Gr 20 – der Vergleich

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Das neue Modell des Gr 20 von Lenz (ich berichtete hier davon) lädt natürlich dazu ein, einen Vergleich mit dem schon betagten und circa 40 Jahre alten Modell von Pola-Maxi/RaiMo/Biller-Bahn/EMA (die Hersteller in den 70er bis 90er Jahren) zu machen.

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Die beiden Gr 20 im Vergleich: Vorne links der neue Gr 20 von Lenz, dahinter ein orangener Gr 20 von Pola

Die beiden Gr 20 im Vergleich: Vorne links der neue Gr 20 von Lenz, dahinter ein orangener Gr 20 von Pola

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Fangen wir mal mit den Maßen an. Grundlage des Vergleichs der Maße ist diese Zeichnung

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Zeichnung und Schnitte des Gr 20 (Klick öffnet große Zeichnung)

Zeichnung und Schnitte des Gr 20 (Klick öffnet große Zeichnung)

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Nun habe ich mal den Messschieber und Gliedermaßstab bemüht und beide Modell vermessen. Das Ergebnis zeigt die folgende Tabelle:

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Gr 20 von Pola und Lenz im Vergleich mit dem Vorbild

Gr 20 von Pola und Lenz im Vergleich mit dem Vorbild

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Zusammenfassend kann man anmerken, dass die Maße mit Ausnahme der Länge über Puffer beim Pola-Modell immer nahe beim umgerechnet richtigen Maß liegen. Mal ist Lenz etwas genauer, mal Pola. Aber die Länge des Pola-Modells weicht von der des Vorbild um 4 mm ab. Grund dafür ist, dass Pola damals ein Einheitsfahrwerk entwickelt und für alle kurzen Güterwagen verwendet. Dieses Fahrwerk passt zum Pola-G 10, welcher beim Vorbild 200 mm länger ist. Lenz hat auch einen G 10 im Angebot und hat für den Gr 20 ein neues Fahrwerk verwendet, um den Gr 20 vorbildgerecht kürzer herzustellen. Durch das hohe Dach wirkt der Lenz-Gr 20 vorbildgerecht „pummelig“.

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Deutlich ist erkennbar, dass der Gr 20 von Pola (vorne) 4 mm länger ist als der Lenz-Gr 20 (hinten)

Deutlich ist erkennbar, dass der Gr 20 von Pola (vorne) 4 mm länger ist als der Lenz-Gr 20 (hinten)

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Da wir gerade das Bild vom Dach sehen: Der Gr 20 von Pola hat die Nachbildung eines Blechdachs mit „Überlappungen“ der einzelnen Blechstreifen, während der hinten stehende Lenz-Wagen ein glattes Dach hat. Der Standard beim Gr 20 war das glatte Dach (Dach aus Holzlatten, überzogen mit Stoff). Die Farbe des Lenz-Dachs ist auch richtig.

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Schauen wir uns nun mal das Gehäuse und das Fahrwerk an. Pola hat die richtigen Gehäuserungen nachgebildet, allerdings fehlen die gerade für den Gr 20 typischen Knotenbleche, mit denen die Profile miteinander verbunden waren. Damit würde sich das Gehäuse nur für einen geschweißten Güterwagen eignen (die hatten keine Knotenbleche!), ein Beispiel wäre der Gms 30 („Oppeln“), welcher allerdings genau wie der Gr 20 nur eine Länge von 9100 mm hatte – somit ist das Pola-Gr 20-Gehäuse für den Gms 30 zu lang!

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Zuerst einmal ein direkter Vergleich:

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Links der Lenz-Wagen, rechts der Pola-Wagen

Links der Lenz-Wagen, rechts der Pola-Wagen. Links mit Federpuffern, rechts ohne. Links mit Lenz-Kupplung, rechts mit Pola-Kupplung.

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Linke Seite mit den Anschriften:

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Das Anschriftenfeld und die linke Seite von Pola

Das Anschriftenfeld und die linke Seite von Pola

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Das Anschriftenfeld und die linke Seite von Lenz

Das Anschriftenfeld und die linke Seite von Lenz

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Bei beiden Wagen ist der Zettelhalter angespritzt. Die Anschriften sind bei Lenz zeitgemäßer. Bei Pola sind leider Durchbrüche oben zu sehen, in denen die Halter vom Dach eingreifen.

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Die Fahrzeugmitte:

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Die Schiebetür von Pola. Das Firmenlogo der Bananenfirma war bei dem orangenen Wagen serienmäßig aufgeklebt, es sollte ein Bananentransportwagen sein.

Die Schiebetür von Pola. Das Firmenlogo der Bananenfirma war bei dem orangenen Wagen serienmäßig aufgeklebt, es sollte ein Bananentransportwagen sein.

