Allerlei über Ladegüter und deren Sicherung (Teil 1)

Alle offenen und flachen Güterwagen laden geradezu dazu ein, beladen zu werden. Das ist ja auch sehr einfach: Einfach was drauf stellen und gut ist. Gut ist? Mitnichten!!! Wer das schon mal gemacht hat, wird gemerkt haben, dass sich die Ladung beim Fahren verschoben hat oder gar verloren gegangen ist. Und damit das beim Vorbild nicht passiert, gibt es ein paar Regeln, die beim Beladen von Güterwagen beachtet werden müssen. Im Folgenden interessieren mich die Regeln für geschlossene Wagen nicht, vielmehr möchte ich mich nur den offenen und flachen Wagen zuwenden. Weiter werde ich nun auf Schüttgüter, Kraftfahrzeuge als Ladung und auch sonstige sperrige Gegenstände eingehen.

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In diesem Beitrag geht es erst einmal um Schüttgüter in offenen Wagen.

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Also grundsätzlich kann man jeden offenen Wagen mit einem Schüttgut vollmachen, bis nichts mehr reingeht. Aber beim Vorbild wäre ein so beladener Wagen sicher überladen und somit nicht betriebssicher. Also nun etwas zum Beladen von offenen Wagen mit Schüttgütern.

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Also so sollte der beladene Om12 nicht aussehen:

 

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Die richtige Dosierung des Ladegutes kann sich jeder selber ausrechnen. An jedem Wagen stehen mehrere Daten angeschrieben:

  • Die Ladefläche und
  • die zulässige Zuladung, entweder als Angabe im Lastgrenzraster oder als angegebene Tragfähigkeit.

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Wo findet man nun diese Angaben?

Die Ladefläche wird bei den Anschriften in der Regel mit folgendem Symbol angegeben:

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Im Lastgrenzenraster sind die zulässigen Ladegewichte im Zusammenhang mit der zulässigen Streckenklasse (A,B oder C, siehe auch diesen Bericht zum Thema Achslast) angegeben.

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Wir wissen nun, auf welche Fläche sich das Schüttgut beim Beladen verteilt und wieviel Tonnen der Wagen laden darf. Wenn nun bekannt ist, welches spezifische Gewicht das Ladegut hat, kann bestimmt werden, wie hoch der Wagen beladen werden darf. Hier ein paar spezifische Gewichte ausgewählter Ladegüter:

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Baustoffe: t / m3
Granit 2,8
Kalkstein 2,7-2,9
Sandstein 2,6
Klinkerziegelsteine 2,0
normale Ziegel voll 1,8
Lochziegel 1,5
Bodenarten:
Sand und Kies naß 2,0
Sand und Kies trocken 1,8
Steinschotter 1,8
Lehm und Ton 2,1
Metalle:
Stahl und Eisen 8,0
Holz:
naß 0,9
trocken 0,7
Brennstoffe:
Steinkohle 0,85
Koks 0,6

(Quelle: verschiedene Seiten im www)

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Mit Angabe der Ladefläche, der Lastgrenze und dem spezifischen Gewicht kann nun bestimmt werden, welches Volumen des Schüttguts verladen werden dürfte.

Rechnen wir das mal durch:

Koks: Der Om 12 darf 21 t laden. 21 t Koks nehmen unter der Annahme, dass 1 Kubikmeter Koks 0,6 t wiegt, 35 Kubikmeter Raum in Anspruch (21 : 0,6 = 35). Da der Om 12 eine Ladefläche von 21,3 Quadratmetern hat, würden die 21 t Koks auf dieser Fläche eine Höhe von 1,64 m haben (ideales Rechenmodell, kein Schüttkegel, sondern quadermäßiges Volumen – 35 Kubikmeter : 21,3 Quadratmeter = 1,64 m). Die Bordwände des Om 12 sind etwa 1,5 m hoch, was bedeutet, dass keine 21 t Koks in den Wagen hineinpassen!

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Kohle: Der Om 12 darf 21 t laden. 21 t Kohle nehmen unter der Annahme, dass 1 Kubikmeter Kohle 0,85 t wiegt, 24,7 Kubikmeter Raum in Anspruch (21 : 0,85 = 24,7). Da der Om 12 eine Ladefläche von 21,3 Quadratmetern hat, würden die 21 t Kohle auf dieser Fläche eine Höhe von 1,16 m haben (ideales Rechenmodell, kein Schüttkegel, sondern quadermäßiges Volumen – 24,7 Kubikmeter : 21,3 Quadratmeter = 1,16 m). Die Bordwände des Om 12 sind etwa 1,5 m hoch, was bedeutet, dass 21 t Kohle in den Wagen hineinpassen, dieser aber nicht bis zur Oberkante beladen werden darf!

