Kupplungssalat?

Als ich vor vielen Jahren mit der Spur O anfing, gab es in der Spur-O-Szene schon verschiedene Kupplungssysteme, die fast alle ihre Befürworter und Gegner hatten.

Im Einzelnen waren es

  • die Original-Haken-Kupplung (kurz Original-Kupplung),
  • die KaDee-Kupplung,
  • die SCE-Kupplung,
  • die Lima- und Rivarossi-Kupplung und
  • die Pola-Kupplung.

Im Laufe meiner „Spur-Nuller-Zeit“ kamen noch

  • die Allmo-,
  • die Schnellenkamp-,
  • die Ha&We- und
  • die Lenz-Kupplung dazu.

Im folgenden möchte ich die genannten Kupplungen kurz beschreiben und am Ende Hinweise auf den Umbau von vorhandenen Fahrzeugen auf die nun aktuelle Lenz-Kupplung geben.

Originalkupplung

Die Original-Kupplung fand sich an den teureren Modellen und wurde darüberhinaus von den stark vorbildorientierten Spur-Oern genutzt. Allerdings hat sie neben dem Vorteil der vorbildgerechten Optik den Nachteil, dass das Kuppeln und Entkuppeln fast nur mittels Hilfsmittel (Pinzette) möglich ist. Und bei Reisezugwagen mit Gummiwülsten ist das Kuppeln nahezu Glückssache, denn man kann den Zughaken im engen Wagenzwischenraum nicht sehen. Auch das Kuppeln im Gleisbogen ist schwierig, da die federnd gelagerten Kupplungshaken der Original-Kupplung stark ausgezogen werden müssen. Die Original-Kupplung ist keine Kurzkupplung nach NEM, sie überträgt nur Zugkräfte. Die Druckkräfte müssen von den Seitenpuffern übernommen werden, was bedingt, dass diese federnd ausgeführt sein müssen. Diese Kupplung benötigt in Abhängigkeit von den gekuppelten Fahrzeugen in Verbindung mit Übergangsbögen Mindestradien von etwa 120 cm, ohne Übergangsbögen etwa 150 cm.

KaDee-Kupplung

Aufgrund der Tatsache, dass das Kuppeln der Original-Kupplung nur mit Pinzette möglich ist, haben sich damals viele „Betriebs-Eisenbahner“ für die KaDee-Kupplung entschieden. Diese Kupplung ist nach Vorbild einer amerikanischen Mittelpufferkupplung gestaltet und wird mit einem Kupplungskasten unter der Pufferbohle montiert. Diese Klauenkupplung kuppelt sehr leicht ein und kann mittels eines quer zum Gleis polarisierten Magnetfeldes leicht entkuppelt werden. Im Gleisbogen kuppelt diese Kupplung nur, wenn der Radius sehr groß ist und die Kupplungsköpfe direkt voreinander stehen. Auch lassen sich einzelne Fahrzeuge leicht nach oben aus dem Zugverband herausheben. Die KaDee-Kupplung ist keine Kurzkupplung im Sinne der NEM. Das bedeutet, dass entweder Federpuffer an den Fahrzeugen vorhanden sein müssen oder der Abstand zwischen den Fahrzeugen so groß gehalten werden muss, dass eben keine Überpufferungen in Gleisbögen möglich sind. Bei Fahrzeugen nach amerikanischem Vorbild tritt dieses Problem nicht auf, da diese keine Seitenpuffer haben und die KaDee-Kupplung nicht nur die Zugkräfte, sondern auch die Kräfte beim Schieben der Fahrzeuge übernimmt. Sofern die KaDee-Kupplung so eingebaut wird, dass ein „Puffer-an-Puffer“-Fahren vorgesehen ist, gilt für die Mindestradien das Gleiche wie bei der Originalkupplung.

SCE Kupplung

Die Firma SCE hatte an ihren Wagen wahlweise eine Original-Kupplung oder eine eigene Fallhakenkupplung montiert. Diese Fallhakenkupplung war nicht sehr verbreitet und spielte keine ernsthafte Rolle.

