Eine Kastenlok für die Schmalspur

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Beim 0Scale-Hobbyshop ist ein Umbausatz erhältlich, mit dem man eine Fleischmann-Magic-Train-Dampflok zu einer Kastenlok umbauen kann. Wie kam es zu diesem Umbausatz, an dem ich nicht ganz unbeteiligt bin?

Die Bearbeitung von Metallen war noch nie so „mein Ding“, so dass ich meine modellbauerischen Aktivitäten eigentlich auf Kunststoff beschränkte.

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Doch dann kam ein Clubkollege auf die Idee, sich eine kleine Ätzanlage zu beschaffen. Es war eine Küvette mit Luftpumpe, in das ein Blech hineingehängt werden konnte.

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Als eines Sonntags im Jahr 1996 meine Frau wegen Migräne ausfiel, kam es mir in den Sinn, einfach mal einen Ätzfilm zu zeichnen. Doch was sollte ich zeichnen? Ich saß in unserem Wohnzimmer vor meinem Rechner und sinnierte, was als Einstiegsobjekt geeignet war. Da zu diesem Zeitpunkt der Magic-Train von Fleischmann aktuell war und in beinahe allen Modellbahnläden erhältlich war, wurde mir schnell klar, dass es was für diese 0e-Bahn sein sollte. Fleischmann hatte damals nur eine Dampflok im Sortiment – Vorbild war die von LGB bekannte Lok „Stainz“ -, welche in den Anfangspackungen mit einfachem Gestänge und einfacher Frontlampe und als gesonderte Dampflok mit einer richtigen Frontlaterne und einem richtigen Gestänge geliefert wurde. Die Diesellok war noch nicht bekannt. Da fiel mir ein, dass auf verschiedenen Schmalspurbahnen Kastendampfloks im Einsatz gewesen sind. Da die meisten deutschen Gesellschaften mit Kastendampfloks eine Spurweite von 1000 mm hatten und der Magic-Train umgerechnet auf 750 mm unterwegs war, überlegte ich mir, eine Kastenlok zu planen, wie es sie hätte gegeben haben können.

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Also den PC gestartet und das Zeichenprogramm aufgerufen. Nach vier Stunden Zeichnen hatte ich dann auf einmal eine Datei, die ich meinem Clubkollegen per Diskette (E-Mail hatte er damals noch nicht) am kommenden Freitag übergab. Wie ich damals gezeichnet habe, habe ich an dieser Stelle hier schon mal beschrieben.

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Der erste Film für die Seitenwände

Der erste Film für die Seitenwände (beinhaltet noch Fehler!)

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Und so sah der erste Film für die Stirnseiten aus

Und so sah der erste Film für die Stirnseiten aus (beinhaltet noch Fehler!)

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Zwei Wochen später war die „Intermodellbau 96“ und gemeinsam mit den Schmalspurern im Verein hatten wir dort eine große 0e-Anlage aufgebaut. Mein Clubkollege mit der Ätzanlage stand auf einmal an der Anlage und drückte mir einen Bilderrahmen in die Hand. Eingerahmt war das erste Ätzblech, welches nach meiner Zeichnung geätzt war! Ich war stolz wie Oskar.

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Die löterfahreneren Spur 0er um mich herum waren auf einmal verschwunden und kamen mit Werkzeug wieder. Einer machte schon den Lötkolben warm und los ging es. 40 Minuten später stand das Gehäuse fertig gelötet vor uns, ein Fahrwerk einer Magic-Train-Dampflok wurde hinzugefügt und die erste Kastendampflok stand vor uns. Ich habe staunend daneben gestanden und zugesehen, wie mein Clubkollege einfach die Lok zusammenlötete. Ich musste ihm sagen, wo welches Teil hingehörte und er machte einfach.

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Nun fehlte noch das Dach, welches noch flach im Bilderrahmen lag und eigentlich gewölbt das Fahrzeug bedecken sollte. Was tun? Wir haben hin und her überlegt, aber auf die einfachste Lösung, einen der vielen Werkzeugverkäufer mit Biegemaschine aufzusuchen, sind wir nicht gekommen. Da erinnerte sich der lötende Clubkollege daran, dass er mal das Dengeln gelernt hatte. Er frug nach einem Hammer, setzte sich an einen Tisch und los ging es! Mit leichten Schlägen dengelte er das Dach immer weiter, so lange, bis es in der richtigen Rundung vor ihm lag. Gefühlt hat das mindestens 20 Minuten gedauert, ich kann heute nicht mehr sagen, wie lange es wirklich dauerte. Jedenfalls „dröhnten“ die Hammerschläge durch die Halle 6 und viele Interessierte blieben bei uns am Stand stehen. Diese Neugier nutzten wir natürlich aus und machten die Kastenlok bekannt. Hätten wir den Bausatz vor Ort in ausreichender Stückzahl vorrätig gehabt, hätten wir in der Zeit der Montage mehr als 50 Bausätze verkaufen können. Doch dazu komme ich dann gleich wieder.

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Der damals auf der Intermodellbau gebaute Prototyp...

