Modulnormen: Der Urahn, die NEM 961 D

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Ende der 80er Jahre wuchs der Modulgedanke innerhalb der ARGE Spur 0 – damals DER Verein für alle Spur 0er – immer weiter an. Zwar gab es den FREMO (Freundeskreis Europäischer Modellbahner), in dem auch der Modulgedanke sich entwickelte, aber es waren Mitglieder der ARGE Spur 0, welche die Normung vorantreiben wollten.

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Nachdem sich die Repräsentanten der ARGE Spur 0 und des FREMO zusammengesetzt hatten, war man sich schnell einig, eine einzige Norm voranzutreiben.

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Kennzeichen dieser gemeinsamen Norm sollten folgende Eckpunkte sein:
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  • Normung einer reinen Verbindungsnorm
  • keine Normung des restlichen Kopfprofils
  • einfache Verbindung mit maximal zwei Schrauben
  • keine Elemente, die aus dem Kopfstück herausstehen
  • Moduloberkante über Fußboden 1000 mm (kein Bezug zur Schienenoberkante, um beim Bau der Module einfacher arbeiten zu können)
  • Annahme, dass das verwendete Gleis 7,5 mm hoch ist.

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Nach dieser Norm baute ich 1988 meine ersten Module und reiste damit durch Deutschland. Durch die Bekanntgabe dieser Norm in den Vereinszeitungen der beiden Vereine verbreitete sich diese Norm sehr schnell.

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Meine Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe “Module” des BDEF (Bundesverband Deutscher Eisenbahnfreunde) führte dazu, dass für die Spur 0 die vereinbarte Norm als NEM 912 D in die Normensammlung des MOROP aufgenommen werden sollte. Der Entwurf lag jahrelang dem Normenausschuss vor und führte letztlich zur heutigen NEM 961 D.

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Die Entwicklung der Modulnormen in den letzten 23 Jahren führte zur heutigen NEM 961 D, welche in einem Verbund von Modul-Normen der NEM steht, etwas anders aussieht.

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Die NEM (Normen Europäischer Modellbahnen) ist die Zusammenstellung aller relevanten Normen für die Modellbahnen in Europa. Logisch, dass auch das Thema “Module” dort Eingang fand.

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Heute sieht es so aus, dass es eine “Rahmen-Norm”, die NEM 900, gibt, welche folgende Sachen für alle Modul-NEM aller Spurweiten in Deutschland regelt:
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  • Definitionen
  • Allgemeine Anforderungen
  • Größe und Form der Module
  • Ausführung der Module

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Für die Spur 0 gilt weiter die NEM 961 D, welche wie die alte NEM 912 D das Verbindungstrapez unter dem Gleis normt. Als feste Größe für den Modulkopf gilt das Trapez mit den Abmessungen der Spurweite 32 mm, der Basis von 2 x 80 mm und einer Trapezhöhe von 67 mm. Das entspricht der alten Verbindungsnorm, wobei die Bezugshöhe nun nicht mehr die Moduloberkante, sondern die Schienenoberkante ist. Quasi eine Änderung der Philosophie, aber keine kritische.

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Weiter gibt es folgende Definitionen:
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  1. Gleise werden rechtwinklig an das Modulende geführt.
  2. Die Modulhöhe von der Modulunterkante (MUK) bis zur Schienoberkante (SO) beträgt mindestens 150 mm.
  3. Die Höhe vom Boden bis zu SO beträgt 1000 mm bzw. 1300 mm. Das Modulbein hat die minimale Höhenverstellbarkeit nach NEM 900.
  4. Den Modulen liegt ein Raster von 120 x 120 cm zugrunde.
  5. Ein Modul hat vorzugsweise eine Breite von 60 cm. Eine Breite von 30 cm soll nicht unterschritten werden.
  6. Ein gerades Modul hat die maximale Länge von 120 cm.
  7. Ein Bogenmodul hat einen Radius von 2400 mm und kann als 22,5°-, 15°- oder 7,5°-Modul ausgeführt werden.
  8. Der Mindestradius beträgt 1650 mm, empfohlen wird 2400 mm.
  9. Die Modulverbindung erfolgt mit 8 mm Schrauben und Flügelmuttern vorzugsweise mit Unterlegscheiben durch die 10 mm-Löcher des Modulkopfes.
  10. Es gibt 3 grundsätzliche Profile:
    - I-Profil für Industrie- und Bahnhofsgleise
    - O-Profil für Heranführung des Gleises inklusive Oberbau an den Modulkopf
    - U-Profil für Heranführung des Gleises inklusive Ober- und Unterbau an den Modulkopf
  11. Optionale Bestückung mit Oberleitungsmasten im Regelabstand für Streckenmasten unter Einhaltung des lichten Raumes nach NEM 102 und NEM 103.

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Die Punkte 1. und 9. entsprechen noch der alten Norm, nach der viele Module gebaut wurden. Mit Punkt 3. wurde eine zweite Höhe der Module über Fußboden eingeführt. Über die Punkte 2., 4., 5., 6., 7., 8., 10. und 11. wurde die NEM von einer reinen Verbindungsnorm zu einer komplexen und einengenden Modulnorm weiter entwickelt. Die Punkte 7. und 8. sind rein auf Modelle mit Original-Kupplung zugeschnitten und erlauben eigentlich keine “Lenz-spezifischen” Bogenmodule.

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Als letztes folgt noch eine Normung der elektrischen Verbindung mittels 4mm-Bananenstecker.

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Als Zeichen, dass die NEM 961 D den Charakter einer “Voll-Norm” hat und nicht mehr einer reinen Verbindungs-Norm entspricht, kann man der Tatsache entnehmen, dass es nun auch eine eigene Norm für ein Adapter-Modul gibt. Diese Norm ist unter der Nummer NEM 909 D erfasst.

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Der Vollständigkeit halber sei auch noch eine Norm der elektrischen Schnittstellen für Module erwähnt, welche aber für den Bereich der Spur 0 durch die nachstehende Planungs-/Arbeitshilfe ausgehebelt wird.

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Das ganze NEM-Modul-Norm-“Gebäude” wird um eine Planungs-/Arbeitshilfe zum Bau von Spur-0-Modulen ergänzt. Diese Planungshilfe ist quasi eine weitgehende Anleitung zum Bau von Modulen und enthält auch eine Empfehlung zur elektrischen Verdrahtung von Modulen, die digital betrieben werden sollen. Ergänzt wird diese Hilfe um zwei interessante Beiblätter:
Lehren für Modulköpfe und
Verkabelung für RJ-12 und Xpress Net – Stecker.

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Zusammenstellung der Links zum Nachlesen:
Modul-Grundlagen, NEM 900
Elektrische Schnittstelle in Modulen, NEM 908 D
Adapter-Modul-Norm, NEM 909 D
Modul-Norm, NEM 961 D
Planungs-/Arbeitshilfe zum Bau von Spur-0-Modulen
Lehren für Modulköpfe
Verkabelung für RJ-12 und Xpress Net – Stecker

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Mein Fazit:
Die NEM-Normen für Module hat sich leider von einer reinen Verbindungs-Norm zu einer komplexen Norm entwickelt. “Leider” deswegen, weil die “alte” Norm quasi der kleinste gemeinsame Nenner war, der einfach bei vielen neueren Modulnormen eingebaut werden konnte und somit eine Interoperabilität zwischen den verschiedenen Normen ermöglichte. Damit ist es nun vorbei. Allerdings vermag mir die Planungshilfe mitsamt Beiblätter zu gefallen und ich empfehle einen Blick hier hinein!

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