Spur-0-Hersteller, die es nicht mehr gibt (Teil 1): RaiMo (1)

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Als ich mit der Spur 0 anfing, waren Bausätze der Firma RaiMo eine gute Basis, um mit der Spur 0 anzufangen. Der Name RaiMo ist auch heute noch in der Branche zu finden, werden doch so Bausätze bezeichnet, die ihren Ursprung bei einer anderen Firma namens Pola hatten. Pola hatte Anfang der 70er Jahre unter dem Namen Pola-Maxi in Zusammenarbeit mit Rivarossi eine Serie von Kunststoff-Fertigmodellen auf den Markt gebracht. Darauf werde ich noch näher in einem anderen Bericht eingehen.

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1979 übernahm die Firma Merker + Fischer (M+F) die Formen der Pola-Maxi-Fertigmodelle von Pola und brachte diese Modelle als Bausätze heraus. Das Angebot umfasste die preußische T3 mit und ohne Schlepptender, die E69, die E44 und die V20. Von den zwei Reisezugwagen, die es bei Pola-Maxi gab, wurde nur einer übernommen. Als Güterwagen waren der G10, der G20, der X05, der Om21 und ein Drehschemelwagen zu nennen, die auf einem mit dem Personenwagen einheitlichen Fahrwerk basierten, was zur Folge hatte, dass der G20 und der Om21 ein paar Millimeter zu lang waren. Weiter wurden noch der R20 und der Gos50, auf einem Fahrwerk mit längerem Achsstand basierend, angeboten.

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Als Eigenentwicklung wurde ein Modell des Schweizer Krokodils  ins Angebot aufgenommen.

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Während alle genannten Wagen nur als Zweier-Set angeboten wurden, gab es die Lokomotiven natürlich nur einzeln. Allen Bausätzen gemein war, dass sie anfangs in einer Klarsichtverpackung mit einem Sockel, auf dem ein Schotterbett aufgedruckt war, angeboten wurden. Diese Klarsichtverpackung wurde mit einer Papphülle umfasst, auf der auf der Vorderseite ein Produktbild und auf der Rückseite weitere Bausätze abgebildet waren. Da jedem Bausatz ein kurzes gerades Gleis beilag, bestand die Möglichkeit, das montierte Modell auf das Gleisstück, welches auf dem als Schotterbett bedrucktem Sockel zu liegen kam, unter dem Klarsichtdeckel in Form einer einfachen Vitrine zu präsentieren.

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Allen Bausätzen lagen kleine Farbtöpfchen mit den für das jeweilige Modell benötigten Farben bei. Diese Farben konnten mit einem Pinsel aufgebracht werden. Weiter gehörten eine Schiebebild-Beschriftung und eine einfache Bauanleitung dazu.

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Auf diesen Verpackungen waren auf der Rückseite und teilweise auch den Längsseiten andere Modelle abgebildet. Teilweise entsprachen die Darstellungen nicht den gelieferten Modellen. Fangen wir mal mit Bildern der Lokomotiven an:

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Das grüne "Krokodil"

Das grüne "Krokodil"

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Die preußische T3 mit Schlepptender

Die preußische T3 mit Schlepptender

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Die E 69

Die E 69

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Und die V 20

Und die V 20

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Da nur ein einziger Personenwagen im Sortiment war, kann ich auch nur dieses eine Fahrzeug zeigen:

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Der preußische Nebenbahnwagen

Der preußische Nebenbahnwagen

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Bei den Güterwagen mit Standard-Fahrwerk (Achsstand 10 cm, umgerechnet 4,5 m) waren diese Wagen abgebildet:

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Der G 20

Der G 20

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Der X 05

Der X 05

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Der Drehschemelwagen mit Bremserhaus, der zweite im Set war ohne Bremserhaus

Der Drehschemelwagen mit Bremserhaus, der zweite im Set war ohne Bremserhaus

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Die folgenden beiden Bauarten basierten auf einem längeren Fahrwerk:

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Der Gos 50, den es auch in Braun gab

Der (leider leicht verkürzte) Gos 50, den es auch in Braun gab

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Der R 20

Der R 20

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Das obere Bild des R 20 zeigt allerdings keinen R 20, sondern einen moderneren K-Wagen. Dieses Bild entsprach nicht dem Lieferumfang, wurde aber nie gegen ein korrektes Bild ausgetauscht.

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Weiter gab es den R 20 ohne Rungen, also ein Ro 20, von dem aber kein Bild auf den Packungen war.

