Nebenfahrzeuge

Nebenfahrzeuge – die gelbe Gefahr?

Wenn man in den 80er Jahren einen Fahrdienstleiter nach Nebenfahrzeugen befragte, antwortete er vielleicht: „Du meinst die gelbe Gefahr?“

Seit dieser Aussage haben mich Nebenfahrzeuge fasziniert! Und da mir neulich eine „Übersicht der Nebenfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn“ mit Stand Februar 1963 in die Hände gefallen ist, möchte ich dieses auch für Spur-Oer interessante Vorbildthema etwas näher beleuchten.

Doch zuerst einmal Klärung der Frage: „Was sind Nebenfahrzeuge?“

Dazu zeige ich erst einmal einen Auszug aus der EBO (Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung, heute gültige Fassung) – die EBO ist die grundlegende Rechtsverordnung, welche die Mindestanforderung an Fahrzeuge, Bahnanlagen, Personal und Betriebsführung der Eisenbahn im Maßstab 45:1 definiert. Im § 18 sind die Fahrzeuge definiert und differenziert:

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§ 18 Einteilung, Begriffserklärungen

(1) Die Fahrzeuge werden entsprechend ihrer Zweckbestimmung nach Regelfahrzeugen und Nebenfahrzeugen unterschieden. Regelfahrzeuge müssen den nachstehenden Bauvorschriften entsprechen. Nebenfahrzeuge brauchen diesen Vorschriften nur insoweit zu entsprechen, als es für den Sonderzweck, dem sie dienen sollen, erforderlich ist.

Somit ist klar, dass Nebenfahrzeuge nicht allen Bauvorschriften der EBO entsprechen müssen und dass sie einem Sonderzweck dienen, also nicht für den öffentlichen Personen- oder Güterverkehr gedacht sind. Hier mal zwei Beispiele für Nebenfahrzeuge:

Links Klv 51 in Köln Hbf, 29.10.83 und rechts Klv 96 0013 in Rheinkamp, 1983

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Weiter unten habe ich das oben erwähnte Verzeichnis angehängt, doch bevor Ihr dahin scrollt, biete ich hier noch ein paar Informationen und Definitionen an!

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Viele kennen sicher die Abkürzungen „Klv“ oder „Skl“. Diese Abkürzungen erfüllen unterschiedliche Zwecke! „Klv“ ist ein Beispiel für eine Bezeichnung der Bauart, während „Skl“ eine fahrdienstliche Bezeichnung ist und bestimmte Eigenschaften definiert.

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Fangen wir mit der fahrdienstlichen Unterteilung an:

  • Kl = Kleinwagen und
  • Skl = Schwerkleinwagen

Fahrdienstlich wird nur nach diesen beiden Typen unterschieden. Der Unterschied liegt in der Achslast begründet:

  • Ein „Kl“ (ausgeschrieben Kleinwagen) ist so leicht, dass er Gleisschaltmittel, die beispielsweise zum Einschalten von Bahnübergängen am Gleis angebracht sind und diese bei Überfahren automatisch einschalten, nicht einschaltet! Folglich „funktioniert“ der „Kl“ nicht mit der Sicherungstechnik und erfordert eine besondere fahrdienstliche Behandlung.
  • Ein „Skl“ (ausgeschrieben Schwerkleinwagen) hingegen ist so schwer, dass er sicher alle Gleisschaltmittel auslöst und somit ohne fahrdienstliche Sonderbehandlung auf der freien Strecke verkehren kann.

Logisch, dass einem Fahrdienstleiter ein „Skl“ immer lieber als ein „Kl“ ist. Übrigens begründet die fahrdienstliche Sonderbehandlung der „Kl“ die Bezeichnung dieser Fahrzeuge als gelbe Gefahr…

Kommen wir nun zu den Bauartbezeichnungen – Bekannt sind sicher Kürzel wie „Klv 50“ oder „Kla 01“. Hier gilt mindestens seit den 50er Jahren folgender Bezeichnungsschlüssel:

Kl = Bauartbezeichnung aller Nebenfahrzeuge, Bedeutung Kleinwagen

v = Bezeichnung der angetriebenen Kleinwagen mit Verbrennungsmotor

a = Bezeichnung für nicht angetriebene Kleinwagen – Anhänger

50 = Ziffern bezeichnen die Baureihe zur Unterscheidung der einzelnen Kleinwagen

KDL = Kleinst-Diesellok

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Soviel nun zur Theorie! Aus einer Kleinbilderserie (heute sagt man Dia-Serie dazu) zur Ausbildung von Eisenbahner habe ich folgende interessante Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Nebenfahrzeugen entnommen und hier eingestellt (Klick aufs Bild zeigt selbiges in groß).

Links: Ein Klv 11 wird mittels eingebauter Hubvorrichtung angehoben und durch den Fahrer gedreht – diese Art der Fahrtrichtungsänderungen konnten fast alle kleinen Klv (Klv 01 bis Klv 20). Rechts: Blick auf den Motor eines Klv 11

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Links: Ein Klv 50 mit verstärktem Rahmen. Rechts: Der gezeigte Klv 51 ist quaso ein Klv 50 mit Aufbaukran

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Links: Die Zug- und Stoß-Einrichtungen eines Klv 50. Rechts: Mittels solch einer Stange konnten Güterwagen an den Klv 50 angehängt werden!


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.—

Links: Sonderbauform des Klv 50, bezeichnet als Klv 52. Dient zum Austausch der Propangas-Flaschen an den Signalen (Sorry, das Glas des Dias war gesprungen). Rechts: Mit dem Klv 61 wurde die Oberleitung gewartet.

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Dieser Klv 81 diente zur Inspektion der Bahnanlagen.

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„Übersicht der Nebenfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn“

 

mit Stand Februar 1963

(Klick öffnet großes Bild)

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Klv 01

Klv 04

Klv 05

Klv 10

Klv 11

Klv 12

Klv 20

 

Klv 30

Klv 31

Klv 40

 

Klv 41

Klv 50

Klv 51

Klv 51

Klv 52

Klv 60

Klv 61

Klv 81

Klv 82

KDL 01

Kla 01

Kla 02

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Für diejenigen, die noch mehr sehen wollen, hier nun noch ein paar Links:






 

Comments
One Response to “Nebenfahrzeuge”
  1. Klaus Nußbaum sagt:

    Hallo,

    super das du die Nebenfahrzeuge hier vorstellst. Ich selber habe einen KLV11, bin diesen am Restaurieren. Könntest du dich mit mir bitte in Verbindung mal setzen? Ich hätte gerne eine Kopie des Buches „Nebenfahrzeuge der DB“, und wenn du noch mehr Bilder der Nebenfahrzeuge hast würde ich mich sehr darüber freuen.

    Gruß
    Klaus

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