Drahtlos Züge steuern

Nutzer einer Lenz-Digital-Zentrale haben nun die Möglichkeit, unter Verwendung des USB/Ethernet-Interfaces (Art. Nr. 23151) und eines WLAN-Routers sowie der Software TouchCab auf einem Handy die Lokomotiven drahtlos zu steuern. Der zweite Weihnachtsfeiertag, der glücklicherweise „familienfrei“ ist, bot die ideale Gelegenheit, das auszuprobieren.

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Drahtloser Handregler

Drahtloser Handregler

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Vorbereitungen

Bevor es losgehen konnte, habe ich ein paar Vorbereitungen getroffen:

  • Mein Neffe überließ mir seinen defekten iPod touch aus dem Hause Apple, den er vor einiger Zeit durch ein neues Modell ersetzt hat. Defekt ist das Display, denn es hat einen Riss und in einem unwichtigen Bereich einige Pixelfehler, doch für meine Zwecke ist das Gerät noch gut nutzbar. Aber auch mein iPhone und mein iPad können für die Steuerung genutzt werden.
  • Auf diesem iPod touch habe ich zuerst die Software TouchCab free installiert, zur Software später mehr.
  • Eine noch im Fundus vorhandenen WLAN-Router habe ich bereitgelegt und entsprechend programmiert – dazu auch gleich mehr.
  • Und zu guter Letzt noch das USB/Ethernet-Interface von Lenz beschafft.

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Das Prinzip

Vom Prinzip her ist es ganz einfach: Das Lenz-Interface wird im Netzwerk der Lenz-Digital-Zentrals einfach mittels Xpress-Net-Kabel angeschlossen. Mit einem weiteren Netzwerkkabel wird das Interface mit dem WLAN-Router verbunden. Der iPod touch wird mit dem WLAN des Routers verbunden und steuert über die Software TouchCab einfach wie ein Handregler die Züge. Für den Betrieb ist also kein PC erforderlich! Das nachstehende Bild zeigt den Anschluss.

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Anschlussschema

Anschlussschema

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Überlegungen vorweg

Eine Überlegung musste ich noch tätigen: Soll ich mein zu Hause vorhandenes WLAN nutzen oder ein eigenens WLAN extra für die Modellbahn aufbauen? Das vorhandene WLAN hat den Nachteil, dass der WLAN-Router im Obergeschoss installiert ist, die Anlage aber im Keller betrieben wird. Das WLAN selber kann im Keller nicht gut empfangen werden und die Verbindung des Lenz-Interfaces mit dem WLAN-Router muss per Kabel, in diesem Fall über zwei Etagen, hergestellt werden. Das spricht also nicht für die Nutzung des vorhandenen WLAN. Da ich aber noch einen alten WLAN-Router „liegen“ hatte, konnte ich diesen Nutzen und damit im Keller unter der Anlage das neue WLAN aufbauen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich dieses WLAN im Fall eines Anlagenaufbaus in einer Messehalle mitnehmen kann. Also fiel die Entscheidung zugunsten eines zweiten WLAN entsprechend leicht.

Nächster Schritt war das Studium der Betriebsanleitung des Interfaces. Dazu „sensibilisiert“ wurde ich durch einen Artikel im SpurNullMagazin, in welchem der Autor seine Probleme, das Interface und den WLAN-Router miteinander zu verbinden, schilderte. Aber in der Betriebsanleitung konnte ich lesen, dass das Interface auf eine feste IP-Adresse eingestellt ist. Jedes Gerät in einem Netzwerk hat eine IP-Adresse, wobei die einzelnen Adressen der Geräte im Netzwerk zum WLAN-Router „passen“ müssen. Wenn die Adressen nicht zu einander passen, dann klappt auch die Kommunikation zwischen den Geräten nicht. Also musste ich sicherstellen, dass die IP-Adresse des Lenz-Interfaces und die des WLAN-Routers zueinander „passen“. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Man stellt die WLAN-Router-Adresse vor Inbetriebnahme so um, dass sie passt oder
  • Man passt die Adresse des Interfaces vorher an.

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Da ich den WLAN-Router sowieso umprogrammieren musste (er hatte noch meine alten Netzwerkdaten einprogrammiert, und die wollte ich nicht weiter verwenden), habe ich mich für die erste Variante entschieden. Nach Abändern der IP-Adresse des WLAN-Routers auf 192.168.0.1 war alles „passend“ (Für die Fachmänner: Ich habe den MAC-Filter ausgeschaltet, die SSID auf Namen meines Bahnhofs umgestellt und nicht unsichtbar gemacht), so dass ich nun zur Installation schreiten konnte. Allerdings möchte ich anmerken, dass genau dieser Part der Installation die größte Hürde ist, die genommen werden muss. Ohne ein paar Vorkenntnisse zu WLAN-Netzwerken könnte das echt zu einem Problem werden.  Aber so, wie ich das beschrieben habe, hat es anstandslos geklappt!