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Der Om 21 war nur mit einem Bild eines UIC-Standard-Wagens vertreten, dieses Bild entsprach also nicht dem gelieferten Modell!

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Das falsche Produktbild zum Om 21

Das falsche Produktbild zum Om 21

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Alle Lokomotiv-Bausätze wurden ohne Antrieb und ohne Beleuchtung angeboten. Die Stromabnehmer der E44 und des Krokodils mussten aus Guss- und Ätzteilen und Messingdraht individuell montiert werden. Loks wie auch Wagen hatten nicht federnde, feste Puffer. Als Kupplung wurde die vom Vorbesitzer eingeführte Fallhakenkupplung weiter verwendet, weswegen alle Modelle Ausschnitte in der Pufferbohle hatten. Die Wagen auf Basis des Einheitsfahrwerks wurden mit Kunststoff-Speichenräder ausgeliefert, der R20 und der Gos50 hatten Metall-Scheibenräder. Der T3, der E44 und den Wagenbausätzen lagen Kunststoff-Nachbildungen der Original-Hakenkupplung bei.

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Nach wenigen Jahren änderte RaiMo die Umverpackung, von diesem Zeitpunkt an wurde auf die Klarsichtverpackung verzichtet und die Bausätze wurden in einer kleineren Pappschachtel ausgeliefert.

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Schauen wir uns doch mal solch einen RaiMo-Bausatz näher an:

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Den Inhalt dieses Bausatzes schauen wir uns an

Den Inhalt dieses Bausatzes schauen wir uns an

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In dieser Papp-Schachtel war folgendes zu finden (inklusive dem Gleisstück):

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Der Inhalt, nicht im Bild die Bauanleitung und der Beschriftungssatz

Der Inhalt, nicht im Bild die Bauanleitung und der Beschriftungssatz

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Das im Text erwähnte kurze Einheitsfahrwerk, auf dem alle Wagen bis auf den R20 und den Gos50 basierten:

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Ein dankbares Objekt für Umbauten: Das Standard-Fahrwerk

Ein dankbares Objekt für Umbauten: Das Standard-Fahrwerk

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Seitenansicht

Seitenansicht

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Der Wagenkasten war in einem Stück gespritzt, das Dach ließ sich einklipsen – dafür waren die Ausschnitte oben im zweiten und fünften Seitenfeld:

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Der Wagenkasten

Der Wagenkasten

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Der Spritzling mit Kupplung und Trittbrettern:

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Der Spritzling mit der Pola-Fallhakenkupplung

Der Spritzling mit der Pola-Fallhakenkupplung

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Die Schiebetüren und Laufschienen:

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Der Spritzling mit den Schiebetüren samt Laufschienen

Der Spritzling mit den Schiebetüren samt Laufschienen

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Die Kunststoff-Speichenräder mit Metallachsen, Radlagerdeckel am Spritzling und den benötigten Schrauben (geliefert in einem Plastiktütchen):

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Räder, Achsen und Radlagerdeckel

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So sah die zugehörige Bauanleitung aus:

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Standard-Bauanleitung für gedeckte und offene Wagen

Standard-Bauanleitung für gedeckte und offene Wagen

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Dieser Bausatz ließ sich in kurzer Zeit montieren – für die Montage war eigentlich kein Klebstoff erforderlich, alle Teile ließen sich einklipsen, anschrauben oder eindrücken. Allerdings empfahl es sich, bei der Montage schon an eine Verfeinerung zu denken: Einsatz von Metallrädern, Anbau von Federpuffern, Austausch der Kupplung gegen Original-Hakenkupplung, Anbringen einer richtigen Pufferbohle. Wer noch mehr machen wollte, konnte Handgriffe anbringen, die Klips-Öffnungen des Daches verschließen und das Modell mit anderer Farbe per Airbrush-Pistole optisch verbessern. Die Modelle boten also viel Potenzial zum Supern. Mehr zum Thema „Umbauen“ der RaiMo ist hier zu finden: RiPoLi.

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Als Beispiel mal die Preise, mit denen die Firma Hehl, ein damals weit bekannter Spur-0-Händler mit sehr breitem Sortiment, in der Ausgabe 1/84 der „Spur-0-Lokomotive“, der Vereinszeitung der ARGE Spur 0, Werbung machte:

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  • T3: 89 ,- DM
  • V20, E 69: je 69,- DM
  • Güterwagen: 44,- bis 49,- DM
  • E 44: 149,- DM
  • Krokodil: 199,- DM

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In der gleichen Anzeige teilte Hehl mit, dass RaiMo die Produktion eingestellt habe.

