Wie wird geätzt? Ein Besuch bei einem Lohn-Ätzer

Nachdem ich in einem Bericht vor wenigen Tagen beschrieben hatte, wie man selber eine Ätzzeichnung anfertigen kann (Eine kleine Anleitung…), habe ich nun einen Lohn-Ätzer besucht und mir angesehen, wie er tatsächlich ätzt!

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Ich war in Selm-Bork zu Gast bei Jürgen Moog, Inhaber der Firma Moog Modellbautechnik. Jürgen Moog ließ mich zusehen, wie er im Auftrag seiner Kunden Ätzteile anfertigt.

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Es beginnt alles mit dem Ätzfilm (siehe die Anleitung…). Jürgen Moog hat die bei ihm archivierten Ätzfilme sicher verwahrt.

Entnahme der Filmtasche aus dem Film-Lager

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Nun steht aufgrund der Filmgröße die benötigte Blechgröße fest. Für die Ätzung wird jetzt  ein Messingblech zurecht geschnitten.

Das geht mit einer Papierschneidemaschine am einfachsten

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Das fertig zugeschnittene Blech (die grünliche Färbung des Messingblechs stammt von der Beschichtung mit Fotolack) wird nun in die Filmtasche eingelegt:

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Passt!

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Nun muss das Messingblech belichtet werden. Dazu kommt die Filmtasche mit dem eingelegten Blech in eine Belichtungsmaschine. Mittels Unterdruck wird sichergestellt, dass der Film sauber und saugend auf dem Messingblech aufliegt:

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Nach Schließen des Deckels wird das Messingblech von beiden Seiten gleichzeitig belichtet. Dieser Belichtungsvorgang dauert in der Regel etwa eine Minute.

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Nun wird das belichtete Messingblech aus der Filmtasche entnommen:

Die belichteten Flächen (überall da, wo der Film durchsichtig war) sind zu erkennen, sie sind dunkel gefärbt

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Nach Abziehen des Schutzfilms kommt das belichtete Blech in ein Bad mit einem Fixierer.

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In diesem Fixierbad wird der Fotolack der belichteten Flächen fixiert und der Lack der unbelichteten Flächen abgewaschen. An den unbelichteten Flächen kann hinterher die Ätzlauge das Messingblech angreifen.

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So sieht sie aus: Die Sprüh-Ätzmaschine! Hier werden die fixierten Messingbleche über eine Art „Förderband“ durch einen „Sprühvorhang“ hindurch gefördert. Dieser „Sprühvorhang“ besteht aus vielen Düsen, sprüht eine stark ätzenden Lauge und ätzt damit an den nicht durch Fotolack geschützten Stellen das Messing weg.

Die Sprüh-Ätzmaschine – das lauteste Gerät in der Werkstatt von Jürgen Moog

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Das fixierte Messingblech wird auf das Förderband gelegt und schon geht´s los:

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Nach kurzer Zeit kommt das angeätzte Messingblech auf der anderen Seite hervor:

Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt

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Nach drei Durchgängen sah das Blech dann so aus – die ersten Durchätzungen (oben) sind zu erkennen:

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Und so kam das Blech beim letzten Durchgang zum Vorschein:

Deutlich sind die Durchätzungen (Löcher) und die Anätzungen (messingfarben) zu erkennen

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So sieht das fertig geätzte Blech nach Entnahme aus der Sprüh-Ätzmaschine aus:

Die dunklen Flächen lassen den Fotolack erkennen

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Der nun noch störende Fotolack wird in einem besonderen Wasserbad abgewaschen – dieser Vorgang dauert ein paar Minuten:

Deutlich ist zu erkennen, wie sich der dunkle Fotolack ablöst und das blanke Blech zurückbleibt

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Nach Trocknen des Bleches sieht das Ergebnis dieses Prozesses so aus:

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Und nun? Qualitätskontrolle durch den Meister persönlich:

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Und? Mit dem Ergebnis zufrieden?

Das Lächeln sagt alles: Die Ätzung ist okay!

