Bahnbetrieb kurz erklärt – Signale für den Rangierdienst

Vorweg an alle Berufseisenbahner und „Vorbelastete“: Ich werde in diesem Beitrag die im Rangierdienst  im Bereich der ehemaligen Deutschen Bundesbahn (DB) in den Epochen III und IV verwendeten Signale bewusst laienhaft erklären. Dieser Beitrag ist demzufolge natürlich nicht für die Berufsausbildung geeignet, auch eignet er sich nicht dafür, auf den Rangierdienst der Jetztzeit angewendet zu werden und er ist auch nicht belastbar, um den Rangierdienst der Vergangenheit zu analysieren. Vielmehr soll dieser Beitrag dem interessierten Modellbahner einen Einblick in die Regeln der Signale des Rangierdiensts ermöglichen, ohne diesen mit der Komplexität des Signalwesens zu erschlagen. Weiter soll der geneigte Modellbahner hinterher in der Lage sein, seine Modellbahn etwas vorbildorientierter zu gestalten und zu betreiben.

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Signale bei der Eisenbahn werden benötigt, damit sich die Eisenbahner untereinander verständigen. Der Begriff „Signal“ wird bei der Eisenbahn doppeldeutig verwendet: Einerseits ist die mechanische Vorrichtung am Gleis gemeint, andererseits auch die (Signal-)Information, die mit der mechanischen Vorrichtung, durch Gesten oder Töne übermittelt wird. Im folgenden differenziere ich nicht weiter, sondern werde mit Bildern aus meinem Archiv die Signale des Rangierdiensts vorstellen. Diese Bilder stammen fast komplett aus einer Diaserie, mit der in den 70ern angehende Eisenbahner bei der Deutschen Bundesbahn ausgebildet wurden. Aufgrund des Alters bitte ich eventuelle Farbstiche zu entschuldigen. Ein Klick auf eines der Signalbilder öffnet wieder ein großes Bild.

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Doch nun geht es los! Zuerst zeige ich Euch die haltzeigenden Signale und wie die Zustimmung zur Rangierfahrt aussieht. Diese Signale werden immer von einem Stellwerker bedient. Die Bediener eines Stellwerks heißen im Rangierdienst immer Weichenwärter (abgekürzt Ww), auch wenn diese in Persona auch gleichzeitig Fahrdienstleiter sind. Danach komme ich zu weiteren Signalen, die im Rangierdienst von Bedeutung sind.

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Hp 00

Hauptsignale dürfte jeder Modellbahner kennen – als Flügelsignal oder als Lichtsignal. Doch nun kommt die Enttäuschung: Hauptsignale haben mit einer Ausnahme keine Gültigkeit im Rangierdienst gehabt! Eine Rangierfahrt kann also immer an einem haltzeigenden Hauptsignal vorbeifahren (zu den anderen Regeln der Jetztzeit siehe den letzten Abschnitt ganz unten). Mit Einführung der Lichthauptsignale in den 50er Jahren wurde überlegt, wie man das haltzeigende Hauptsignal und ein für den Rangierdienst gültiges Haltesignal zusammen an einem Signal zeigen kann. Damals wurde der Signalbegriff Hp 00 geboren. Die Bedeutung ist „Halt (für Zugfahrten), Fahrverbot (für Rangierfahrten)“ – die Klammervermerke dienen der Verdeutlichung und stammen von mir. Das liest sich kompliziert, war aber der einzige ultimative Haltbegriff, der für alles im Gleis galt. Doch nun zum Signal:

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Links Hp 00: „Halt, Fahrverbot“ und rechts Hp 0 + Sh 1: „Halt, Fahrverbot aufgehoben“

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Wenn an einem Lichthauptsignal mit Hp 00 die Vorbeifahrt einer Rangierfahrt erlaubt werden sollte, wurde das Signal Sh 1 (zwei weiße Lichter nach rechts steigend) angezeigt. Gleichzeitig wurde das rechte rote Licht ausgeschaltet, so dass nun am Signalschirm effektiv Hp 0 (das einzelne rote Licht) für Zugfahrten („Halt“) und Sh 1 (die beiden weißen Lichter) für Rangierfahrten („Fahrverbot aufgehoben“) gezeigt wurde. Zur Bedeutung des Signals Sh 1 siehe weiter unten.

