Betrieb mit dem Vierkant-Adapter von Schnellenkamp

Hier hatte ich den neuen Vierkant-Adapter aus dem Haus Schnellenkamp zum Umrüsten vorhandener Fahrzeuge mit Original-Kupplung auf Lenz-Kupplung vorgestellt. Dieser Adapter erlaubt es, das in fast jeder Pufferbohle vorhandene Vierkantloch zu nutzen. Da dieser Vierkant-Adapter keine Kurzkupplungs-Kulisse beinhaltet, stellt sich schon die Frage, wie sich dieser Adapter im Bahnbetrieb bewährt und was er ermöglicht. Aus diesem Grund habe ich ein paar Tests gemacht!

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Es stellte sich nun erst einmal die Frage, wie sich dieser Adapter mit Lenz-Kupplung im Gleisbogen verhält, insbesondere beim Bogeneinlauf und im direkten Gegenbogen (auch S-Kurve genannt).  Also dachte ich mir, dass ich einen Test mit den Lenz-Radien R1 (914,4 mm) und R10 (R 1649,39 mm, in den Weichen verbaut) mache. Der Test mit R10 erübrigt sich, wenn R1 problemlos durchfahren wird. Also suchte ich Gleise im R1 und musste feststellen, dass ich diese nicht besitze! Was tun? Da erinnerte ich mich an Gleise von O-Scale-Models. Allerdings haben diese einen Radius von 800 mm, so dass ein erfolgreicher Test auf diesen Gleisen mit diesem sehr engen Radien erwarten lässt, dass alle Lenz-Radien problemlos durchfahren werden.

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Zum Einsatz kamen wieder die Köf II und der Kesselwagen, beide von Lenz. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass der Achsstand der verwendeten Fahrzeuge, der Überhang (Abstand der Puffer zum ersten Radsatz) und der verwendete Radius in direktem Zusammenhang stehen. Mein Test wurde mit diesen drei Fahrzeugen durchgeführt:

  • Köf II von Lenz im Lieferzustand ohne Kurzkupplungskulisse
  • Kesselwagen von Lenz im Lieferzustand mit Kurzkupplungskulisse
  • O-Scale-Kesselwagen mit Vierkant-Adapter und Lenz-Kupplungskopf.

Andere Fahrzeuge mit anderem Radstand, anderem Überhang und die Verwendung eines anderen Radius´ bringen sicher andere Ergebnisse!

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Doch nun zum Test!

1. Verhalten im Gleisbogen mit R 800 mm

Die Köf musste als erstes zum Test herhalten:

Das sieht interessant aus, schauen wir uns das mal näher an:

Der Abstand zwischen den Puffern ist ausreichend groß, da gibt es keine Probeme! Zur Erinnerung: Die Köf hat keine Kurzkupplungs-Kulisse – genauso wenig wie der Adapter im Kesselwagen.

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Schauen wir uns das mal mit einem Lenz-Wagen mit Kurzkupplungskulisse an:

Scheint zu klappen. Mal von nahem:

Die Puffer berühren sich nicht, also keine Probleme!

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Fazit zu 1.: Im Gleisbogen mit 800 mm Radius funktioniert der Adapter sowohl mit Wagen mit Kurzkupplungskulisse als auch mit Fahrzeugen ohne diese Kulisse!

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Doch bevor die Wagen im Gleisbogen sind, müssen sie eine andere Situation durchlaufen:

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2. Verhalten im Einlauf in den Gleisbogen mit R 800 mm, also im Übergang vom geraden Gleis in den Gleisbogen.

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Da der Puffer-Abstand zwischen der Köf und dem Adapter sehr groß ist, habe ich diesen Test nur mit dem Lenz-Kesselwagen gemacht:

Sieht gut aus, oder? Mal näher hingesehen:

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Fazit zu 2.: Auch beim Einlauf in den Gleisbogen mit R 800 mm gibt es dank der im Lenz-Güterwagen vorhandenen Kurzkupplungs-Kulisse kein Problem!

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Eine große Herausforderung im Bereich der Modellbahn ist immer der direkte Gegenbogen, die sogenannte S-Kurve! Also geht´s damit weiter:

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3. Verhalten im direkten Gegenbogen mit R 800 mm

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So stehen die beiden Güterwagen im Gegenbogen:

Deutlich ist der Gegenbogen zu erkennen – wie stehen die Puffer?

Dank der Kulisse im Lenz-Kesselwagen und dem großen Vorstand des Adapters berühren sich die Puffer nicht, das befürchtete Überpuffern tritt nicht ein!

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Fazit zu 3.: Auch kein Problem! Der direkte Gegenbogen stellt kein Hindernis für den sicheren Betrieb dar!