Die Umsetzung

Nachdem die Vorbereitungen beendet waren, ging es an die Umsetzung. Das Notebook, welches ich zur Umprogrammierung des WLAN-Routers genutzt habe, wird nun nicht mehr benötigt, im Betrieb ist also kein PC erforderlich – ein für mich wichtiger Aspekt! Das Interface wird nun einfach mit dem beiliegenden (kurzen) Xpress-Net-Kabel an eine freie Xpress-Net-Buchse angeschlossen. Diese finde ich an meiner Anlage am Adapter LA152 an der Anlagenkante. Weiter wird nun ein Netzwerk-Kabel in das Interface gesteckt. Das andere Ende kommt in eine entsprechende Buchse am WLAN-Router, welchen ich nun mit dem Stromnetz verband. Nach kurzer Boot-Phase des WLAN-Routers stand das WLAN zur Verfügung. Nun wurde der iPod touch über das Einstellungsmenue mit dem neuen WLAN verbunden und die Software TouchCab free gestartet. Problemlos erkannte die Software die Lenz-Digital-Zentrale und las die Lokdaten in sehr kurzer Zeit ein. Nun habe ich einfach eine Lokadresse angewählt und konnte diese Lok steuern! Schön einfach!

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Die Software

Der Hersteller der Software, Jens Vesterdahl, hat mit TouchCab eine Software geschaffen, die in zwei Versionen vorliegt:

Die freie, kostenlose Version TouchCab free ist nur in Englisch erhältlich, kann aber alle Lokadressen ansteuern. Allerdings ist sie beschränkt, denn sie kann nur die Funktionstasten F0 bis F7 ansteuern, auch können keine Weichen oder Signale gesteuert werden. Die kostenpflichtige Vollversion TouchCab hingegen stellt sich nach der Installation automatisch auf Deutsch um, kann die Funktionstasten F0 bis F28 ansteuern und auch Weichen und Signale sollen im Rahmen eines Updates kein Problem darstellen. Beide Software-Versionen sind im App-Store von Apple problemlos erhältlich, die Vollversion kostet nur 5,99 €, damit sind auch alle kommenden Updates bezahlt!

Bedienoberfläche der kostenlosen Version

Bedienoberfläche der kostenlosen Version

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Bedienoberfläche der Vollversion

Bedienoberfläche der Vollversion (Unterschiede in der unteren Zeile!)

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Vollversion mit eingeblendeten F24 bis F28

Vollversion mit eingeblendeten F24 bis F28

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Der Link zur Homepage (leider nur in Englisch) des Software-Herstellers ist am Ende zu finden.

Der Betrieb

Der Ipod touch liegt als Handregler gut in der Hand. Die Bedienung gelingt mir mit meinen „zierlichen“ Händen (Handschuhgröße 12 bis 13) auch gut. Die Software kann auf rechts- oder linkshändischem Betrieb umgestellt werden. Alle Taten sind mit dem Daumen gut erreichbar. Für die Einstellung der Fahrstufen dient ein großer Bereich in der Mitte des Displays. Hier kann man entweder mit einer Wischbewegung die Anzahl der Fahrstufen erhöhen oder reduzieren. Oder man tippt links oder rechts an die Kante des Displays, wobei jedes Tippen die Fahrstufe um jeweils eine Stufe erhöht oder reduziert. Rechts oben in der Ecke ist ein großes Feld, welches als Nothalttaste fungiert. Ich habe festgestellt, dass sich die Fahrzeuge mit der Software leicht steuern lassen. Die Funktionstasten funktionieren so, wie sie in der Zentrale hinterlegt sind – also entweder als Dauer oder als Momenttaste. Eine Funktionstaste, welche als Momenttaste betrieben wird, muss etwa eine halbe Sekunde gedrückt werden. Das ist die einzige spürbare Verzögerung im Betrieb gewesen. Die Funktionstasten ab F8 können in der Vollversion einfach durch Wischen über die Funktionstasten erreicht werden. Es werden immer acht Funtkionstasten gleichzeitig angezeigt. Programmieren kann man mit dieser Software nicht, so dass es sich bei einem Regler mit dieser Software um einen reinen Handregler handelt!

