Neu von BRAWA: Der Off52

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Autotransportwagen sind für die Modellbahn immer interessant, weil sie des Deutschen liebstes Kind, das Auto, mit dem besten Hobby, der Modellbahn, verbinden. BRAWA hat die Chance genutzt, auf dem Fahrwerk des ebenfalls neuen Omm52 genau wie das Vorbild einen Autotransportwagen aufzubauen.

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Die DB hat Anfang der 50er Jahre aufgrund des beginnenden Auto-Booms in der Bundesrepublik Deutschland einen hohen Bedarf an Transport-Kapazität für Autos gehabt. Herkömmliche Güterwagen waren für den Transport großer Mengen Autos recht ungeeignet, weil sie mit Autos nicht ausgelastet wurden. So wurde die Idee, die Autos in zwei Etagen zu verladen, aufgegriffen und umgesetzt. Da zu diesem Zeitpunkt gerade der Omm52 im großen Stil im Bau war, wurde dieser Wagen als Basis für doppelstöckige Autotransportwagen genutzt. Um die Ladelänge zu vergrößern, wurde an das Fahrwerk des Omm52 an beiden Ende jeweils eine Einheits-Bremserbühne, allerdings ohne Handbremse und entsprechendem Geländer, angebaut. Dadurch stieg die nutzbare Länge des Wagens um einen Meter an. Weiter wurden immer zwei Wagen fest mittels einer Vierlaschenkupplung fest miteinander, also im Betrieb nicht lösbar, gekuppelt. Das nun so entstandene Wagenpärchen wurde als Off52 bezeichnet und betrieblich als einen Wagen mit vier Achsen betrachtet. Da die Türen und Klappen des Omm52 nur ausgehängt waren, wurden bis Ende der 60er Jahre alle Off52 bei Vorhandensein modernerer Doppelstock-Autotransporter zu Omm52/E037 zurückgebaut. Die Bremserbühnen wurden dabei auch zurückgebaut.

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Kommen wir zu Modell!

Das Wagen-Paar ist in einer gelben Doppelschachtel verpackt, beide Wagen sind sehr gut gegen Transportunbillen gesichert. Nach Auspacken, Entfernen der Transportsicherungen und Aufgleisen hat man dann dieses Bild:

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So sieht die Garnitur im Gleis aus

So sieht die Garnitur im Gleis aus

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Wenn man sich den Wagen etwas näher ansieht, findet man sehr gestaltete Detail, allerdings ist die Beschriftung nicht ganz richtig: Das ABC-Raster gab es meines Wissens nur komplett geschlossen oder oben und unten geschlossen. Die Ausführung des Modells mit oben offenem Raster ist mir nicht geläufig:

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Der Übergangsbereich

Der Übergangsbereich mit der merkwürdigen Anschrift

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Im Modell sind die Lager der beim Vorbild ausgehängten Türen und Klappen vorbildgerecht nachgebildet:

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Der Türbereich an der Wagenseite

Der Türbereich an der Wagenseite

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Auf den Bildern sind die beigelegten gelben Festlegekeile erkennbar. Jedem Wagen liegen 8 Festlegekeile bei, welche sowohl oben wie unten frei einsetzbar sind.

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Festleger auf der oberen Ebene

Festleger auf der oberen Ebene

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Beide Wagen sind mit der BRAWA-Kupplung ausgestattet. Diese Kupplung ist mit Lenz kompatibel. Zwischen den beiden Wagen wirkt die Kurzkupplung, im Lieferzustand bleibt zwischen den Puffern ein Abstand von etwa zwei Millimetern. Da die meisten Automodelle im Maßstab 1:43 hergestellt sind und damit etwas größer sind als Automodelle im Maßstab 1:45 (sofern es sie gibt), kommt dieser Pufferabstand dem Laderaum zu Gute. Aber der Abstand kann durch Veränderung der Einstellung reduziert werden.

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Beim Vorbild kann zur Be- und Entladung ein Teil der oberen Ladeebene teilweise abgesenkt werden. Im Modell ist das auch möglich!