Lima, Rivarossi Kupplung

Die Firmen Lima und Rivarossi hatten beide die gleiche Klauenkupplung an ihren Fahrzeugen angebracht. Es handelt sich bei dieser Kupplung um eine große, „klassische“ Modellbahn-Kupplung ohne Kurzkupplungs-Eigenschaften und ohne Vorbild bei der großen Eisenbahn. Die Kupplungen sind so montiert, dass ein großer Abstand zwischen den Puffern, die nicht federnd ausgeführt sind, vorhandensind. Durch die Kupplungsbauart können einzelne Fahrzeuge einfach nach oben aus dem Zugverband entnommen werden. Die Kupplung kuppelt nur schwer ein, zum Einkuppeln muss hart beigefahren werden. Das Kuppeln im Gleisbogen ist nicht möglich. Diese Kupplung übernimmt neben den Zugkräften auch die Druckkräfte und ist deutlich unterhalb der Pufferbohle montiert. Durch den großen Abstand zwischen den mit dieser Kupplung gekuppelten Fahrzeugen können auch Radien ab 80 cm befahren werden. Aufgrund des großen Fahrzeugabstands, des klobigen Aussehens und der wenig rangierfreundlichen Eigenschaften dürfte diese Kupplung nur von wenigen Spur-0ern genutzt werden.

Pola Kupplung

Die Pola-Kupplung ist eine Fallhakenkupplung, welche zwischen den nicht federnden Puffern in der Pufferbohle montiert ist. Es handelt sich auch bei dieser Kupplung um eine große, „klassische“ Modellbahn-Haken-Kupplung ohne Kurzkupplungs-Eigenschaften und ohne Vorbild bei der großen Eisenbahn. Zwar kuppelt diese Kupplung recht leicht ein, aber im Gleisbogen gelingt das Einkupeln nicht. Durch die Kupplungsbauart können einzelne Fahrzeuge nicht einfach nach oben aus dem Zugverband entnommen werden. Diese Kupplung übernimmt neben den Zugkräften auch die Druckkräfte. Diese Kupplung war auch an den RaiMo-, Biller- und EMA-Modellen zu finden. Durch den großen Abstand zwischen den mit dieser Kupplung gekuppelten Fahrzeugen können auch Radien ab 80 cm befahren werden. Aufgrund des großen Abstands dürfte diese Kupplung nur von wenigen Spur-0ern genutzt werden.

Ha & We Kupplung, heute: BieMo Kupplung

In den frühen 90er Jahren kamen dann die Ha&We-Wagen mitsamt der damals neuen Ha&We-Kupplung in den Handel. Die Ha&We-Wagen waren mit einer echten Kurzkupplungskulisse versehen. Als Kupplungskopf kommt ein neuer Kupplungskopf zur Anwendung, der optisch starke Ähnlichkeit mit der Scharfenberg-Kupplung der echten Eisenbahn hat. Die Kupplungsaufnahme entspricht der NEM 362 für die Baugröße HO und wurde danach für die Baugröße 0 in die NEM 362 aufgenommen. Diese Ha&We-Kupplung ermöglichte mit der eingebauten Kurzkupplungskulisse ein „Puffer-an-Puffer“-Fahren, auch bei Radien ab 80 cm. Federpuffer waren bei Einbau dieser Kupplung für den Betrieb nicht erforderlich, aber Ha&We baute sie dennoch ein. Es gab auch Umrüstsätze, um Pola-, Lima- und Rivarossi-Wagen auf die Ha&We-Kupplung umzurüsten. Diese Kupplung kuppelte allerdings nicht im Gleisbogen, und ein Entnehmen eines Fahrzeugs aus dem Zugverband ist nicht möglich. Nach dem Tod des Inhabers von Ha&We übernahm die Firma BieMo die Produkte – Wagen, Kupplungsköpfe und Umrüstsätze sind heute noch erhältlich (BieMo-Kupplung).