Der damals auf der Intermodellbau gebaute Prototyp, noch ohne gedrückte Nieten und ohne Griffstangen an den Türen - so wie er damals auf der Intermodellbau 96 entstand...

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Flugs wurde das Dach aufgelötet, das Gehäuse wieder auf das Fahrwerk gesetzt, ein paar Lampen angesteckt und schon rollte eine messingfarbene Kastenlok über unsere Ausstellungsanlage und fand viel Anklang bei den Besuchern.

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Aufgrund der hohen Nachfrage in diesen Tagen haben wir im Verein damals überlegt, die Kastenlok als Bausatzaktion aufzulegen. Dazu wurden die Ätzzeichnungen optimiert und ein bisschen Werbung in der damals einzigen reinen Spur-0-Zeitung, der Spur-0-Lokomotive, gemacht. Der Verkaufspreis sollte 79,- DM betragen und beinhaltete alle Wände und das Dach der Kastenlok. Aufgrund der hohen Nachfrage konnten wir schnell den Verkaufspreis auf 75,- DM reduzieren – ein damals einmaliger Vorgang!

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Der Zusammenbau war nicht schwierig

Der Zusammenbau war nicht schwierig

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Das fertige Gehäuse wurde einfach über das Fahrwerk gestülpt, danach kamen die Rauchkammertür und der Schlot wieder zum Einsatz, ein paar Lampen vervollständigten dann die Lok

Das fertige Gehäuse wurde einfach über das Fahrwerk gestülpt, danach kamen die Rauchkammertür und der Schlot wieder zum Einsatz, ein paar Lampen vervollständigten dann die Lok

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Die fertig montierte Lok!

Die fertig montierte Lok!

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Die Nachfrage riss nicht ab und wir produzierten einen Kastenlok-Bausatz nach dem anderen. Den Vertrieb haben wir nach zwei Jahren an den 0Scale-Hobbyshop, damals noch unter der Leitung von Wolfgang Dora, abgegeben. Mit Übernahme des 0Scale-Hobbyshps durch Helmut Eßlinger vor wenigen Jahren ging auch der Vertrieb der Kastenlok, welche unverändert bis 2011 angeboten wurde, auf ihn über.

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Meine fertige Kastendampflok, noch ohne Beschilderung

Meine fertige Kastendampflok, noch ohne Beschilderung

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Das obenstehende Bild sowie das des Prototyps entstanden in meinem Bahnhof Altfeld, und da ich dort nur Regelspurgleise habe, musste der Schmalspurtransportwagen, den ich schon mal vorgestellt habe, als „Bühne“ herhalten.

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Anfang des Jahres 2012 wurde dann von Helmut Eßlinger eine Variante der Kastenlok aufgelegt: Eine Kastenlok mit geschlossenem Fahrwerk!

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Der Prototyp der geschlossenen Kastenlok vom 0Scale-Hobbyshop

Der Prototyp der geschlossenen Kastenlok vom 0Scale-Hobbyshop

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Der Vorteil einer Kastenlok mit geschlossenem Fahrwerk liegt darin begründet, dass das Gestänge bei aufgesetztem Gehäuse nicht sichtbar ist und somit auch einfache Magic-Train-Dampfloks verwendet werden können! Helmut Eßlinger bietet die geschlossene Kastendampflok komplett mit dünnem Schlot und vier Messinglaternen an.

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Das war die kurze Geschichte meiner einzigen Dampflokomotive, die ich entwickelt habe…!

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Hier der Link zur geschlossenen Kastenlok im 0Scale-Hobbyshop:

Geschlossene Kastenlok

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Comments
5 Responses to “Eine Kastenlok für die Schmalspur”
  1. Peter Wilken sagt:

    Gibt er vielleicht eine mal eine Neuauflage der 1. Kastendampflok? Die 2. habe ich mir jetzt bestellt und freue mich auf den Bausatz- mal was anderes auf der Anlage.MfG Peter

  2. Horst Riedel sagt:

    Hallo zusammen,
    habe z.Zt. eine Platine für die Kastenlok fertig gelötet sowie auch an das Fahrwerk von FL
    angepaßt, habe an dem Kessel einen Generator angebracht, denn in Hohenlimburg NRW
    hatten Sie Elektrolampen,diese habe ich an die Stirnseiten auf die Lampenträger gelötet.
    Die Lackierung steht noch aus.

    Gruß Horido

  3. Jürgen Kröner sagt:

    Hallo Stefan,

    da sieht man mal, was du auf dem Kasten hast.

    Die Lok macht mir heute noch viel Spaß, danke für die gute Idee.

    Jürgen

    • eksnap sagt:

      Hallo Jürgen,

      na, nun übertreibst Du aber…

      Gut, dass Du die Kastenlok noch nutzt. Meine beiden sind seit Utrecht vor etwa 12 Jahren nicht mehr auf Gleisen gewesen.

      Gruß
      Stefan

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  1. […] hergestellt werden, das Ergebnis war dann eine Kastendampflok, die ich hier näher […]



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