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Das war damals ein Alarmsignal, weil damit die Quelle für günstige Spur-0-Fahrzeuge zu versiegen drohte!

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Es hatte sich herausgestellt, dass dieser Nischenmarkt aber für RaiMo nicht wirtschaftlich tragfähig war und so wurde dieser Geschäftszweig 1985 endgültig weiterverkauft.

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Wer heute die alten Ausgaben der „MIBA“ studiert, kann in Ausgabe 4/86 im Rahmen der Messe-Berichterstattung nachlesen, dass die RaiMo-Formen von einem Ernst-Rudolf Klein aufgekauft wurden und dass sie wieder aufgelegt werden sollen. Ernst-Rudolf Klein vermarktete dann die Modelle unter dem Namen „Biller-Bahn“, doch die Geschichte dieser Modelle unter dem neuen Namen ist Thema einer kommenden Fortsetzung. Eines noch zu Biller-Bahn: Die V 20 wurde dann unter diesem Namen für 79,- DM als Bausatz angeboten und es gab diese Lok nun wieder mit Antrieb in drei Farbvarianten zum Preis von 329,- DM.

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Aufruf:

Sollte noch einer der Leser einen Original-RaiMo-Katalog besitzen, so würde ich mich über eine leihweise (oder auch dauerhafte) Überlassung zum Einscannen sehr freuen. Den Scan würde ich dann auch hier zur Verfügung stellen!

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Das war in Kürze die Geschichte der Firma RaiMo, die den Spur-0-Markt mit Bausätzen versorgt hat. Die Bausätze gab es teilweise vorher als Fertigmodelle bei Pola-Maxi und nach dem Verkauf der Formen weiter als Biller-Bahn und danach als Produkte der Firma EMA. Auf letztgenannte Firmen werde ich in den Fortsetzungen noch eingehen.

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Im nächsten Teil zeige ich Euch einen RaiMo-Katalog aus dem Jahr 1980. Einfach hier klicken!

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Comments
9 Responses to “Spur-0-Hersteller, die es nicht mehr gibt (Teil 1): RaiMo (1)”
  1. Dieter Seliger sagt:

    Hallo Stefan

    Ja,das waren noch Zeiten ,alles musste man selber machen ,aber es hat Spass gemacht.
    Ich habe noch einige Kataloge von den alten Nullsachen ,nur Raimo nicht ,der ist einfach weg ,wohin weiss der Teufel.
    Danke für deine Information

    Gruss Dieter

  2. Hallo Herr Panske,

    ich bringe den Katalog nach Buseck mit, ist dies ok?

    Mit freundlichen Grüßen

    Helmut Eßlinger

  3. Jörg sagt:

    Hallo,

    prima Bericht für Neueinsteiger. Endlich hat man mal den Überblick.

    Danek und Grüße!

  4. Thomas sagt:

    Hallo Stefan,

    toller informativer Bericht.
    Vielen Dank.

    Gruß
    Thomas

  5. Heinrich Mooser sagt:

    Stefan,

    danke fuer diesen interessanten historischen Beitrag. Ich habe zwei Kataloge, einer ist die erste Ausgaben des Pola Maxi Katalogs und koennte diesen scannen und senden.Werde mal uebers Wochenende nachsehen. Ich habe eine ganze Anzahl dieser Fahrzeuge im Einsatz, teilweise auch umgebaut und sie sehen meiner Meinung nach auch heute noch ganz ansehnlich aus.

    Uebrigens ist auch das Bild beim R20 eher Fantasie, der gelieferte R20 hatte Nachbildungen von Holzrungen und es gab ihn auch ohne Rungen.

    Viele Gruesse

    Henry M

    • eksnap sagt:

      Hallo Henry,

      das Angebot des Scannens des Pola-Maxi-Katalogs nehme ich gerne an! Ich maile Dir noch mal diesbezüglich.

      Zum R20: Ich hatte geschrieben, dass das Bild nicht dem Modell entspräche, aber die Aktualisierung kam nicht zur Anwendung – was immer ich da falsch gemacht habe. Nun steht es da. Aber danke für den Hinweis auf den Ro20 – den hatte ich glatt vergessen und werde ihn noch einpflegen.

      Gruß
      Stefan

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