Allmo Kupplung

In den 90er Jahren hat die Schweizer Firma Allmo zwei Güterwagenmodelle aus Kunststoff auf den Markt gebracht. Bei einem Modell, dem Schiebewandwagen, lag eine Austauschkupplung für die Original-Hakenkupplung bei. Diese Austauschkupplung passte in das Vierkantloch in der Pufferbohle und hatte einen Kadee-Kupplungskopf. Mit der beschriebenen Kadee-Kupplung konnte diese Kupplung aber nicht kuppeln, da sie eben zwischen Puffern lag und nicht wie die Kadee-Kupplung unterhalb der Puffer. Diese Allmo-Kupplung übertrug nur Zug-Kräfte, für die Zugkräfte waren Federpuffer erforderlich, es galten für diese Kupplung die gleichen Restriktionen wie für die Original-Hakenkupplung. Kupplungen dieser Art sind heute noch bei Schnellenkamp (Allmo-Kupplung bei Schnellenkamp) erhältlich.

Schnellenkamp Kupplung

In dieser Zeit haben sich ein Betriebsbahner zusammengetan und eine Kupplung entwickelt, die die Vorteile einer Haken-Kupplung mit der Austauschbarkeit der Original-Hakenkupplung vereinbaren sollte. So konnte diese Kupplung einfach an allen Fahrzeugen gegen die Original-Kupplung ausgewechselt werden und gleichzeitig war ein einfaches automatisches Einkuppeln möglich. Diese Kupplung wurde von Schnellenkamp auf den Markt gebracht und ist dort heute noch erhältlich (Schnellenkamp-Kupplung).

Lenz Kupplung

Mit Erscheinen der ersten Lenz-Fahrzeuge kam auch die nun bekannte Lenz-Kupplung in den Handel. Bei der Lenz-Kupplung handelt es sich um eine Hakenkupplung, die in Verbingung mit einer Kulisse kurz kuppelt und sowohl die Zug- wie auch die Druckkräfte übernimmt. Der Kupplungshaken ist mit zwei Fangnasen ausgestattet, so dass ein Kuppeln in der Kurve möglich ist. Die Kulisse selbst ist so ausgelegt, dass sie den Kupplungskopf ausreichend weit ausschwenkt, um einen Radius von 914 mm befahren zu können. Der Kupplungskopf sitzt aufgrund der Kulisse unterhalb der Pufferebene, Luftschläuche können deshalb nicht montiert werden. Als einzige im Bereich der Spur O übliche Kupplung kann die Lenz-Kupplung an Lokomotiven mittels Digitalsteuerung gelöst werden, was im Rangierdienst eine deutliche Erleichterung darstellt. Mittlerweile wurde der Lenz-Kupplungskopf in der NEM 365 als  Norm-Kupplung für die Spur O genormt.

Kupplungssalat

Wenn man das Angebot an Kupplungssystemen im Bereich der Spur O betrachtet, kann man schon von einem Kupplungssalat sprechen, erst Recht, da alle Systeme noch in Nutzung sind! Wenn mehrere Spur-Oer zusammenkommen und ihre Fahrzeuge mitbringen, dann kann es schnell vorkommen, dass verschiedene Systeme aufeinander treffen und nicht alle Fahrzeuge miteinander kuppelbar sind. Durch die neu auf den Markt gekommen Lenz-Kupplung und deren positive Eigenschaften bietet es sich an, vorhandene Fahrzeuge auf diese Kupplung umzubauen. Da dieser Umbau einen deutlichen Eingriff in die Substanz des Wagens bedeutet, ist klar, dass für manchen solch ein Umbau für hochwertige Fahrzeuge (Kleinserienprodukte) nicht in Frage kommt.

Für diesen Umbau vorhandener Fahrzeuge auf Lenz-Kupplung gibt es derzeit mehrere Umbausätze, die in den folgenden Teilen vorgestellt werden.

Im einzelnen gibt es von der Firma Moog Modellbautechnik drei Ausführungen. Weiter bietet Schnellenkamp ein Nachrüstset an. Zu guter Letzt plant IBT Schulz, seinen neuen Kalkkübelwagen mit einem Adapter für die Lenz-Kupplung an.

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Hier gibt es die einzelnen Umbauberichte:

– Umbau von Rivarossi-D-Zugwagen mit Moog-Umbausatz

– Umbau eines Güterwagens mit Moog Umbausatz

Umbau mittels Vierkant-Adapter von Schnellenkamp


Normen für Kupplungen in Spur O:
NEM 352 für die Kurzkupplungs-Kulisse
NEM 362 für die Kupplungs-Aufnahme
NEM 365 für den Kupplungskopf

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