Der erste Fremdwagen im Bahnhof Altfeld: K2 von M.T.H.

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Die Überschrift verrät es: Auch ich habe nun einen Wagen aus Übersee von M.T.H. auf meiner Anlage im Einsatz. Fremdwagen? So wurden Wagen bezeichnet, die aus dem Ausland kamen (hier Schweiz) und nach Entladung leer zurück in das Heimatland geschickt werden mussten. Im Gegensatz dazu standen die ausländischen Wagen mit EUROP-Anschrift, die nach Entladung auch für neue Sendungen, auch im Binnenverkehr, genutzt werden durften – also wie eigene Wagen.

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Hinter dem VT 70 rollt der neue K2 in den Bahnhof Altfeld. Es fällt auf, dass der Rotton ein anderer als der des Triebwagens ist.

Hinter dem VT 70 rollt der neue K2 in den Bahnhof Altfeld. Es fällt auf, dass der Rotton ein anderer als der des Triebwagens ist.

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M.T.H. hat den K2 in verschiedenen Versionen und Farben aufgelegt. Ich habe in Buseck in diesem Jahr versucht, 15 Minuten nach Öffnung der Ausstellung einen K2 zu erwerben. Nun, es war ein schwieriges Unterfangen, denn es waren nur noch zwei rote K2 erhältlich. Obwohl mir die Farbe Rot für einen gedeckten Güterwagen überhaupt nicht zusagt und ich nicht weiß, was diese Farbe in der Schweiz bei Güterwagen für eine Bedeutung hatte, habe ich den K2 erstanden – die Neugier auf einen europäischen Güterwagen aus den USA überwog. Der K2 war m.E. günstig, ich konnte den Verkaufspreis von 75,- auf 70,- € runterhandeln.

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Schauen wir uns den Fremdwagen mal an:

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Ansicht mit Bremserbühne und –haus

Ansicht mit Bremserbühne und –haus

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Im Gleis stehend wirkt der Wagen auf erstem Blick augenschmeichelnd. Für deutsche Modellbahner-Augen sieht der Wagen mit seinem über das Bremserhaus hinausgezogene Dach ungewohnt aus.

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Auch das Nichthandbremsende gefällt.

Auch das Nichthandbremsende gefällt.

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Beim K2 fällt der große Achsstand in Verbindung mit der rechte geringen Wagenlänge auf – allerdings war diese Konstruktion Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa üblich, um in Verbindung mit den kurzen Federn und Einfachschakenlaufwerken einen akzeptablen Lauf bei höheren Geschwindigkeiten zu ermöglichen (siehe Gms 30, auch als „Oppeln“ bezeichnet).

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Das Dach wirkt auf erstem Blick plastikhaft und sehr dick, aber ein Blick auf Vorbildfahrzeuge zeigt, dass das Dach am Fahrzeugende vorbildgerecht mit einem Profil abgeschlossen wird und dass das Modell dieses richtig wiedergibt. Genau wie die „Rippen“ auf dem Dach.

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Die Schiebtüren lassen sich öffnen, der Verschlusshaken ist beweglich

Die Schiebtüren lassen sich öffnen, der Verschlusshaken ist beweglich

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Die Schiebetüren lassen sich öffnen, nachdem der Verschlusshaken angehoben wurde. Dieser Haken wurde einfach aus einem Stück Blech gestanzt oder geätzt und weißt keinerlei Strukturen an der Oberfläche auf. Die Schiebtür selber lässt sich nach Anheben des Hakens leicht schieben. Allerdings schiebt sie sich oben aus einer Führung raus, weil selbige nur über die Türbreite und nicht über den Schiebebereich erstreckt. Ob das vorbildgerecht ist, mögen die SBB-Freunde entscheiden.

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Die Lüfterschieber sind nicht beweglich.

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Schauen wir mal unter den Wagen:

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Des Modellbahners liebster Blick: Unter den Wagen

Des Modellbahners liebster Blick: Unter den Wagen

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Der Blick unter den Wagen offenbart, dass wohl alles da ist, was gewünscht wird. Na ja, zumindest zwischen den Achsfeldern. Eine Bremsimitation mit allen Umstellhebeln (fragt mich nicht nach der Bauart, ist ja ein Fremdwagen!) und eine Hauptluftleitung scheint auch zu sehen zu sein. Was auffällt ist, dass die Bremsklötze nicht mit Bremsdreiecken verbunden sind. Doch dazu gleich mehr.

