Spur-0-Hersteller, die es nicht mehr gibt (Teil 4): Fleischmann Spur 0

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Die Marke Fleischmann gibt es heute natürlich noch, wohingegen die Firma Fleischmann, die nach dem zweiten Weltkrieg eine elektrische Spur-0-Bahn, um die es gleich gehen wird, mittlerweile nicht mehr als eigenständige Firma existiert, sondern der Name Fleischmann nur noch eine Marke der Modelleisenbahn GmbH ist.

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Kommen wir zur Spur 0 der Firma Fleischmann: Fleischmann war ein in Deutschland bekannter Spielwarenhersteller: Dampfmaschinen und Schiffe gehörten zum Angebot und waren sehr wohl bekannt. Im Jahr 1938 wurde die Firma Doll übernommen. Doll war ein Hersteller von Modelleisenbahnen im vorkriegstypischen Standard. Doll hat keine elektrischen Bahnen im Sortiment gehabt, sondern nur Lokomotiven mit Uhrwerksantrieb. Der zweite Weltkrieg sorgte dafür, dass es zu keinen Innovationen im Bereich der Modellbahn kam.

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Nach Kriegsende änderte sich die Situation und Fleischmann brachte1948 eine neuartige elektrische Spur-0-Bahn auf den Markt! Warum schreibe ich aber heute über diese damals neue elektrischen Bahn, die doch wie Tin-Plate aussah? Der Grund liegt darin begründet, dass diese Bahn die erste elektrische Spur-0-Bahn ohne Mittelleiter mit Gleichstrom war! Die Fleischmann-Spur-0-Bahn war als der erste Schritt zur heute bekannten Spur 0! Der Verzicht auf den Mittelleiter und dadurch bedingt unterschiedlich gepolte Schienen mit Gleichstromversorgung wurde daraufhin auch als „Fleischmann-System“ bezeichnet und fand in der einige Jahre später eingeführten H0-Bahn von Fleischmann weitere Verwendung.

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Zurück zur Fleischmann-Spur-0-Bahn: Das Gleismaterial bestand aus einem weichen, pappeähnlichem Schwellenmaterial, auf dem Schienenprofile aus verzinktem Stahlblech montiert waren. Dieses Gleis galt als trittfest und war eine gute Grundlage für das heute so genannte „Teppichbahning“. Das Gleismaterial wurde sowohl für die Uhrwerksbahn wie auch für die elektrische Spur-0-Bahn verwendet.

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Im Fleischmann-Katalog aus dem Jahr 1953 (siehe unten) fanden sich die Uhrwerkslokomotiven und –Zugpackungen am Anfang. Es gab eine zweiachsige Tender-Lok sowie eine zweiachsige Dampflok mit Schlepptender. Beide Loks wurden auch mit zwei verschiedenen Reisezügen als Start-Set angeboten.  Damit waren die ersten vier Seiten im Katalog gefüllt.

Ein Nachkriegs-Uhrwerkszug von Fleischmann

Ein Nachkriegs-Uhrwerkszug von Fleischmann

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Interessant ist der Hinweis auf diesen Seiten, dass einerseits alle Wagen und das gesamte Gleissortiment der elektrischen Bahn auch für die Uhrwerksbahn zu verwenden war. Dazu der Hinweis, dass der Umstieg auf die elektrische Bahn einfach durch Zukauf einer elektrischen Lok und eines Transformators jederzeit möglich sei! Also die Gleise und die Wagen der Uhrwerksbahn konnten auch für die elektrische Bahn verwendet werden!

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Im Katalog findet man auf den folgenden Seiten nun die elektrische Spur-0-Bahn nach Fleischmann-System. Der Lokomotiv-Park bestand aus einer zweiachsigen Tenderlok, zwei zweiachsigen Schlepptender-Loks, eine große Dampflok mit Schlepptender, die der Vorkriegs-BR23 nachgebildet war und einer zweiachsigen E-Lok, die wie eine stark verkürzte E18 aussah. 

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Die Vorkriegs-BR 23 von Fleischmann

Die Vorkriegs-BR 23 von Fleischmann

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Ein elektrischer Doppeltriebwagen mit Jacobs-Drehgestell in der Mitte, der im Aussehen dem ET25 nachempfunden war, rundete das Fahrzeugsortiment ab.