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Sh 0

Das bekannteste Signal für den Rangierdienst dürfte das sogenannte Sperrsignal sein. Als Formsignal zeigt es einen waagerechten schwarzen Balken vor einem weißen Kreis, als Lichtsignal zwei rote Lichter nebeneinander. Das Formsignal gab es schon in der Epoche II und wird bis heute verwendet, das Lichtsignal gibt es seit den 50er Jahren. Dieses Signal heißt „Fahrverbot“ und bedeutet, dass an diesem Signal nicht vorbeigefahren werden darf und gilt für Rangierfahrten und Zugfahrten.

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Sh 0 als Formsignal, als hochstehendes Lichtsignal und als niedriges Lichtsignal.

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Das Signal Sh 0 wird auch an Prellböcken verwendet, es steht aber in der Regel nur in Gleisen, in die keine Züge einfahren können:

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Sh 0 am Prellbock.

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Sh 1

Wenn das Fahrverbot durch das Stellwerk aufgehoben wird, wird der waagerechte schwarze Balken gegen den Uhrzeigersinn um 45 Grad gedreht. Beim Lichtsignal erlöschen die beiden roten Lichter und zwei weiße Lichter erscheinen, von links nach rechts ansteigend. Die Bedeutung beider Signale ist „Fahrverbot aufgehoben“.

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Zweimal Sh 1 als Formsignal, links mit einer kleinen zusätzlichen weißen viereckigen Tafel mit schwarzem Rand am Signalmast – dazu gleich mehr.

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Zweimal Sh 1 als Lichtsignal, links hochstehend, rechts niedrig.

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Kein Signal, aber wichtig: Das kleine weiße Viereck mit schwarzem Rand

An Form-Sperrsignalen sind heute noch manchmal kleine weiße Vierecke mit schwarzem Rand zu sehen. Diese Vierecke waren keine Signale, aber deren Bedeutung war im Signalbuch erwähnt. Zur Bedeutung dieses Vierecks muss etwas ausgeholt werden: Im Rangierdienst gehört neben einem Triebfahrzeugführer immer ein Rangierleiter dazu, der „das Sagen hat“, also das Rangieren plante, mit den Beteiligten abstimmte und die Verantwortung trug. Dieser Rangierleiter gab, wenn alle Vorbedingungen zur Rangierfahrt erfüllt waren, dem Triebfahrzeugführer durch Signale (Ra 1 bis 5, siehe weiter unten) oder mündlich den Auftrag zum Fahren. Das durfte der Rangierleiter erst machen, wenn die Zustimmung des Weichenwärters zur Rangierfahrt mittels Signal Sh 1 (oder mündlich) gegeben worden ist. Das Geben des Signals Sh 1 war also kein Fahrtauftrag, sondern nur eine Zustimmung des Weichenwärters zur Rangierfahrt – die Entscheidung, ob und wann nach Zustimmungserteilung die Rangierfahrt losfährt, trifft der Rangierleiter.

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Kurz zusammen gefasst: Weichenwärter gibt mit Sh 1 Zustimmung zur Rangierfahrt an Rangierleiter, Rangierleiter gibt danach Fahrauftrag an Triebfahrzeugführer.

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Der Triebfahrzeugführer hatte also nur die Aufgabe, die Rangierfahrt so zu fahren, wie es ihm der Rangierleiter vorgab.