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Rechts die ausgebaute Kurzkupplungskulisse, links ist der ehemalige Platz im Fahrwerk erkennbar – achtet auf das nun sichtbare kleine viereckige Loch im Wagenboden

Rechts die ausgebaute Kurzkupplungskulisse, links ist der ehemalige Platz im Fahrwerk erkennbar – achtet auf das nun sichtbare kleine viereckige Loch im Wagenboden

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Nicht alle Spur 0er möchten gerne mit der Lenz-Kupplung samt Kulisse fahren, manche bevorzugen die Originalhakenkuplung. Von selbiger liegen dem K2 zwei Austauschkupplungen bei. Um diese montieren zu können, kann man die vorhandene Kurzkupplungskulisse einfach ausbauen: Nach Entnahme des Radsatzes sind zwischen den Radsatzhaltern vier Schrauben zu erkennen. Diese werden einfach rausgedreht und die Kulisse samt Kupplung kann entnommen werden. Nun wird der „Zughaken-Dummy“ aus der Pufferbohle gedrückt und die Originalkupplung kann eingedrückt werden. Das ist schon vorbildlich zu nennen, denn dieser Umbau geht wirklich einfach!!! Da kann man sehen, dass Kurzkupplungskulissen auch einfach konstruiert werden können und zum Umbau keine komplette Fahrzeugdemontage erforderlich ist!

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Die ausgebaute Kurzkupplungskulisse

Die ausgebaute Kurzkupplungskulisse

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Oben erwähnte ich die fehlenden Bremsdreiecke. M.T.H. hat diese dem Modell beigelegt! Wenn die Kurzkupplungskulisse ausgebaut wurde, ist im Wagenboden im Bereich zwischen den vier Schraublöchern ein kleines viereckiges Loch sichtbar. Hier wird die „Bremsschere“ eingesteckt, welche die beiden Bremsdreiecke im Bereich der Achse führt. Schade, dass die Bremsdreiecke nicht mit der Kurzkupplung gleichzeitig genutzt werden kann, komplettieren sie doch das Aussehen des Wagens! Allerdings haben die Bremsdreiecke keine Fangschlaufen!

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Die Radsätze sind leider nicht brüniert oder lackiert, sondern strahlen einem hell metallisch entgegen – diesen Effekt kennen wir auch von anderen Herstellern. Schade, denn der Wagen würde mit dunkleren Radsätzen besser aussehen. Die Radsätze sind spitzengelagert und haben quer sehr viel Spiel. Das hat zur Folge, dass zumindest mein Wagen nicht immer mit allen vier Rädern auf den Schienen stand! Die Innenseite der Radscheiben ist nicht strukturiert, nur eine Vertiefung wurde reingedreht. Das sieht leider nicht sehr vorbildgerecht aus. 

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Der ausgebaute Radsatz

Der ausgebaute Radsatz

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Als ich den Wagen dann mit meiner Köf durch den Bahnhof rangierte, war ich bei jedem Gleisbogen irritiert, denn es ertönten immer zwei schleifende Geräusche.  Ich stellte fest, dass jeder Radsatz bei der Fahrt durch den Weichenbogen an der abliegenden Zunge entlang scheuerte und dadurch das schleifende Geräusch entstand. Ich habe den Radsatz mal vermessen und folgende Maße ermittelt:

Radsatzinnenmaß B: 28,8 mm (NEM: 28,8 bis 29,1 mm)

Radbreite N1: 3,6 mm (NEM:  3,7 mm)

Spurkranzbreite K – B: 0,9 mm (NEM: 0,9 bis 1,2 mm)

Spurkranzhöhe D: 1,2 mm (NEM: 0,8 bis 1,6 mm)

(Bezeichnungen nach NEM 310)

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Diese Maße zeigen, dass der Radsatz stark nach NEM 310 hergestellt worden ist und mit seinem Spurkranz- und Radmaßen deutlich feiner als die aktuell von Lenz verbauten Radsätze ist. Die Radbreite ist dem deutlich schmaleren Maß N1 angelehnt, was der Optik sehr schmeichelt. Die NEM 310 erlaubt darüberhinaus eine Radbreite N von 4,3 bis 4,5 mm – da ist M.T.H. deutlich schmaler unterwegs.

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Soweit das Vermessen. Nur warum der Radsatz das Schleifgeräusch macht, kann ich immer noch nicht sagen! Vielleicht liegt es am Material, welches mit am Material der Weichenzunge nicht einfach vorbeigleitet, sondern das Schleifgeräusch erzeugt? Andererseits: Der Sound der Köf ist lauter!

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Mein Fazit: Der Wagen macht von der Optik her grundsätzlich einen guten Eindruck. Die hellen Radscheiben lassen aber deutlich erkennen, dass keine Bremsdreiecke zwischen den Bremsklötzen zu finden ist. Die Lösung, wie man hier die Kupplungs-Kulisse demontieren kann, zeigt, dass hier ordentliche Konstruktionsarbeit geleistet wurde.  Halter für Zugschlusssignale habe ich keine gefunden, aber das kann vorbildgerecht sein. Welche Bedeutung die rote Farbe des Gehäuses hat, habe ich noch nicht herausfinden können. Im www habe ich aber herausgefunden, dass Wagen dieser Bauart bis in die 60er Jahre im Einsatz waren und wenige Exemplare sogar noch mit der UIC-Computer-Nummer versehen wurden. Insgesamt empfinde ich den Wagen als gelungen und finde, dass der Verkaufspreis in Anbetracht der gebotenen Leistung als sehr niedrig anzusehen ist!