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Der Doppeltriebwagen

Der Doppeltriebwagen

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Mit der elektrischen Bahn kamen auch (verkürzte) vierachsige Reisezugwagenmodelle, die sich in der Optik an den Schürzenwagen der DB anlehnten, ins Sortiment. Diese vierachsigen Reisezugwagenmodelle konnten mittels Nachrüstsatz mit Stromabnehmern für die Drehgestelle und Innenbeleuchtung ausgerüstet werden! Alle Wagen waren aus Stahlblech gefertigt, die vierachsigen Reisezugwagen hatten ein Dach aus Kunststoff.

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Ein stromlinienförmiger Schnellzugwagen von Fleischmann

Ein stromlinienförmiger Schnellzugwagen von Fleischmann

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Hinzu kamen im Jahr 1953 noch 10 zweiachsige Güterwagen ohne und neun Zweiachser mit Bremserhaus.

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Damit war der Fuhrpark komplett. Das Gleissystem kannte gerade und gebogene Gleise, Anschlussgleise, Trenngleise, Gleise mit Prellbock, Entkupplungsgleise, zwei Kreuzungen und zwei verschiedene Weichenpaare. Hinzu kamen noch Transformatoren in verschiedenen Ausführungen.

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Fleischmann hatte ein Vollsortiment, was bedeutete, dass auch Gebäude und Zubehör-Artikel wie Lampen etc. im Katalog zu finden waren.

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Im Katalog des Jahres 1953 war auch eine neue Kupplung zu finden: Die von der späteren Fleischmann-H0-Bahn bekannte Fallhakenkupplung wurde auch für die Spur-0-Bahn verwendet – somit war ein selbsttätiges Einkuppen und ein Entkuppeln am Standort des Entkupplungsgleises möglich geworden.

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Wer nun neugierig ist, kann sich hier den Katalog herunterladen – der Blick in die Vergangenheit lohnt sich!

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Fleischmann-Katalog aus dem Jahr 1953

Fleischmann-Katalog aus dem Jahr 1953 – Klick auf das Bild öffnet den Katalog!

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Natürlich stellt sich jetzt noch die Frage, ob die Eisenbahn in Spur 0 damals teurer war als heute?

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Die Fleischmann-Preisliste aus dem Jahr 1953

Die Fleischmann-Preisliste aus dem Jahr 1953

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Ein Blick in diese Preisliste nennt die DM-Preise aus dem Jahr 1953. Entsprechend dieser Quelle  müssten die Preise mit 3,73 multipliziert und anschließend durch 1,95583 dividiert werden, um den Kaufwert in heutigen Euros zu erhalten. Wenn man nun das teuerste Zugset 360/3 mit großem Trafo als Basis heranzieht, dann kostete diese Kombination 1953 115,- DM + 49,50 DM = 164,50 DM. Das multipliziert mit 3,73 und anschließend dividiert durch 1,95583 einen Gegenwert von heutigen 314,48 €…

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Ach ja, eines fehlt noch: Fleischmann stellte die Produktion der Spur-0-Bahn 1967 ein. Damit endete die Geschichte der ersten Spur-0-Bahn ohne Mittelleiter – heute kann man die Fleischmann-Spur-0-Bahn als Schrittmacher weg von Tinplate hin zur heutigen Spur 0 bezeichnen!

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Fleischmann hat 1992 nochmals einen Schritt in Richtung Spur 0 gewagt und mit dem Magic-Train eine für Kinder gedachte Spielbahn, die als Schmalspurbahn auf normalen H0-Gleisen verkehrte, geschaffen. Da sich diese Bahn für die 0e-Bahn sehr gut als Basis eignete und mittlerweile nicht mehr produziert wird, werde ich in einer späteren Folge nochmals auf Fleischmann, dieses Mal aber auf den Magic-Train, eingehen.

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Zum Ende noch ein Danke an den Spur-0-Freund, der mir seine Scans zur Verfügung gestellt hat! Danke, ohne Dich wäre dieser Artikel nicht möglich gewesen!!!

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