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Gesamtfazit: Dem neuen Vierkant-Adapter von Schnellenkamp kann bescheinigt werden, dass alle modellbahntypischen Gleisbogenverhältnisse mit Radien von 800 mm und größer ohne Probleme durchfahren werden können! Der Pufferabstand ist aufgrund des Vorstands der Lenz-Kupplung im Adapter vor den Puffern immer ausreichend.

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So weit, so gut! An dieser Stelle wollte ich eigentlich den Test beenden. Aber dann fielen mir die Worte meines Modellbahn-Freundes Wolfgang wieder ein, der meinte, dass man den Pufferabstand durch einen kleinen Trick verkleinern kann. Okay, wenn ich das mache, stellt sich wieder die Frage, ob dann alles funktioniert? Doch zuerst einmal ein paar Worte zu dem kleinen Trick:

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Der Trick won Wolfgang ist, einfach die höhenjustierbare Kupplungsaufnahme erst auf den Vierkant-Adapter zu stecken und selbigen dann erst mittels der Schraube durch die Pufferbohle zu befestigen! Dadurch rück der Kupplungskopf einige Millimeter nach hinten. Allerdings kann bauartbedingt der Vierkant des Adapters nicht mehr durch die Pufferbohle gesteckt werden – er wird von der aufgesteckten Kupplungsaufnahme verdeckt. Die Führungsfunktion durch die Pufferbohe hindurch muss die Schraube übernehmen, was aber im Testbetrieb keine Probleme machte. Genug der Worte, hier ein paar Bilder dazu:

Der modifiziert montierte Vierkant-Adapter eingebaut.

In der Schrägansicht erkennt man die andere Einbaulage.

Von der Seite erkennt man gut, dass die Kupplungsaufnahme nun hinter der Pufferbohle und der Kupplungskopf weiter hinten sitzt.

Der Blick von unten zeigt die neue Position der Kupplungsaufnahme und des Kupplungskopfs.

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Hier mal ein Vergleich der Einbaulagen, links das Original, rechts der modifizierte Adapter:

Die Unterschiede der Montage sind gut erkennbar!

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Durch die alternative Einbauart verändert sich die Lage des Kupplungskopfes. Also schauen wir uns mal an, wie sich das auf den Puffer-Abstand auswirkt, zuerst mit der bekannten Köf II und danach wieder mit dem Lenz-Kesselwagen:

Der Pufferabstand ist kleiner geworden.

Von Nahem zeigt sich, dass der Abstand zwischen den Puffern auf wenige Millimeter geschrumpft ist.

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Die Puffer berühren sich!

Die Nahaufnahme zeigt es: Die Puffer berühren sich! Aber es ist auch deutlich erkennbar, dass der Kupplungskopf im Vierkant-Adapter mit seiner Vorderkante, dem Prellbalken, hinter der Pufferebene des linken Kesselwagens liegt! Dieses Maß ergibt sich nun aus der Dicke der Pufferbohle – wäre sie nicht 1,5 mm dick, sondern nur 0,5 mm (wie bei Messingmodellen!), dann läge der Kupplungskopf auf Pufferebene! Dazu gleich unten mehr!

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Nachdem nun klar ist, dass sich das Kupplungsbild durch die andere Montage deutlich verbessert, stellt sich nun die Frage, wie dieser Umbau im Gleisbogen wirkt. Also schauen wir uns wieder das Verhalten im 800 mm-Radius an:

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1. Verhalten im Gleisbogen mit R 800 mm

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Aus der Nähe:

Die Puffer berühren sich an der Innenseite! Der Puffer des Lenz-Kesselwagens ist leicht eingedrückt.

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Fazit zu 1.: Die Puffer berühren sich, ein Puffer wird eingedrückt. Das funktioniert, sofern Federpuffer verbaut worden sind!

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2. Verhalten im Einlauf in den Gleisbogen mit R 800 mm, also im Übergang vom geraden Gleis in den Gleisbogen.

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Weiter geht´s mit unserem Test:

Aus der Nähe:

Die Puffer berühren sich, es wird kein Puffer eingedrückt.

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Fazit zu 2.: Auch der Einlauf in den Gleisbogen R 800 mm ohne Übergangsbogen funktioniert!

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3. Verhalten im direkten Gegenbogen mit R 800 mm

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Nun zur S-Kurve:

Aus der Nähe betrachtet sieht das so aus:

Die Puffer berühren sich leicht, aber es kommt nicht zu einer Überpufferung!

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Fazit zu 3.: Auch der direkte Gegenbogen stellt für den umgebauten Adapter kein Hindernis dar!

