer (auch „Elefantenpuffer“ genannt). Aus dem OOtz 50 wurde auch ein Wagen mit Klappen über der Beladeöffnung zum Transport von nässeempfindlichen Gütern abgeleitet: KKt 57 sowie KKt61/62 mit Schwenkdächern und leicht abgewandelten Oberkästen. Bis 1977 waren nahezu alle Fad 167 (Bezeichnung ab 1964) im Dienst. Ab 1980 wurden diese Wagen als Fal 167 bezeichnet – bis 1998 wurden alle Fal 167 ausgemustert.

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Dieser Wagen ist ein klassischer Ganzzug-Güterwagen. Ein einzelner OOtz 50 dürfte nur selten in einem gemischten Güterzug zu sehen gewesen sein – ich habe sowas nur bei defekten Wagen gesehen, die einer Werkstatt zugeführt wurden. Zur Entladung dieser Wagenbauart ist ein Auffang-Silo unter dem Gleis erforderlich. Mir selbst sind keine Betriebe bekannt, die Kohle oder ähnliches mittels OOtz 50 angeliefert bekamen und täglich nur einen Wagen erhielten – vielmehr liefen diese Wagen zu Kraftwerken, Hochöfen, Heizwerken und ähnliche Betriebe, die einen großen Bedarf an Kohle, Erz oder Sand hatten. Der OOtz 50 ist also kein Wagen für die Nebenbahn der Epoche III, sondern ein klassischer Hauptbahnwagen, der fast nur in Ganzzügen, aber dafür gerne in Gruppen von 15, 17, 18, 20, 23, 24, 27 oder gar 40 Wagen auftrat.

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Der OOtz 50 im Modell

Der OOtz 50 eignet sich aufgrund seiner Einsatzzeit für die Epochen III bis V und ist ein für die DB sehr charakteristischer Wagen. Im Modell wurde er erstmal 1977 von Eurotrain vorgestellt und produziert. Das Modell hat seitdem verschiedene Anbieter gehabt, wurde aber nur unwesentlich geändert.

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Der Aufbau besteht aus zwei Halbschalen, in welche die innenliegenden Sättel eingeklebt werden müssen. Die Sättel haben an der Unterseite Ausnehmungen, in welche die Querträger, an denen die Drehgestelle angeschraubt werden, eingeklebt werden. Ein kleiner Spritzling besteht aus einem Plastiktrittbrett für die Stirnseite sowie eine Treppe, die zwischen den Klappen in die Seitenwand eingesetzt werden muss. Dieser Spritzling lag jedem Bausatz zweimal bei. Vier Tritte für die Pufferbohle, ein Handbremsrad und zwei Drahtbügel, alle Teile aus Messing, vervollständigen die Zurüstteile. Weiter gehörten noch vier Puffer, zwei Originalkupplungen, zwei gefederte Drehgestelle, vier Radsätze sowie zwei Schrauben zum Bausatzumfang.

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Deutlich sichtbar ist oben an der Stirnwand ein Schlitz, der durch das Zusammenkleben der Halbschalen entstand und nicht ordentlich geschlossen wurde – ein Nachteil der gewählten Konstruktion.

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Der Wagen wurde anfänglich als Fertigmodell (Preis 750,- DM, ca. 325,- €) und als Bausatz (500,- DM, ca. 250,- €) angeboten.

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Unter Eurotrain wurde das Modell als „Fad 168“ angeboten, wobei die Maße des Modells eindeutig zum OOtz 50/Fad 167/Fal 167 und nicht zur Folgebaureihe passen.

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Nachdem 1982 sich Eurotrain auflöste, vertrieb Hübner dieses Modell unter seinem Label weiter. Ab 1984 übernahm Gebauer das Modell. In dieser Zeit war der Bausatz zum Preis von 90 – 130,- DM (ca. 45,- bis 65,- €) erhältlich – in dieser Zeit kaufte auch ich meinen ersten Bausatz. Zu dieser Zeit wurden die Bausätze in einfache Bausätze und in Super-Bausätze unterteilt. Im Superbausatz waren noch weitere Messing-Gussteile enthalten, womit bspw. die Bremsbedieneinrichtungen nachgebildet werden konnten.

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In den 90er Jahren konnte der Wagen dann bei Billerbahn und danach bei EMA erstanden werden. Allerdings lagen dann keine gefederten Drehgestelle bei, sondern aus Weißmetall gegossene ungefederte Drehgestelle. Die Firma EMA übernahm später das Modell. In dieser Zeit wurden auch die Weißmetalldrehgestelle durch Drehgestelle von Rivarossi aus Kunststoff ersetzt. Heute wird das Modell von Schnellenkamp, sowohl als Bausatz als auch als Fertigmodell, angeboten – wahlweise mit Originalkupplung oder mit NEM-(Lenz-)Kupplung. In diesen Tagen kündigte MBW eine eigene Version dieses Wagens an – es wird sich hierbei um eine komplette Neukonstruktion handeln.

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Soweit die Geschichte des OOtz 50, ein wirklich schon betagtes Modell.

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Ein Vergleich der Maße zeigt uns, dass das Modell ziemlich genau im Maßstab 1:43,5 gehalten ist:

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* Bei der Höhe habe ich in der Tabelle zwei Maße angegeben. Der erste Wert entspricht einem Wagen, der nach Bauanleitung montiert wurde. Leider kommt er sehr hochbeinig daher und hat auch die Puffer zu hoch stehen. Bei meine ersten Wagen dieser Bauart habe ich die Sättel im Innern etwas höher eingeklebt und somit erreicht, dass der Wagen beinahe die richtige Höhe hat und dem Anblick des Vorbilds eher entspricht.