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Doch dieser Grundsatz, dass bei jeder Rangierfahrt ein Rangierleiter am Fahrzeug dabei ist, musste nicht immer eingehalten werden: Bei einzeln fahrenden Lokomotiven oder Triebwagen war es erlaubt, dass der Weichenwärter im Stellwerk die Aufgaben des Rangierleiters übernahm – diese Rangierfahrt wurde als unbegleitete Rangierfahrt bezeichnet, da der Rangierleiter eben nicht mitfuhr. Doch dann fehlte ja nun einer in der Befehlskette: Der Rangierleiter. Also wurde geregelt, dass der Weichenwärter die Aufgaben des Rangierleiters für eine unbegleitete Rangierfahrt mit übernehmen musste, der Weichenwärter war also nun gleichzeitig Rangierleiter. Wenn nun so eine unbegleitete Rangierfahrt vor einem Formsperrsignal mit Sh o stand und dieses in die Stellung Sh 1 wechselte, dann fehlte der Fahrauftrag des Rangierleiters (Weichenwärter) an den an den Triebfahrzeugführer. Da nicht immer und überall Sprechverbindungen zur rangierenden Lok bestanden (Rangierfunk gab es früher nur in den großen Rangierbahnhöfen), wurde dieses kleine weiße Viereck mit schwarzem Rand am Form-Sperrsignal angebracht. Dadurch wusste der Triebfahrzeugführer einer unbegleiteten Rangierfahrt, dass das Signal Sh 1 am Formsperrsignal gleichzeitig den Fahrauftrag des Rangierleiters (Weichenwärter) beinhaltet und er durfte auch ohne Rangierleiter am Fahrzeug an diesem Signal losfahren.

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Links die Raute am Form-Sh 1, rechts stark vergrößert dargestellt.

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Bei Lichtsignalen gab es dieses Viereck nicht, da damals im Regelwerk geregelt wurde, dass ein Licht-Sh 1 bei einer unbegleiteten Rangierfahrt immer gleichzeitig als Zustimmung des Weichenwärters zur Rangierfahrt und als Fahrauftrag des Rangierleiters (Weichenwärter) an den Triebfahrzeugführer galt!

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Rückansichten

Rückansichten? Ja, Rückansichten, denn Formsperrsignale zeigen die Signalbilder auch an der Rückseite des Signalkörpers an! Dort werden bei Sh 0 zwei weiße Punkte nebeneinander angezeigt. Wenn das Signalbild Sh 1 gezeigt wird, wird der linke weiße Punkt verdeckt, so dass nur noch ein Punkt sichtbar ist.

Links die Rückseite von Sh 0, rechts die Rückseite von Sh 1.

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Niedrigstehende Licht-Sperrsignale bilden eine erstklassige Stolpergefahr für Rangierer und alle anderen Eisenbahner, die im Gleisbereich rumlaufen. Deswegen erhielten diese „Zwerge“ auf der Rückseite einen Gefahrenwarnanstrich:

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Gleissperren und deren Signale

Gleissperren riegeln Nebengleise ab, indem ein Entgleisungsschuh auf die Schiene gelegt wird. Wenn die Gleissperre missachtet wird, entgleist das darüber hinwegfahrende Fahrzeug. Dieser Effekt ist gewollt, also bemühen sich alle Eisenbahner, gerade auf aufgelegte Gleissperren besonders zu achten. Damit man erkennt, ob eine Gleissperre aufgelegt ist oder nicht, ist neben der Gleissperre auf einer Seite oder auch auf beiden Seiten ein Gleissperrensignal angebracht, welches bei aufgelegter Gleissperre das Signalbild Sh 0 und bei abgelegter Gleissperre das Signalbild Sh 1 zeigt. Dieses Sh 1 beinhaltet keine Zustimmung des Weichenwärters an den Rangierleiter zur Rangierfahrt, diese muss zusätzlich immer noch extra gegeben werden!

Links Sh 0 bei aufgelegter Gleissperre, rechts Sh 1 bei abgelegter Gleissperre.