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Die Schiebetür von Lenz

Die Schiebetür von Lenz

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Beim Vergleich der Türen fällt auf, dass die Pola-Türen auf Rollen laufen, während die Lenz-Türen keine Rollen haben, weil die Tür oben aufgehängt ist. Richtig ist die Ausführung von Lenz. Pola hat die für den G 10 richtigen Türen samt deren Befestigung einfach übernommen. Der Verschlussbügel der Lenz-Tür ist zurückgeklappt, so dass diese Tür eigentlich nicht richtig geschlossen ist. Bei Pola ist der Bügel umgeklappt. Weiter hat die Pola-Tür den Dämpferbügel an der rechten Kante, der zur G 10-Tür, aber nicht zum Gr 20 gehört. Beide Türen haben Knotenbleche, wobei die von Pola sehr „dezent“ sind. An der Trittsufe unter der Tür erkennt man, dass die Entwicklung im Modellbau weiter fortgeschritten ist: Der Tritt von Lenz ist deutlich feiner, der von Pola sieht aber auch schon gut aus. Hinter der Trittstufe ist bei Lenz eine Nachbildung der Bremsanlage erkennbar, ebenso die Fangschlaufen für die Bremsdreiecke. Bei Pola ist die Nachbildung der Bremse aus dieser Perspektive nicht erkennbar, da sie nur recht flach am Wagenboden nachgebildet ist. Fangschlaufen fehlen genauso wie Bremsdreiecke.

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Die rechte Hälfte:

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Die rechte Häflte des Pola-Wagens.

Die rechte Häflte des Pola-Wagens.

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Die rechte Häflte des Lenz-Wagens.

Die rechte Häflte des Lenz-Wagens.

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Abschließend fällt auf, dass die Rungen beim Lenz-Wagen unten weiter herunterstehen als beim Pola-Wagen. Am Eckprofil hat der Lenz-Wagen eine Zurr-Öse, bei Pola ist nichts dergleichen zu finden. Auch hier ist beim Pola-Wagen der Ausschnitt für die Arretierung des Daches deutlich sichtbar.

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Die Stirnwände:

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Links Pola, rechts Lenz

Links Pola, rechts Lenz

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Abschließend der Blick auf die Stirnwände. Hier erkennt man deutlich das Alter des Pola-Wagens. Das Stirnprofil ist nur angedeutet – bei Lenz ist es extra angesetzt. Weiter hat Pola keine Tritte und keine Handgriffe an der Stirnwand.Das Dach des Pola-Wagens ist auch etwas flacher als das richtig gewölbte Dach des Lenz-Modells. Was weiter bei dieser Perspektive noch auffällt, ist die gröber wirkende obere Führung der Schiebetür beim Lenz-Wagen. Wie die oben gezeigte Tabelle hervorbringt, ist der Lenz-Wagen an der Stelle sogar breiter als der Pola-Wagen.

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Den Blick unter den Wagen habe ich nicht dokumentiert. Während das Lenz-Modell dort sehr gut durchgestaltet und alles nachgebildet ist, hat das Pola-Modell nur eine flach angravierte Nachbildung der Bremseinrichtung. Die Trittstufen sind die einzigen angesteckten Bauteile beim Pola-Modell.

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Mein Fazit:

Man sieht dem Pola-Modell das Alter deutlich an. Aber etwa 40 Jahre war der Wagen eine gute Basis, um ihn zu supern oder umzubauen. Die mich früher schon störende zu große Länge empfinde ich auch heute noch als das größte Manko des Pola-Modells. Der Lenz-Wagen ist auf dem Stand der Technik, die Knotenbleche sind sehr schön nachgebildet und genau deswegen eignet sich das Modell leider nicht, um daraus einen Gms 30 („Oppeln“) zu bauen. Dieser Vergleich zeigt sehr deutlich, welchen Sprung die Spur 0 dank Lenz in den letzten Jahren gemacht hat!

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Soweit der eigentlich unfaire Test. Weiter geht es in den nächsten Tagen mit Hinweisen zum Gr 20.

Comments
6 Responses to “Gr 20 – der Vergleich”
  1. Joerg Woste sagt:

    Hallo Nafets,

    prima Vergleich. Für mich derzeit ein interessantes Thema, weil ich einen Oppeln erstanden habe, der aus einem Pola-Wagen gebaut wurde.

    Grüße – Jörg (BR96)

    • eksnap sagt:

      Hallo Jörg,

      wenn es Dich nicht stört, dass das Gehäuse des Pola-Wagens 4 mm zu lang ist, dann eignet es sich aufgrund der fehlenden Knotenbleche sehr gut für einen Oppeln! Viel Spaß damit!!!

      Gruß,
      Stefan

  2. Joachim Wassenberg sagt:

    Hallo!
    Schön, die beiden Wagen nebeneinander zu sehen!
    Einzeln betrachtet kann der POLA-Gr 20 m.E. auch heute noch durchgehen.
    Die 4 mm zu grosse LüP ist ja nur ein Klacks gegen die 20 mm Verkürzung, die LENZ sich heutzutage beim funkelnagelneuen Milchwagen erlaubt!

    Gruss an Alle!

    • eksnap sagt:

      Hallo Joachim,

      schön, dass Dir der Vergleich gefällt.

      Gestatte mir die Anmerkung, dass der kommende Milchwagen nicht 20 mm zu kurz sein wird, sondern „nur“ 11,1 mm.

      Gruß,
      Stefan

  3. Stephan Dreßel sagt:

    Ein schöner und lesenswerter Vergleichstest,in dem eine Menge Arbeit und Vorbildwissen steckt.
    Danke dafür !
    Viele Grüße,Stephan Dreßel
    (asisfelden)

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