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Soweit das eigentliche Ätzen. Was hier nicht gezeigt oder beschrieben wurde, sind die vielen Versuche, die nötig waren, damit das Ätzen so einwandfrei funktioniert. Es mussten viele Erfahrungswerte gesammelt werden, bevor die heutige Präzision möglich war!

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Jürgen Moog hat sich in seiner Firmengeschichte kontinuierlich weiter entwickelt. Die ersten Ätzungen hat er in einem einfachen Ätzbad (Ätzwanne) vorgenommen. Eine Küvette mit Luftzufuhr, in der das zu ätzende Blech eingehängt wurde, war die nächste Station. Das ging schon viel besser als das Ätzen in der einfachen Ätzwanne, war aber immer noch ineffektiv, da die Ätzungen sehr lange dauerten und die Ätzqualität nicht reproduzierbar war.  Eine selbstgebaute Sprüh-Ätzanlage, in die die Bleche manuell eingehängt wurden, war die nächste Station. Doch auch das Ergebnis erlaubte keine Serienfertigung. Die Lösung war die heutige Ätzmaschine, bei der die Bleche mit kontinuierlicher Geschwindigkeit durch den Sprüh-Vorhang geschoben werden. Nun war es ein kleiner Schritt zur heutigen Perfektion – was die Ätzung angeht!

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Jürgen Moog bietet baugrößenunabhängig Lohn-Ätzungen in Messing und Neusilber an. Die Preise orientieren sich an der zu ätzenden Fläche und nicht am Zeitaufwand – eine für den Kunden kalkulierbare Vorgehensweise. Auf der Homepage von Moog Modellbautechnik finden sich Preise und weitere Details.

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Neben den Lohn-Ätzarbeiten stellt Jürgen Moog auch eigene Modelle für die Spur O her, der Donnerbüchsen-Steuerwagen, die Umbausätze für den Lima-G-Wagen und die Kurzkupplungs-Umrüstsätze sind wohl seine bekanntesten Produkte. Auch ein moderner Container-Tragwagen, der als Bausatzaktion für die Internationale Arbeitsgemeinschaft Modellbahnbau Spur O e.V. – kurz ARGE Spur O – hergestellt wurde, zeigt die Spannweite des Portfolios von Jürgen Moog auf.

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Hier noch der Link zur Homepage von Jürgen Moog, Moog Modellbautechnik.

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Comments
6 Responses to “Wie wird geätzt? Ein Besuch bei einem Lohn-Ätzer”
  1. Spur0e.de sagt:

    Hallo,

    sehr schöne Fotoserie. Ein Bild fehlt aber glaube noch, die fertig lackierte Pflanze😀

    http://www.spur0e.de/landschaftsbau/geaetzte-pflanzen
    Ich weis, das Foto ist nicht das Beste …

    Die Pflanzen habe ich auch pixelbasiert erstellt.

    Gruss Markus

  2. Hallo Stefan,

    mit welchem Zeichneprogramm oder noch viel wichtiger, welches format braucht der Ätzer um die Filme zu erstellen? Werde wahrscheinlich demnächst auch mehrere Lüftungsgitter für meine Lok-Selbstbau machen.

    Gruß

    hannes

    P.s. Schöner Bericht-so gehts also

    • eksnap sagt:

      Hallo Johannes,

      ich zeichne immer noch mit MegaPaint 4.0, einem steinalten ATARI-Programm. Damit liefere ich Herrn Moog eine Pixel-Datei, die mit mindestens 300 dpi-Auflösung gezeichnet ist. Vektor-Dateien sind auch möglich, aber hierbei sollte mit Herrn Moog vorher gesprochen werden, ob er die entsprechende Datei auch bearbeiten kann. Mit Corel Draw bspw. hat er keine Probleme, mit CAD-Programmen ggf schon (aufgrund der Vielfalt an Dateiformaten).

      Gruß,
      Stefan

  3. Thomas sagt:

    Hallo Stefan,

    ein sehr schöner Bilderbericht.
    So hat man einen kleinen Einblick, wie Herr Moog arbeitet.
    Eine Dank auch an Herrn Moog, dass er sich hier über die Schulter schauen lassen hat.

    MfG
    Thomas

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