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Der Käfer wird entladen.

Der Käfer wird entladen.

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Die zur Be- und Entladung an einer Kopframpe benötigten Rampen liegen den Wagen bei, sie werden während der Fahrt vorbildgerecht auf dem unteren Deck an der Seite positioniert.

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Er rollt über die Bleche auf die Rampe.

Er rollt über die Bleche auf die Rampe.

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Es eignet sich jede Kopframpe, um eine Be- oder Entladung nachzustellen.

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An der Rampe...

An der Rampe...

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Der Blick von oben.

Der Blick von oben.

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Beim Vorbild wurden bis zu 10 Pkw auf einem Wagenpärchen verladen, was zur Folge hat, dass in jeder Etage ein Wagen über der Kuppelstelle verladen werden muss. Doch was passiert mit den Pkw, die über die Trennstelle der zwei Wagen eines Off52 gestellt wurden, bei einer Fahrt durch einen Gleisbogen?

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Um das heraus zu finden, habe ich drei Pkw (ja, ich weiß, dass sie nicht zueinander passen, aber es war ja nur ein Test) so auf das Oberdeck gestellt, dass eine Fahrt durch eine gegenläufige Weichenverbindung (Lenz) möglich wurde. Um die Bewegung des Pkw, der über der Trennstelle steht, zu ermöglichen, habe ich diesen nur mit einem Radvorleger an einem Rad gesichert.

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Hier das Video, welches diese Fahrt zeigt:

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Ich bitte das etwas zittrige Bild zu entschuldigen – das iPhone passt nicht auf das Stativ

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Also zusammenfassend gesagt: Gegenläufige Weichenverbindungen sind für die Beladung von mit 10 Pkw, also jeweils zwei über die Trennstelle hinweg, kein Problem.

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Beim Test wurden die beiden BRAWA-Wagen mit der normalen BRAWA-Kupplung gekuppelt, was bedeutet, dass sich der Abstand zwischen den beiden Wagen im Gleisbogen aufgrund der Kurzkupplungskinematik verlängert. Bei Verwendung einer „Vierlaschenkupplung“ oder alternativ einer Original-Hakenkupplung vergrößert sich der Abstand im Gleisbogen nicht – für diesen Fall ist mein Test nicht belastbar!

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Kurz zusammengefasst:

  • Bei Verwendung der BRAWA-Kupplung und
  • Festlegung der Pkw über der Trennstelle an nur einem Rad mit nur einem Radvorleger
  • ist ein Befahren von R10-Gleisbögen, auch gegenläufig, kein Problem! 

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Übrigens: Ich habe die drei Pkw im Test so eng wie möglich zusammengestellt, so dass sie sich bei der Bogenfahrt gerade eben nicht berühren. Damit stehen sie aber eindeutig zu eng! Vorbildgerecht müsste der Abstand zum nächsten Pkw an der festgelegten Achse unten 2,2 mm und oben 3,3 mm sein. An der nicht festgelegten Seite sogar 9 mm (oben wie unten!)! Aber das Video zeigt, dass es auch mit weniger Abstand klappt.

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Comments
3 Responses to “Neu von BRAWA: Der Off52”
  1. Dieter Fabrizio sagt:

    Hallo Stefan,
    wie immer eine perfekte Darstellung. Ich möchte noch anmerken, dass diese Art des Autotransportes auch ein Kind des 2.Weltkrieges war. Die „Kriegsversion“ des KdF-Wagens wurde auf O-Wagen in einer ähnlichen Konfektionierung wie dei Off in die ganzen Kriegs-überzogenen Länder Europas geliefert. Der größte Unterschied bestand in der oberen Etage, sie war aus Holz gebaut, da man ja an keine lange Einsatzzeit glaubte.

  2. Frank Graeser sagt:

    Hallo Stefan,
    danke für diesen ausführlichen Bericht sowie den Hintergrundinformationen.

    Viele Gruesse
    Frank

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