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Ziegelsteine: Der Om 12 darf 21 t laden. 21 t Ziegelsteine nehmen unter der Annahme, dass 1 Kubikmeter Ziegelsteine 2,0 t wiegt, 10,5 Kubikmeter Raum in Anspruch (21 : 2,0 = 10,5). Da der Om 12 eine Ladefläche von 21,3 Quadratmetern hat, würden die 21 t Ziegelsteine auf dieser Fläche eine Höhe von 0,49 m haben (ideales Rechenmodell, quadermäßiges Volumen – 10,5 Kubikmeter : 21,4 Quadratmeter = 0,49 m). Die Bordwände des Om 12 sind etwa 1,5 m hoch, was bedeutet, dass die 21 t Ziegelsteine in den Wagen hineinpassen, der Wagen aber nur bis zum ersten Drittel der Höhe der Wagenwand beladen werden darf!!!

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Während Ziegelsteine in der Regel sauber gestapelt werden, bilden Kohle, Koks, Sand und Schotter einen Schüttkegel. Bei meiner mathematischen Betrachtung habe ich ein quaderförmiges Ladevolumen zu Grunde gelegt. also den Schüttkegel nicht betrachtet. Nun ist es leider so, dass die verschiedenen Ladegüter Schüttkegel mit verschiedenen Winkel bilden. Diese Schüttkegel haben die Eigenschaft, durch Fahrteinflüsse wie Schienenstöße, Aufstöße beim Rangieren, Fahrtwind usw. im Laufe einer Zugfahrt weiter abzuflachen (das kann man auch im Modell nachvollziehen: Einfach mal ein bisschen Sand in einen Om12 schütten und mit diesem Betrieb machen. Nach kurzer Zeit ist der Schüttkegel deutlich abgeflacht!). Aus diesem Grund habe ich keine Winkeldaten für die Schüttkegel der einzelnen Ladegüter angegeben. Für die Umsetzung ins Modell ist aufgrund der Tatsache, dass sich die Schüttwinkel im Betrieb verändern, also jeder Schüttwinkel akzeptabel.

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Um die Ergebnisse der mathematischen Volumensermittlung ins Modell umzusetzen und dabei Schüttkegel nachzubilden, ist zu beachten, dass die Hälfte der Höhe des Schüttkegels der errechneten Höhe entsprechen sollte. Nachstehende Skizze soll das verdeutlichen:

Im Modell kann der Wagen nun einfach mit dem gewünschten Schüttgut „vollgemacht“ werden. Bei echtem Ladegut, also wirklich eingeschüttetem Ladegut, wird sich beim Fahren der Schüttkegel abflachen. Diese Methode wird sicher immer dann angewandt, wenn die Beladung des Güterwagens mittels Silo oder Kran/Bagger zum Anlagenthema gehört. Auch bei Verwendung eines Wagenkippers, um die Entladung des Wagens nachzustellen, wird sicher nur mit richtigem Ladegut gearbeitet werden.

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Eine andere Methode ist die Erstellung eines Ladeguteinsatzes. Der Vorteil ist, dass bei einer Entgleisung mit Umstürzen des Wagens das Ladegut am Wagen bleibt und nicht anschließend mit dem Staubsauger die Anlage gesäubert werden muss.

Die Herstellung so eines Ladeguteinsatzes ist nicht schwierig: Einfach ein Holzbrett in der Größe des Wagens zuschneiden, zwei Klötzchen darunter, damit die Höhe stimmt und mit Styropor o.ä. den Unterbau des Schüttkegels nachbilden. Nun das ganze mit der Farbe des Ladegutes versehen und nach Trocknen der Farbe das Ladegut mit Holzleim o.ä. aufkleben. Ggf. mehrere Klebungen machen, damit der Eindruck stimmig wird. Nachstehend ein paar Bilder eines Kohleeinsatzes für den Om12 von Lenz.

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Und so sieht der Om12 aus, wenn er „richtig“ beladen worden ist:

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Weiter geht es mit der Verladung von Kisten u.ä. auf Flachwagen. Die Verladung von Räderfahrzeugen ist Thema des dritten Teils.

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Comments
6 Responses to “Allerlei über Ladegüter und deren Sicherung (Teil 1)”
  1. mark sagt:

    Danke für den spannenden Artikel und für die Ideensammlung an möglichen Ladegütern. Das ist eine sehr schöne Inspiration, doch nun endlich mal etwas in die Fahrzeuge zu laden…

    Übrigens werden Zuckerrüben in den modernen Eaos praktisch bis an die Oberkante des Wände geladen, da ist offenbar genügend Luft ‚rundherum‘. Überhaupt wären Früchte (Obst für die Mosterei) oder Gemüse (Kartoffeln, Zuckerrüben) auch ein tolles Ladegut.

  2. Stefan sagt:

    Spannendes Thema! Die Ladehöhe berschiedener klassischer
    Schüttgüter ist wirklich Interessant. Allerdings fällt bei dem mit
    Kohle geladenen Wagen ganz besonders auf, wie ungewöhlich sauber er
    ist😉 Freue mich schon auf die Regeln zum Beladen von Flachwagen.
    Gruss, Stefan

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