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Comments
8 Responses to “Der erste Fremdwagen im Bahnhof Altfeld: K2 von M.T.H.”
  1. Timo Greisl sagt:

    Hallo Stefan,

    ich habe mir auch einen K2 gekauft und bin ebenfalls recht unbeleckt, was das entsprechende Vorbild betrifft. Nach mehreren Brawa-Wagen fand ich es recht erfrischend, die klobigen Kupplungsdeichseln so einfach abbauen zu können. Wobei die Pfropfen im Kupplungsvierkant teilweise recht satt eingeklebt sind. War bei mir jedenfalls am Handbremsende so.

    Die Bremsanlage ist offensichtlich ein Zukaufteil von Lenz. Der überdimensionierte Hebel, der Lenzschen Knorrbremse, um die Anlage ein-/auszuschalten springt ja förmlich ins Auge. Für eine Westinghouse ist das ja erstmal gar nicht so arg verkehrt, sind sich diese doch recht ähnlich. Allerdings ist es offensichtlich, daß die Bremsanlage eigentlich verkehrt herum eingebaut ist, weil die Handbremskurbel und der Bremszylinder auf gegenüberliegenden Seiten sind.
    Das kratzende Geräusch im Gleisbogen ist mir auch aufgefallen. Ich habe irgendwie den Eindruck, als ob die Spurkränze teilweise einen Grat aufweisen.

    Ich möchte den Wagen auf jeden Fall optisch noch korrigieren und im Detail aufwerten und da ich im Internet nichts ordentliches gefunden habe, halte ich mal Ausschau nach einem Buch., denn insgesamt gefällt mir der Wagen sehr und er stellt auch eine willkommene Bereicherung dar.

    Viele Grüße
    Timo

  2. Hallo Stefan,

    nein, zum Omm52 steht nichts drin. Aber sonst eine gute Fundgrube für Schweizer Güterwagen. Das Rot beim K2 war übrigens nur bis Anfang der 60er üblich, dann wurden alle Wagen braun. Allerdings sind die Lüfterklappen für einen Güterwagen der 30er (lt. Revisionsdatum) zu modern, die modernen Lüfter wurden bei diesem Wagentyp gleichzeitig mit einem neuen Aufbau (nach alten Muster) und einem neuen Dach zwischen 1947 und 49 eingebaut. Dabei wurde Achsstand auf 5m erhöht und Rollenlager eingebaut. Der Wagen von MTH stellt also eindeutig ein Modell nach 49 dar.

    Viele Grüße
    Helmut

  3. Felix Roth sagt:

    Ja, für 70 Ocken ist der Wagen nicht schlecht gelungen. Als Wagenkenner setze ich lieber auf denjenigen von Petau. Mache aber bestimmt niehmandem einen Vorwurf, bei DB-Wagen würde ich mich schliesslich nicht auskennen.

    Signalhalter sind auf der Plattform zu finden, diejenigen auf der abgewandten Seite fehlen.

    Die Führung der Schiebetüren geschieht beim Vorbild im Verborgenen, der „dünne Streifen“ unterhalb des Daches ist die Schiene. Das im Modell als Führung dienende Profil oberhalb der Türe ist beim Vorbild der Regenabweiser, viel kleiner und praktisch nicht sichtbar.

    Ansonsten dünkt mich die Kombination von neuem Dach, Rollenlagern und Lüftungsschiebern mit der alten Türe etwas gewagt…

  4. Mark Stutz sagt:

    Hallo Stefan

    Es gibt eine wunderbare Publikation von Davide Demicheli „Schweizer Güterwagen von damals“, erschienen im Verlag des ‚Eisenbahn Amateur‘. Darin finden sich zum K2d und seinem Rotton ein paar Informationen:

    K = gedeckte Güterwagen, auch zum Viehtransport geeignet
    2 = 12.5 t Ladegewicht, 40 – 44 m2 Ladefläche
    d = Westinghouse – Doppelbremse

    Und weil letztere ein Einstellen des Wagens in einem Personenzug ermöglichte, wurden die Wagen als Eilgutwagen eingesetzt und zur besseren Erkennbarkeit rot gestrichen .

    Gruss,
    Mark

    • eksnap sagt:

      Hallo Mark,

      danke für die Infos! Das wusste ich alles noch nicht – das kommt davon, wenn man die echte Eisenbahn immer nur mit der „DB-Brille“ ansieht. Das Buch habe ich natürlich nicht, aber ich werde es mir mal merken… Vielleicht steht da ja auch was zum Einsatz der Omm52/E 037 der DB bei der SBB drin?!?!?

      Gruß
      Stefan

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