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Sh 2

Dieses Signal hat die Bedeutung „Schutzhalt“ und wird zur Kennzeichnung einer Gefahrstelle, die nicht befahren werden darf oder zur Kennzeichnung der Stelle, an der Züge ausnahmsweise halten müssen, verwendet. Weiter gibt es das Signal auch an Deckungsstellen auf der freien Strecke, beispielsweise bei klappbaren Brücken. Aufgrund von Mängeln am Fahrweg gesperrte Gleise werden auch so gekennzeichnet. Und zu guter Letzt findet sich dieses Signal an Prellböcken in Gleisen, in denen Züge einfahren können. Bei Nacht kommt auf die Signalscheibe noch ein rotes Licht.

Zweimal Sh 2, rechts mit rotem Licht als Nachtsignal.

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Rangiersignale

Ra 1 bis 5

Die Signale Ra 1 bis 5 sind Signale, die vom Rangierpersonal und damals auch vom Stellwerkspersonal optisch und akustisch gegeben wurden. Dazu hatte das Rangierpersonal eine Pfeife und eine weiße Lampe für die Nacht, das Stellwerkspersonal eine Winkerscheibe, eine weiße Lampe und ein Horn zur Verfügung. Die Signale sind gleichzeitig sichtbar und hörbar zu geben. Da diese Signale im Modell kaum wiedergegeben werden können, gibt es hier nun nur eine Kurzbeschreibung.

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Ra 1

Bedeutung Wegfahren: Ein langer Ton und mit dem Arm (weiße Lampe, Winkerscheibe) senkrechte Bewegungen von oben nach unten. Das Signal bedeutet, dass die Rangierfahrt vom Signalgeber wegfahren soll.

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Ra 2

Bedeutung Herkommen: Zwei mäßig lange Töne und mit dem Arm (weiße Lampe, Winkerscheibe) langsame waagerechte Bewegungen hin und her. Signal bedeutet, dass die Rangierfahrt auf den Signalgeber zufahren soll.

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Ra 3

Bedeutung Aufdrücken (zum leichteren An- oder Abkuppeln): Zwei kurze Töne schnell hintereinander und beide Arme in Schulterhöhe nach vorn heben und die flach ausgestreckten Hände wiederholt einander nähern – bei Nacht mit der Lampe. Signal bedeutet, dass das Triebfahrzeug soll Fahrzeuge zum An- oder Abkuppeln usw. aufdrücken.

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Ra 4

Bedeutung Abstoßen: Zwei lange Töne und ein kurzer Ton, mit dem Arm zweimal eine waagerechte Bewegung des Arms vom Körper nach außen und eine schnelle senkrechte Bewegung nach unten. Bei Nacht mit der Lampe. Signal bedeutet, das Triebfahrzeug soll Fahrzeuge abstoßen.

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Ra 5

Bedeutung Rangierhalt: Drei kurze Töne schnell hintereinander und mit dem Arm kreisförmige Bewegung des Arms, bei Nacht mit der Lampe. Signal bedeutet, dass angehalten werden soll.

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Ra 6 bis 9: Abdrücksignale

Ra 6

Bedeutung Halt! Abdrücken verboten.

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Ra 7

Bedeutung Langsam abdrücken.

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Ra 8

Bedeutung Mäßig schnell abdrücken.

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Ra 9

Bedeutung Zurückziehen.

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Ra 10 Rangierhalttafel

Halt für Rangierfahrten!

Dieses Signal steht in der Regel im Einfahrgleis hinter dem Einfahrsignal, beim Vorbild in einem Abstand von 200 Metern. Rangierfahrten dürfen an diesem Signal Ra 10 nur mit schriftlichem Befehl des Fahrdienstleiters vorbeifahren, der diesen Befehl erst geben darf, wenn sichergestellt ist, dass kein Zug im Abschnitt vor dem Hauptsignal auf dieses zufährt. Das Signal steht in der Regel links vom Gleis (wenn man vom Bahnhof aus in Richtung Einfahrsignal schaut!), also bei zweigleisigen Strecken nicht zwischen den Streckengleisen.

Dieses Signal Ra 10 gilt für das Gleis rechts vom Signal.

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Ra 11 Wartezeichen

Bedeutung: Auftrag des Wärters zur Rangierfahrt abwarten.