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Hier sieht man den Unterschied in der Höhe

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Die mir vorliegenden Modelle sind alle mit gefederten Metalldrehgestellen ausgerüstet. Die Federung erfolgt durch Stahldrähte, die im Drehgestell eingesetzt sind und am Ende eine Öse haben. In diesen Ösen drehen sich die Achsstummel. Bei diesen Drehgestellen besteht die Gefahr, dass die Stahldrähte Kontakt zu den Radreifen bekommen und somit einen Kurzschluss verursachen. Um das zu verhindern empfiehlt es sich, eine kleine Unterlegscheibe zwischen Radscheibe und Öse der Federung zu setzen – somit wird der kurzschlussbringende Kontakt verhindert. Die Laufeigenschaften der Wagens sind hervorragend.

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Aus einer EMA-Lieferung habe ich Wagenbausätze mit Weißmetalldrehgestellen und mit Rivarossi-Drehgestellen. Die Weißmetalldrehgestelle haben keine Federung und bedürfen noch einiges an bastlerischem Geschicks, um sie funktionsfähig zu machen. Die Rivarossi-Drehgestelle bestehen aus Kunststoff, sind ungefedert und sind im Bahnbetrieb unproblematisch – allerdings besteht die Gefahr, dass die Achsstummel die Lagerlöcher der Kunststoffdrehgestelle mechanisch angreifen.

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Mein Meinung zu diesem Wagen:

Dem Modell sieht man an, dass er quasi aus wenigen Stücken besteht. Er ist, einfach gesagt, nicht mehr zeitgemäß. So haben die Drehgestelle keine Bremsnachbildungen, Bremsbedieneinrichtungen sind nicht nachgebildet, der Zettelkasten ist nur primitiv nachgebildet, die Leiter hat sichtbare Holme und so weiter.

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Dennoch handelt es sich bei diesem Wagen um ein Modell, welches besonders im Ganzzug eine besondere Wirkung auf den Betrachter hat. Dadurch, dass dieser Wagen im Maßstab 1:43,5 gehalten ist, freue ich mich auf eine Neukonstruktion, dann hoffentlich im Maßstab 1:45!

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* Die Alterung damals erfolgte mittels schwarzer Farbe, welche wahlweise mit einem Tuch oder einem Borstenpinsel aufgetragen und dann mit einem anderen Tuch verstrichen bzw. abgewischt wurde. Im zweiten Gang habe ich einen Grauton in gleicher Weise aufgetragen und bearbeitet. Orientiert hatte ich mich damals an einem Fal 167, der in Sichtweite zu meinem Stellwerk stand. Damals, 80er Jahre halt……

 

Comments
4 Responses to “OOtz 50 – ein betagtes Modell”
  1. Udo sagt:

    Hallo Stefan,

    Vielen Dank für die ausführlichen Informationen und den erklärenden Fotos dazu.
    Deine Ausführungen über den Werdegang dieses Güterwagenmodell haben mir
    wieder gezeigt, es gibt bestimmt noch viele Modelle in dieser Spurweite, die so
    intensiv mit Hintergrundinformationen vorgestellt werden könnten.

    Mit besten Grüßen
    Udo

  2. Thorsten sagt:

    Die Diskussion in der Spur-0-Meinungsführerschaftssekte habe ich nur vom Hörensagen mitbekommen. Aber Vorverurteilungen und Stimmungsmache werfen kein gutes Licht auf die Anhängerschaft dieser schönen Spurweite. Vor allem scheinen mir bestimmte Kreise weniger an modellbauerischer Wertigkeit und viel eher an dem Aufbau von Feindbildern interessiert zu sein.

    Aber die einfachste Strategie „bei Nichtgefallen einfach nicht kaufen“ scheint in manchen Köpfen gar nicht vorhanden zu sein. Wenn das Modell nicht gefällt, dann bleibt es eben beim Händler liegen. Aber vielleicht finden sich ja auch Massen von Gutfindern, die den Schlechtredner alt aussehen lassen. Vielleicht hat er vor dem damit verbundenen Einflussverlust ja Angst und versucht deshalb schon im Vorfeld gar keine Wahlmöglichkeit aufkommen zu lassen.

    In jedem Fall halte ich das Verhalten mancher Teile der im Internet aktiven Spur-Null-Szene (mehr ist es ja nicht – nur ein Bruchteil eines Bruchteils der Spur-0-Gesamtheit) für völlig unterirdisch.

    • Jürgen Kröner sagt:

      Hallo Thorsten,
      was willst du mit dieser Meinungsäußerung, die absolut nichts mit Stefan Besprechung eines Spur-0 Fahrzeugs zu tun hat, sagen??
      Stefan macht weder Stimmung noch irgendwelche Vorverurteilungen, aber du nutzt seinen Blog für dein tiefenpsychologische Gutachten über unterirdische Spur-Nuller – wo ist da der große Unterschied zu den von dir angesprochenen Kreisen?
      Gruß
      Jürgen (K)

      • Thorsten sagt:

        Hallo Jürgen,

        ich habe in keinster Weise gesagt, dass Stefan Stimmung macht oder vorverurteilt – im Gegenteil. Tu‘ mir bitte den Gefallen, und lese meinen Text nochmals. Denke darüber nach, wer mit welchen Begriffen gemeint sein könnte und was mein Kommentar mit Stefans Bericht zu tun haben könnte. Dann verstehst du vielleicht auch den Inhalt meiner Worte.

        Wenn du ihn dann immer noch nicht verstehst, erkläre ich es dir gerne per E-Mail.

        Viele Grüße,
        Thorsten

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