Gewogen und für zu leicht befunden?

In einem Spur-0-Forum wurde über das niedrige Gewicht eines neuen Güterwagens diskutiert. Dieses Modell war den Diskutanten entschieden zu leicht, was sogar dazu führte, dass manche ich Kaufabsichten zurückstellten.

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Aus diesem Grund habe ich mir gedacht, dass ich mich mal dieses Themas annehmen könnte.

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Warum ist es so wichtig, wie schwer ein Wagen auf der Modellbahn ist? Nun, das ist wie beim Vorbild: Wenn bei der großen Eisenbahn leichte Wagen zwischen schweren Wagen laufen, dann besteht die Gefahr, dass diese leichten Wagen entgleisen. Ich habe solche Entgleisungen schon selber untersuchen müssen und dabei festgestellt, dass gerade bei Rangierfahrten durch Weichenstraßen über abzweigende Weichen große Entgleisungsgefahr für leichte Wagen besteht, wenn während der Rangierfahrt gebremst wird, während sich die leichteren Wagen im Gleisbogen befinden – dann laufen die schwereren Wagen auf und drücken die leichten Wagen aus dem Gleis.

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Im Modell ist das nicht anders, nur gibt es dort viel mehr Gelegenheiten zum Entgleisen: beispielsweise in engen Bögen oder in Gleiswendeln, da kommen dann noch die Neigungen erschwerend hinzu.

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Aus diesem Grund hat der MOROP die NEM 302 erlassen. In dieser NEM wird für die Spur 0 definiert, dass ein Wagen pro Millimeter Länge mindestens 1 Gramm wiegen soll. Eine Toleranz von 30 % gibt nur nach oben.

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Ich bin nun hingegangen und habe ein paar der mir zur Verfügung stehenden Wagen einfach mal gewogen (und manche für zu leicht befunden)…

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Meine Testanordnung war eine einfache, digitale Haushaltswaage, auf die ich ein Gleis legte und dann die Waage auf „0“ stellte – das Gleis wurde also nicht mitgewogen. Der zu wiegende Wagen kam dann einfach auf das Gleis und die Waage zeigte das Gewicht des Wagens an.

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waage

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In der folgenden Tabelle ist die Zelle mit dem ermittelten Gewicht Gelb hinterlegt, wenn der Wagen leichter als in der NEM 302 gefordert war. Die Zelle ist Grün, wenn der Wagen maximal 30% zu schwer ist und Rot, wenn der Wagen oberhalb der Norm liegt.

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Gewichte

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In dieser Tabelle kann man nun erkennen, dass einerseits viele Lenz-Wagen zu schwer sind, BRAWA-Wagen alle zu leicht sind, ausgenommen der Off 52, wenn er mit 10 Käfern beladen ist (dann ist er zu schwer) und der BTrs 30, wenn er mit Behältern eingesetzt ist (dann entspricht er der NEM). Der neue Kiss-Wagen SSym 46 ist ohne Beladung zu leicht. MBW und M.T.H. stellt Wagen her, die schwerer als nach NEM 302 vorgesehen sind.

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Hm, ist das alles nun schlimm? Schauen wir uns doch mal die „alten“ Modelle der Vorzeit an: Alle Wagen von OSM, BieMo, RaiMo und Lima sind zu leicht! Und da hat sich damals keiner drüber aufgeregt.

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Und was machen wir nun? Nun, zu leichte Wagen kann man beschweren, sei es bei offenen Wagen durch Ladung oder durch Blei im Fahrwerksbereich. Geschlossene Wagen können durch Einsetzen von Gewichten im Innern des Gehäuses, die man nicht sieht, leicht beschwert werden.

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Schwerer ist es, Wagen zu leichtern. Da das kaum geht, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als damit zu leben. Der Modellbahner, der auf seiner Anlage entgleisungsgefährdete Streckenabschnitte betreibt, wird m.E. kaum darum herumkommen, auch die leichteren Wagen auf das Gewichtslevel der schwereren Wagen zu bringen. Das wird spätestens klar, wenn es die ersten Entgleisungen gegeben hat, die auf Gewichtsunterschiede zurück zu führen sind. Und wenn keine Entgleisungen auftreten, besteht wohl auch kein Handlungsbedarf!

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Comments
3 Responses to “Gewogen und für zu leicht befunden?”
  1. Bernd sagt:

    Hallo Stefan,
    danke dir , dass du dir die Mühe gemacht hast. Es ist ein interessanter Aspekt.
    Grüße
    Bernd

  2. Thorsten sagt:

    Zwar bin ich ausdrücklich kein Fan von langen Zügen, aber speziell bei längeren Zügen ist doch eine Gewichtsabweichung von Waggons recht günstig. Wenn die Waggons umso leichter werden je weiter sie von der ziehenden Lok weg sind, desto gefahrloser müsste doch ein langer Zug durch enge Kurven kommen. Natürlich müssen die Achsen leicht laufen.

    Viele Grüße,
    Thorsten

  3. Hallo Stefan – gut das du darüber berichtet hast . Der nächste Schritt für Anfänger in den grösseren Spurweiten ,wäre eine fortsetzung -typ Züge richtig zusammenstellen . Und in der Fortsetzung dann feststellen der benötigten Rollkraft der Wagen .Bin selber am experimentieren um später vielleicht mal eine „Daumregel Formel “ festlegen zu können -wo man dann ablesen kann -was hat die Lok für Zugkraft – wieviel Wagen kann ich dranhängen bei gerader ebene und bzw. bei herkömmlichen Steigungen 0 bis 4% .
    Um es einfach zu halten – will man es genauer nehmen müsste man auch Radien der Schienen beachten – abstände der Radachsen usw – das wäre für den Hobbybereich aber zu umständlich und nicht in einer Tabelle zeigbar /möglich …
    aber wie gesagd -ein interessantes Thema.
    mfG
    Jürgen

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