Das Signal zeigt nur eine Tafel in Form eines gelben „W“ mit schwarzem Rand. Die Bedeutung gibt auch wieder, was dort zu geschehen hat: Die Rangierfahrt muss davor warten, bis der Weichenwärter einen Auftrag zur Rangierfahrt gibt. Das kann er beim gezeigten Signal mündlich, über Funk, über Fernsprecher oder durch Gegen der Rangiersignale Ra 1 oder Ra 2 machen.

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Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass an dem „W“ ein Lichtsignal Sh 1 montiert ist und dieses bei Aufleuchten den Auftrag zur Rangierfahrt des Weichenwärters gibt.

Hier im Bild leuchtet das Signal Sh 1 gerade auf, man erkennt die zwei weißen Lichter, nach rechts steigend.

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Aufmerksame Modellbahner haben auch schon Wartezeichen beobachtet, die mit einem Form-Sperrsignal kombiniert worden sind. Diese Kombination wurde überall dort montiert, wo zum Zeitpunkt des Gebens des Signals Sh 1 am Form-Sperrsignal die Rangierfahrt noch nicht losfahren durfte. Ein Beispiel dafür wäre das Umsetzen einer Kurswagengruppe, also mit Reisenden besetzte Wagen. Diese dürfen planmäßig nur auf gesicherten Rangierfahrwegen bewegt werden. Da auf mechanischen Stellwerken Fahrwege mittels Fahrstraßenhebel sichern lassen und für Rangiergfahrwege keine Fahrstraßenhebel eingerichtet wurden, wurden für diese Rangierfahrten die Fahrstraßenhebel der Zugfahrten in Hilfsstellung genutzt. Fahrstraßenhebel lassen sich erst umlegen, wenn alle Fahrwegelemente – dazu zählen, Weichen, Gleissperren und Sperrsignale – in der für die Fahrt richtigen Stellung sind. Also wird das Sperrsignal auf Sh 1 gestellt, bevor der passende Fahrstraßenhebel umgelegt wird. Wenn eine Rangierfahrt dann schon losführe, würde sie auf einem nicht gesicherten Fahrweg verkehren (wie alle anderen Rangierfahrten auch), was aber aufgrund der Regel mit den mit Reisenden besetzten Wagen (siehe oben) nicht zulässig ist. Deswegen verbietet man in solch einem Fall der Rangierfahrt das Losfahren, indem man auf das Form-Sperrsignal ein Wartezeichen montierte. Das sieht dann so aus:

Sh 0 + Ra 11

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Wenn nun am Form-Sperrsignal das Signal Sh 1 eingestellt wird, darf die Rangierfahrt noch nicht losfahren, da das Wartezeichen noch verlangt, dass der Auftrag des Weichenwärters zur Rangierfahrt abgewartet werden muss:

Sh 1 und Ra 11, noch ohne Sh 1 am Ra 11

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Erst wenn der Weichenwärter nun den Fahrweg gesichert hat, gibt er mit dem Lichtsignal Sh 1 am Ra 11 den Auftrag zur Rangierfahrt – die Zustimmung hatte er ja schon mit dem Sh 1  am Formsperrsignal gegeben:

Sh 1 und Ra 11 mit Licht-Sh 1, nun darf rangiert werden!

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Eine Anmerkung noch: Ein einzelnstehendes Ra 11 ohne Form-Sperrsignal hat bei Deutschen Bundesbahn keine Flankenschutz-Funktion gehabt, es bietet Zugfahrten also keinen Schutz!

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Ra 12 Grenzzeichen

Bedeutung: Grenze, bis zu der bei zusammenlaufenden Gleisen das Gleis besetzt werden darf.

Das Signal steht im Winkel zwischen den beiden Gleisen einer Weiche oder Kreuzung hinterm Herzstück. Entweder wird ein rot-weißes Zeichen in der Mitte oder es werden je ein rot-weißes Zeichen neben der inneren Schiene jedes Gleises aufgestellt. Die Form kann variieren, die Farbe aber nicht.