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Aber wir sollten noch einmal genauer hinsehen:

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Der Prellbalken der Kupplung, die im Vierkant-Adapter steckt, steht hinter der Pufferebene! Das hat zur Folge, dass ein Kuppeln zweier Fahrzeuge mit diesem Adapter nicht funktionieren wird, da sich beim Beifahren die beiden Prellbalken der Kupplungen nicht berühren werden! Da die Lage des Prellbalkens bei dieser Einbauart, die ja so vom Hersteller nicht vorgesehen ist, von der Materialstärke der Pufferbohle und der Länge der Puffer abhängt, empfiehlt es sich, ggf. den dem Bausatz beiliegenden Kupplungskopf gegen einen eigenen Kupplungskopf auszutauschen. Dieser Kupplungskopf aus eigenem Bestand kann schnell selber gebohrt werden – die genaue Position des Loches wird dann am Fahrzeug selber ermittelt und sollte so gewählt werden, dass der Prellbalken danach etwa 0,5 bis 1 mm vor (!) der Pufferebene zu liegen kommt! Warum vor der Pufferebene? Es kann doch vorkommen, dass zwei Wagen mit Vierkant-Adapter miteinander gekuppelt werden müssen – dann haben beide Wagen keine Kurzkupplungskulisse, so dass ein Fahren „Puffer-an-Puffer“ nicht möglich ist und  ein kleiner Pufferabstand für das Fahren im Gleisbogen erforderlich ist. Übrigens kann der Kupplungskopf  aus dem Bausatz, der dann über bleibt, problemlos in jedem Lenz-Wagen eingebaut werden – ein Tausch ist also möglich.

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Comments
10 Responses to “Betrieb mit dem Vierkant-Adapter von Schnellenkamp”
  1. Engelbert Tosold sagt:

    Hallo Stefan,
    wie immer von Dir ein toller Bericht. Da hab ich mir wieder eine Menge Zeit erspart und kann auf Deine Ergebnisse zurückgreifen. Werde aber dennnoch die Variante mit der Roco KKK versuchen. Vorausgesetzt ich kann den Adapter unter die Längsträger platzieren und muss nicht am Fahrwerk herumfräsen.
    Gruß Berti

    • eksnap sagt:

      Hallo Berti,

      Danke für das Lob! Die Roco-KKK will ich auch mal ausprobieren, aber dazu muss ich erst einmal zu einem SpielteughÄndler kommen, was heutzutage nicht mehr einfach ist…😦

      Gruß
      Stefan

      • Engelbert Tosold sagt:

        Hallo Stefan,
        gib mir Deine Adresse und ich sende Dir welche. Und ein paar R1 Lenz Gleisbögen gleich dazu. Das kann doch nicht sein, dass unserem großen Tester keine geeigneten Versuchsmaterialien zur Verfügung stehen!!!😉

        Das Paket ist schon geschnürt.

        Gruß
        Berti

      • eksnap sagt:

        Hallo Berti,

        danke für Dein Angebot, aber das wird nicht nötig sein! Ich frage mal in meinem direkten „Spur-0-Freundeskreis“ hier im Umfeld, da wird mir sicher geholfen!😉

        Danke nochmal für Dein Angebot!

        Gruß,
        Stefan

  2. Thomas sagt:

    Mich würde interessieren, ob auch Fahrzeuge mit großem Überhang (BR 94 oder BR 78) den Gegenbogen durchlaufen… Mal schaun, wer das als Erster testet. Vll. kann man das Ergebnis dann Deinem ausgezeichneten Test anfügen.

    Gruß, Thomas

    • eksnap sagt:

      Hallo Thomas,

      stimmt, Fahrzeuge mit längerem Überhang wären sicher auch einen Test wert – allerdings würde ich dann nicht den „Schweine-Radius“ mit 800 mm zum Testen nehmen! Aber mangels Masse kann ich diesen Test nicht durchführen – vielleicht hilft mir ja mal ein anderer User…?

      Jedenfalls habe ich den Text um einen entsprechenden Hinweis ergänzt!

      Gruß,
      Stefan

  3. Bernd sagt:

    Hallo Stefan,

    prima Testbericht. Klasse gemacht.

    Frage: Könnte man nicht durch kleine Unterlagscheiben den Kupplungskopf auch in der zweiten Version auf den richtigen Abstand zu den Puffern bringen?

    Gruß aus dem Süden,
    Bernd

    • eksnap sagt:

      Hallo Bernd,

      eine Unterlegscheibe wirkt bei diesem Aufbau nur nach unten und nach hinten, bringt den Kupplungskopf also nicht weiter nach vorne. Bei einer dünneren Pufferbohle säße der Kupplungskopf schon deswegen weiter vorne!

      Gruß,
      Stefan

      • Bernd sagt:

        Hallo Stefan,

        da habe ich einen klassischen Denkfehler gemacht. Natürlich bringen die Unterlegscheiben dort nichts. Danke für den Hinweis.

        Gruß aus dem Süden,
        Bernd

  4. Wolfgang sagt:

    Super Stefan,

    so dachte ich mir das, weiter so,

    Gruß,
    Wolfgang

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