Über die Bedienung der Software habe ich einen kleinen Film gedreht, er kann hier angesehen werden:

 

Fazit

Betreiber einer Lenz-Digital-Zentrale haben nun mit dem neuen Interface die Möglichkeit, iPod touch, iPhones oder iPads als drahtlose Handregler zu nutzen. Ich empfehle, in solch einem Fall nicht ein vorhandenes WLAN zu nutzen, sondern ein eigenes Modellbahn-WLAN aufzubauen. Ein WLAN-Router ist für weniger als 40,- € erhältlich. Wenn nun schon eines der genannten Apple-Produkte im Haushalt vorhanden ist, stellt dieses System eine gute Möglichkeit dar, mit wenig Aufwand die Modellbahn um einen Handregler zu ergänzen. Wenn kein Apple-Produkt nutzbar ist, kommt man kostenmäßig ggf. in Preisregionen, für die auch Funkhandregler anderer Hersteller erhältlich sind. Ob diese aber auch so gut mit der Lenz-Digital-Zentrale zusammenarbeiten, habe ich nicht überprüft.

Nach Aussage des Herstellers beherrscht das Lenz-Interface auch Bonjour, so dass durchaus auch ein Airport Express von Apple als WLAN-Router genutzt werden könnte. Die Konfiguration sollte dann deutlich einfacher sein – aber das habe ich nicht überprüfen können.

Ausblick und Wünsche

Das gute und einfache Funktionieren hat bei mir Wünsche geweckt: Nun hätte ich gerne noch eine Software, die es ermöglicht, auf dem iPad ein Gleisbildstellpult zu betreiben. Die Schnittstelle dafür existiert ja nun!

Ach ja:

Lenz legt seinem Interface auch noch Software bei, um die Steuerung der Loks auf einem PC vorzunehmen. Diese kann genutzt werden kann, wenn das Interface mittels USB am PC angeschlossen ist.

Ein Update zur Software habe ich hier beschrieben.

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Abschließend ein paar Links:

Comments
8 Responses to “Drahtlos Züge steuern”
  1. Jochen Brockmann sagt:

    Lieber Stefan, ganz vielen Dank für diesen umfassenden und gerade genau passenden Artikel auf Deiner super Spur0-Seite!

  2. Johannes Otterbach Spur 0 Team sagt:

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für die Einladung.
    Ich werds mal versuchen meinen T-Com Router umzustellen, wobei ich damit in der Vorbereitung für unsere Club-Anlage bin und wir im Club noch nicht das Lenz-Interface haben.
    Es wäre allerdings super wenn ich bei Dir meinen Router testen könnte ob alles
    funktioniert-dann wäre es im Club nur noch plug and play.
    Also wir bleiben in Kontakt…wenn Du möchtest, dann müsstest Du mir nur mal Deine Adresse und evtl. Telefon mailen.

    Gruß
    Johannes

  3. Johannes Otterbach Spur 0 Team sagt:

    Hallo Stefan,

    das klingt alles sehr schön, aber wo und wie stelle ich bei meinem Router die IP Adresse um.
    Ich möchte ein altes Speedport von der Telekom benutzen-geht das überhaupt?

    Wo stellt man bei Touch Cab die Lokadressen ein ?

    Gruß

    Johannes

    • eksnap sagt:

      Hallo Johannes,

      ich habe ein Speedport W501 der Telekom genutzt. Nach Inbetriebnahme des Speedports, Einloggen mit dem Notebook in das WLAN und Eingabe von 192.168.2.1 in den Browser als URL kam ich in das Konfigurationsmenue des Speedport. Da habe ich dann das Passwort eingegeben und konnte unter dem Punkt WLAN eine andere IP-Adresse eingeben. Ich habe 192.168.0.1 genommen. Nach Speichern der Änderung musste zwar die Verbindung neu aufgebaut werden, aber damit war die IP-Adresse des WLAN-Routers geändert. Nun habe ich noch eine neue SSID vergeben, das Passwort geändert, einen anderen Kanal eingestellt (damit es nicht mein normales WLAN stört) und den MAC-Filter ausgeschaltet. Nach Speichern habe ich dann das Interface mittels LAN-Kabel angeschlossen und alles funktionierte (die IP-Adresse des Interfaces ist 192.168.0.200 – damit verstehen sich Router und Interface!).

      Bei TouchCab stellt man die Lok-Adressen erst einmal so ein, dass man unten auf die kleine Lok klickt, dann werden alle Lok-Adressen der Zentrale angezeigt und wählt eine durch Anklicken aus. Dann geht man wieder auf die Seite mit dem Fahrregler und steuert diese Lok. Auf dieser Seite steht oben neben dem Stop die aktuelle Adresse. Wenn man da drauf klickt, werden einem die zuletzt benutzten drei Adressen zur schnelleren Auswahl angezeigt. Eigentlich ganz einfach…

      Hoffe, alle Fragen geklärt zu haben? Falls nicht, komm einfach mal vorbei und teste selber!

      Gruß vom Niederrhein
      Stefan

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  2. […] kurzem habe ich in diesem Beitrag das USB/Ethernet-Interface und zugehörige IOS-Software TouchCab vorgestellt. Von dieser Software […]



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