Zur Umsetzung des Grenzzeichens ins Modell habe ich hier schon mal einen Bericht mit Bezugsquellen verfasst: Grenzen setzen.

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Ra 13 Isolierzeichen

Bedeutung: Kennzeichnung der Grenze der Gleisisolierung

An Stellen, wo es für den Rangierdienst wichtig zu wissen, wo eine Isolierstelle für die Gleisfreimeldeanlage im Gleis zu finden ist, wird das Signal Ra 13 hingesetzt. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Isolierstelle an „unüblichen“ Stellen liegen, also anders rangiert werden muss (Weichen weiter als üblich geräumt werden müssen).

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Weiter geht es mit Weichensignalen. Weichensignale zeigen an, für welchen Fahrweg die Weiche gestellt ist. Die Signale sind entweder rückstrahlend oder, wenn es der Betrieb erfordert, bei Dunkelheit beleuchtet. Bei Stellwerken, in denen Rangierfahrten über Rangierfahrstraßen durchgeführt werden (das sind in der Regel nur Drucktastenstellwerke ab Baujahr 1960 oder heute elektronische Stellwerke), wird auf Weichensignalen verzichtet! Da sich die Weichensignale in der Regel von alleine erklären, zeige ich im Folgenden neben der Bedeutung einfach nur das Signal.

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Wn 1 – Gerader Zweig

Die Fahrt geht durch den geraden Zweig der Weiche, bei Innenbogenweichen durch den schwächer gebogenen Zweig.

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Wn 2 – Gebogener Zweig

Die Fahrt geht durch den gebogenen Zweig der Weiche, bei Innenbogenweichen durch den stärker gebogenen Zweig.

Links Wn 2 von der Weichenspitze aus gesehen, der Pfeil oder Balken zeigt die abzweigende Richtung an. Rechts der gezeigte runde weiße Kreis kann vom Herzstück der Weiche aus gesehen werden.

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Bei Außenbogenweichen („Y-Weichen“) wird in beiden Richtungen das Signal Wn 2 verwendet, wobei aber der Pfeil oder Balken in die jeweilige Abzweigrichtung zeigt – es gibt also dabei kein Signal Wn 1! Vom Herzstück aus gesehen wird der weiße Kreis des Signals Wn 2 um eine geöffnete schwarze Sichel ergänzt, welche die jeweilige Abzweigrichtung angibt:

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Die nachfolgenden vier Bilder zeigen die Weichensignale an einer doppelten Kreuzungsweiche (DKW).

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Wn 3 – Gerade von links nach rechts

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Wn 4 – Gerade von rechts nach links

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Wn 5 – Bogen von links nach links

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Wn 6 – Bogen von rechts nach rechts

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Kommen wir zu den Fahrzeug-Signalen. Da gibt es ein paar, die auch im Rangierdienst Geltung haben.

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Fz 1: Rangierlokomotiv-Signal

Kennzeichnung einer Lokomotive im Rangierdienst. Bei Tag gab es kein besonderes Signal, bei Nacht wurde vorn und hinten ein weißes Licht, in der Regel in Höhe der Puffer, angebracht.

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Fz 2: Gelbe Flagge

Kennzeichnung besetzter Schlaf-, Speise-, Bahnpost-, Bahndienst- und Gefangenenwagen während eines Stilllagers. Bei Tag wurde dazu eine gelbe Flagge oder gelbe Tafel an der Langseite des Wagens durch das Wagenpersonal angebracht. Bei Nacht wurde der Wagen zusätzlich nach außen erkennbar beleuchtet.

Links Kennzeichnung mit gelber Tafel, rechts mit gelber Flagge.

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Fz 3 – Pulverflagge

Kennzeichnung von Wagen mit sehr explosionsgefährlichen Gütern. Dazu wurde über beide Stirnwände des Wagens oder an beiden Längsseiten je eine viereckige, schwarze Flagge oder schwarze Tafel mit einem weißen „P“ angebracht.

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Fz 4 – Giftflagge

Kennzeichnung von Wagen mit sehr giftigen Gasen. Dazu wurde über beide Stirnwände des Wagens oder an beiden Längsseiten je eine viereckige, weiße oder gelbe Flagge oder weiße oder gelbe Tafel mit einem schwarzen Totenkopf angebracht.

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Ein Nebensignal wäre auch noch erwähnenswert: Der Gefahrenanstrich

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Ne 8 – Gefahrenanstrich

Kennzeichnung fester Gegenstände. die wegen zu geringem Abstand vom Gleis Personen gefährden können. Mit Personen waren unter anderem Rangierer, die außen am Wagen „hängen“ gemeint. Dazu wurden diese Gegenstände mit einem weißen Anstrich gekennzeichnet.

Schlussbemerkung

Diese Ausführungen beziehen sich auf die Signale für den Rangierdienst in Epoche III. Heute hat sich die Eisenbahn weiter entwickelt. So gibt es das Signal Hp 00 immer noch, es wird aber mittlerweile als Hp 0 bezeichnet. Der Grund dafür ist, dass die Deutsche Bahn AG die Signalsystem der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn zusammenführen und harmonisieren musste. Bei der Deutschen Reichsbahn galt das Signal Hp 0 auch für Rangierfahrten, bei der Deutschen Bundesbahn hingegen nicht. Deswegen hatte die Deutsche Bundesbahn ja auch das Konstrukt aus Hp 0 und Sh 0, genannt Hp 00 am Lichtsignal. Am 08.11.1995 wurde bundesweit der neue Signalbegriff Hp 0 „Halt“ eingeführt, der für Zugfahrten und Rangierfahrten gleichermaßen gilt. Dadurch wurde auch das Signal Hp 00 in Hp 0 umbenannt, eine Differenzierung in der Bezeichnung war nicht mehr erforderlich. Diese neue Regel, wonach Hp 0 nun auch für Rangierfahrten galt, machte eine Anpassung der Rangierregeln erforderlich.

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Die Signale Fz 3 und Fz 4 sind seit 1972 nicht mehr gültig und somit heute verschwunden.

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Und seit kurzer Zeit heißt das Lichtsignal Sh 0 nun auch Hp 0 – was auch logisch ist, da Hp 0 nun ja auch für Rangierfahrten gilt.

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Aufgrund der Abschaffung der Funktion des Rangierleiters – dessen Aufgaben übernahm der Triebfahrzeugführer – konnte auch auf das weiße Viereck mit schwarzem Rand am Form-Sperrsignal verzichtet werden, es gilt heute nicht mehr.

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Das nur mal zur Erläuterung, was heute anders ist. Die eigentlichen Regeln des Rangierens sind heute auch anders als damals, aber das ist Thema eines anderen Berichts, der noch kommen wird!

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Zu guter Letzt noch ein Link zu einem Signalbuch der damaligen Zeit – für den, der weiter lesen will…:

Signalbuch DB 1959

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Comments
4 Responses to “Bahnbetrieb kurz erklärt – Signale für den Rangierdienst”
  1. Thorsten sagt:

    Wieder ein interessanter detail- und aufschlussreicher Bericht. Eigentlich war ich auf der Suche nach Informationen zu Ra 12. Aber im Moment stelle ich mir die Frage, ob Sh 2 definierte Abmessungen oder Proportionen hat?😮
    Na, schau‘ mer ma‘!😉

    • eksnap sagt:

      Hallo Thorsten,

      das Signalbuch definiert keine Größe, nur die Bahn selber hat sich Maße als Sollvorgabe gesetzt. Daraus folgt, dass bei Privatbahnen und Gleisanschlüssen auch andere Maße als bei der DB zur Anwendung kommen können.

      Gruß
      Stefan

      • Thorsten sagt:

        Hallo Stefan,

        danke für die Info! Dann hab ich ja bei meinem Gaswerk freie Auswahl!😉

        Viele Grüße,
        Thorsten

  2. Thomas sagt:

    Klare verständliche Beschreibungen.
    Klasse!

    Gruß
    Thomas

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